Auf die Skitour, fertig, los: Teil 4 – Skihochtouren – Ausrüstung und Seilkunde

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Im Rahmen unserer Serie “Auf die Skitour, fertig, los” beschäftigen wir uns jetzt mit den höheren Gipfeln und zeigen dir, auf was es bei der Ausrüstung für eine Skihochtour ankommt.

Gletscherspaltenhüpfen © Gipfelfieber
Auf die Skitour, fertig, los: Teil 4 – Skihochtouren – Ausrüstung und Seilkunde

Skihochtouren – das sind die Touren, die auf die richtig hohen Gipfel führen. Dabei werden bei einer Skihochtour – wie bei einer Hochtour ohne Schnee – oft Gletscher überquert. Die Verhältnisse sind damit deutlich hochalpiner als bei einer normalen Skitour.

Die Saison für Skihochtouren startet regelmäßig erst relativ spät, nämlich oft erst dann, wenn in den Tälern schon die ersten Frühlingsboten Einzug halten. Dann ist die Zeit für die großen Gipfelziele gekommen.

Gletscher sind dann oft einfacher und gefahrloser zu überqueren und die Tage sind schon deutlich länger als zu Beginn des Winters. Die Ausrüstungsliste für eine Skihochtour wird im Vergleich zu einer normalen Skitour noch um einige Punkte ergänzt. Welche das sind, zeigen wir dir im vierten Teil unserer “Auf die Skitour, fertig, los”-Serie.

Serie “Auf die Skitour, fertig, los”

Zusammen mit dem Bergführer und Unternehmer Lukas Kühlechner aus dem Montafon bereiten wir dich auf die Ski(hoch)tourensaison vor, ganz egal ob du absoluter Neuling bist oder schon einiges an Erfahrung gesammelt hast.

Im ersten Teil der “Auf die Skitour, fertig, los”-Serie haben wir dir die passende Skiausrüstung vorgestellt, gefolgt von einem Überblick über die Notfallausrüstung und deren Verwendung. Im dritten Teil ging es schließlich um die passende Bekleidung, die sich weniger am Style, sondern vielmehr an der Funktion orientieren sollte.

Mehr über Lukas erfährst du im Interview mit ihm.

Zusätzliche Ausrüstung für Skihochtouren

Für eine Skihochtour brauchst du zu deiner normalen Skitouren- und Notfallausrüstung noch zusätzliche Ausrüstung, die dir das gefahrlose Überqueren eines Gletschers ermöglicht.

  • Hüftgurt
  • 2x Karabiner
  • 3x HMS-Karabiner
  • Seilklemme
  • Steigeisen
  • Eispickel
  • 3x Reepschnur (ca. 2 m Länge)
  • 1x Bandschlinge (1,20 m Länge)
  • Eisschraube
  • 30- oder 50 m-Seil (abhängig von der Größe der Seilschaft)

Auf die meisten Punkte gehen wir nicht weiter ein, da die selbsterklärend sind. Bei der Wahl des richtigen Seils gilt es aber einige Punkte zu beachten.

Das Seil

Während die oben aufgelistete zusätzliche Ausrüstung für Skihochtouren jeder aus der Seilschaft mitführen muss, so gilt das nicht für das Seil. Hier reicht ein Kletterseil für die ganze Seilschaft.

Das richtige Seil zu finden, ist dabei nicht ganz einfach. Im Handel gibt es unzählige verschiedene und sichere Kletterseile für alle möglichen Einsatzzwecke. Decathlon liefert einen guten und verständlichen Leitfaden zur Wahl des richtigen Seils für deine Zwecke. Welches Seil du für eine Skihochtour verwenden solltest, erklären wir dir in den folgenden Abschnitten.

Diese Seiltypen gibt es

Bei Kletterseilen wird heute hauptsächlich zwischen Einfachseilen, Halbseilen und Zwillingsseilen unterschieden. Alle drei Seiltypen sind sogenannte dynamische Seile, die dehnbar sind und es so erlauben, im Falle eines Absturzes die Sturzenergie aufzunehmen und den Kletterer so abzubremsen.

Im Gegensatz dazu stehen Statikseile, die nicht dehnbar sind und daher lediglich zum Abseilen genutzt werden sollten, keinesfalls aber im Aufstieg, denn ohne die Bremswirkung von dynamischen Seilen können bei einem ruckartigen Abbremsen des Sturzes schwerste Verletzungen auftreten.

Für eine Skihochtour kommen Statikseile also nicht in Betracht, wobei es auch hier Ausnahmen gibt, auf die aber nicht weiter eingegangen werden soll.

Was sind also die Unterschiede zwischen Einfachseilen, Halbseilen und Zwillingsseilen?

Einfachseile

Einfachseile kommen dabei meist in Kletterhallen zum Einsatz. Sie haben mindestens eine Seildicke von 8,5 Millimeter und müssen laut Normvorgabe mindestens fünf Stürze bei einem Gewicht von 80 kg aushalten.

Halbseile und Zwillingsseile

Halbseile sind etwas dünner (Durchmesser zwischen 8 und 9 Millimeter), Zwillingsseile sogar noch etwas dünner (Seildicke: nur 7 bis 8 Millimeter Durchmesser) werden aber im Gegensatz zum Einfachseil doppelt genutzt (Doppelstrang). Das ermöglicht zum Beispiel ein schnelleres Abseilen, schafft durch Redundanz aber auch eine höhere Sicherheit.

Viele Halbseile auf dem Markt sind heute auch als Zwillingsseile zugelassen (und anders herum), beide unterscheiden sich aber in ihren spezifischen Normanforderungen, die sie erfüllen müssen.

Sowohl Halb- als auch Zwillingsseile werden vornehmlich im Alpinsport verwendet.

Das richtige Seil für die Skihochtour

Bei einer Skihochtour kommen im Grunde alle dynamischen Kletterseile infrage. Hier ist es vor allem wichtig, dass das Seil robust und imprägniert ist. Dabei punkten etwas dickere Seile (Seildicke: ab 9 Millimeter Durchmesser) mehr.

So können Zwillingsseile und Halbseile zwar auch bei Skihochtouren verwendet werden, empfehlenswert ist es aber doch auf ein Einfachseil zu setzen, da dieses als Einzelstrang verwendet wird, während die anderen beiden dynamischen Seilarten doppelt verwendet werden sollten. So bräuchtest du also 60 m Halb-/Zwillingsseil, wo ein 30 m-Einfachseil genügt. Das spart einiges an Gewicht und für den Zweck ist das Einfachseil mehr als geeignet.

Verwendung bei der Skihochtour

Bei der Überquerung von Gletschern sollte grundsätzlich eine Sicherung am Seil erfolgen. Gerade im Winter sind Gletscherspalten nur schwer auszumachen und schnell passiert es, dass eine Schneebrücke unter dir bricht und du in die Gletscherspalte stürzt. Ohne Seil bedeutet das nicht selten katastrophalste Folgen.

Regionale Unterschiede

In Deutschland und Österreich hängst du dich mit Karabiner, der am Hüftgurt befestigt ist, und einem Achterknoten ins Seil. In der Schweiz erfolgt die Befestigung durch den Führerknoten, ohne einen zusätzlichen Karabiner. Alternativ ist auch ein Ins-Seil-Einklinken mittels einer Bandschlinge denkbar.

Bremsknoten und Abstände

Gerade bei kleinen Seilschaften empfiehlt es sich, etwa auf halbem Wege zwischen den Bergsteigern Knoten ins Seil zu machen. Im Fall eines Spaltensturzes können die Knoten als Bremse fungieren, die sich regelrecht in Schnee und Eis fressen und den Sturz so mildern können. Wichtig ist es ebenfalls, Abstände von mind. 8 bis 10 Metern zwischen den einzelnen Skitourengehern einzuhalten.

Muss auch bei der Abfahrt angeseilt werden?

Auch wenn die Skiromantik aus Filmen mit Hansi Hinterseer ganz schnell verloren geht, so gibt es hierfür nur eine Antwort: Ja. Nur weil du die Gletscherspalten auf dem Weg nach oben nicht erwischt hast, gilt das nicht auch für die Abfahrt.

Das Abfahren am Seil will geübt sein, je nach Möglichkeit und skifahrerischem Geschick sollten die Abstände der Seilschaft etwas vergrößert werden. Trotzdem lieber auf schnelle und kleine Schwünge verzichten, wenn der Gletscher gequert wird.

Lagerung und Verwendungsdauer

Am Seil © Gipfelfieber
Am Seil © Gipfelfieber

Seile – egal ob für deine nächste Skihochtour oder den Einsatz in der Kletterhalle – sollten an einem trockenen und kühlen Ort gelagert werden. Eine liegende Lagerung ist einer hängenden vorzuziehen. Noch mehr Pflegetipps für Kletterseile gibt`s bei Climb the Earth.

Und wie lange kann ein Kletterseil verwendet werden, bevor man das Seil ersetzt? Die Nutzungsdauer richtet sich nach der jeweiligen Verwendungshäufigkeit.

  • mehrfach pro Woche: weniger als 1 Jahr
  • 1x pro Woche: bis zu 1 Jahr
  • mehrmals im Monat: bis zu 3 Jahre
  • 1x im Monat: bis zu 5 Jahre
  • 1 – 2x im Jahr: bis zu 7 Jahre
  • nie: bis zu 10 Jahre

Zwar deuten Studien darauf hin, dass Kletterseile auch mit zunehmendem Alter ihre Festigkeit nicht einbüßen, jedoch empfehlen die Hersteller nur eine maximale Nutzungsdauer. Bei mechanischen Beschädigungen jeder Art, Kontakt mit Chemikalien oder hohen Sturzbelastungen sollte ein sofortiger Austausch erfolgen.

Gletscherkurs

Bevor du dich nun wie wild durch Online Shops klickst und jegliches Material kaufst, um kommende Woche mit deinen neuen Ski auf den Großglockner zu steigen, empfehlen wir dir unbedingt, einen Hochtourenkurs zu absolvieren. Bei einem solchen Kurs lernst du das grundsätzliche Gehen und Verhalten am Gletscher. Du lernst wie du dich richtig anseilst, wie du Eisschrauben setzt und vor allem wie du eine Spaltenbergung durchführst.

Fazit

Eine Skihochtour ist noch einmal ein völlig anderes Kaliber als eine Skitour. Skihochtouren führen ins hochalpine Gelände und beinhalten Gletscherquerungen, die bei unsachgemäßer Sicherung sehr gefährlich werden können. Daher verlangen Skihochtouren auch ein Plus an Ausrüstung – vom Hüftgurt bis zum richtigen Seil.

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