Auf die Skitour, fertig, los: Teil 1 – Die richtige Ausrüstung

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Der Winter schickt seine ersten Vorboten in die Berge und die ersten Skitouren der Saison lassen nicht mehr lang auf sich warten. Aber welche Ausrüstung braucht es eigentlich beim Tourengehen?

Skitour auf Versettla und Madrisella: Montafoner Winterglück © Gipfelfieber
Auf die Skitour, fertig, los: Teil 1 – Die richtige Ausrüstung © Gipfelfieber

Das Tourengehen wird seit Jahren immer beliebter. Nicht zuletzt hat die Corona-Pandemie dazu beigetragen, diesen Trend noch weiter zu befeuern. Viele, die im Sommer die Berge vor der Haustür entdeckt haben, wollen das nun auch im Winter tun. Die Hersteller locken mit Hochglanzfotos, auf denen junge Skifahrer ihre frischen Spuren in den aufwirbelnden Pulverschnee ziehen.



Auf die Skitour, fertig, los – Serie

Bergführer Lukas Kühlechner © Lukas Kühlechner
Bergführer Lukas Kühlechner © Lukas Kühlechner

Zusammen mit dem Bergführer Lukas Kühlechner aus dem Montafon bereiten wir dich auf die Skitourensaison vor. Wir schauen nicht nur auf die richtige Ausrüstung für deine nächste oder erste Skitour, sondern zeigen dir auch wie du einen Lawinenlagebericht liest und verstehst, welche Lawinenarten es gibt, welche Maßnahmen und Risikofaktoren direkt bei der Skitour immer im Auge behalten werden müssen.

Lukas ist ein Bergführer aus dem Montafon, der sich nicht nur am Piz Buin und an der Zimba bestens auskennt, sondern auch Gründer des Unternehmens Firmalpin ist, welches er zusammen mit Alex Klampfer betreibt. Firmalpin unterstützt bei der Entwicklung von Produkten für den Bergsportbereich, erarbeitet Lenkungskonzepte für den Tourismus, schult Berufskletterer oder begleitet dich auf die Gipfel des Montafons.

Im Interview mit Lukas gibt`s noch mehr Infos zu ihm.

Die richtige Ausrüstung für eine Skitour

Im ersten Teil unserer Artikelserie schauen wir uns an, welche Ausrüstung du brauchst, um auf eine Skitour zu gehen.

“Erst leihen, dann kaufen”

Lukas` Tipps, um die passende Ausrüstung zu finden:

“Die Ausrüstung für das Skitourengehen zu kaufen, ist für viele der erste große Schritt, um die neue Sportart endlich anzufangen. Oft höre ich von Leuten: ‘Ich habe mir jetzt auch Ausrüstung gekauft, hab ein super Angebot bekommen’. Hier empfehle ich klar, sich zuerst einmal eine gute Ausrüstung bei einem fachlich kompetenten Sportgeschäft auszuleihen und erst zu kaufen, wenn die ersten Versuche damit unternommen wurden. Als Sportgeschäft meines Vertrauens zuhause im Montafon kann ich Sport Stöckl in Partenen wärmstens empfehlen. Aber insgesamt hat jedes gute Sportgeschäft in einer Wintersportregion sicher deutlich mehr Erfahrung als ein Geschäft mitten in der Großstadt. Hast du die Ausrüstung dann ausgiebig getestet, dann kann über den Kauf nachgedacht werden.”

Skitour Ausrüstungsliste

Folgende Ausrüstung brauchst du für eine Skitour:

  • Tourenski
  • Tourenbindung
  • Steigfelle
  • Harscheisen
  • Tourenskischuhe
  • Teleskopstöcke
  • Rucksack
  • Notfallausrüstung

Tourenski

Ja, im Grunde kannst du auch mit deinen normalen Ski (und einem speziellen Adapter) starten, die du an Pistentagen im Skigebiet nutzt. Die unterschiedlichen Hersteller haben sich den Skitourenboom natürlich auch genauer angeschaut und so gibt es seit Jahren auch spezielle Ski, die für das Tourengehen mit Aufstiegen und Abfahren im Tiefschnee optimiert sind.

Hier spielt vor allem das Gewicht eine Rolle. Denn je leichter der Ski, desto leichter ist auch der Aufstieg. Zu viel Leichtigkeit kann allerdings zu Lasten der Stabilität gehen. So sind leichtere Tourenski vielleicht angenehmer im Aufstieg, können dafür aber bei der Abfahrt etwas instabiler und unruhiger sein. Ein gut ausgewogener Ski ist daher im Vorteil.

Bevor blind irgendwas gekauft wird, ist es daher unbedingt sinnvoll, Modelle selber zu testen, zu groß ist mittlerweile das Angebot am Markt.

Für Snowboarder gibt es mittlerweile ein breites Angebot an Splitboards, z.B. das Dawn Patrol von Stompede.

Tourenbindung

Mit der Bindung, mit der du auf der Skipiste unterwegs bist, kommst du beim Tourengehen aber wahrscheinlich nicht sonderlich weit, denn für den Aufstieg wird eine Bindung benötigt, die vorne eingerastet ist und es hinten ermöglicht, die Ferse anzuheben, um „Laufen“ zu können. Für die Abfahrt lässt sich die Tourenbindung auch hinten fixieren. Viele Bindungen funktionieren nur noch mit sogenannten Pins, vier Metallspitzen, an denen der Schuh mit der Bindung verbunden ist. Dies ermöglicht ein deutlich geringeres Gewicht bei guter Stabilität.

Steigfelle

Steigfelle werden beim Aufsteigen unter den Ski montiert. Sie sorgen dafür, dass du beim Aufstieg nach vorn gleiten kannst und gleichzeitig nicht zurück rutschst. Der Begriff Fell kommt daher nicht von ungefähr. Während früher vor allem Seehundfell unter die Ski gespannt wurde, setzen Hersteller wie Kohla unter anderem auf das Haar der Angoraziege, das sogenannte Mohair. Auch Kunstfasern werden bei Steigfellen heute verwendet.

Tourenskischuhe

Spezielle Tourenskischuhe bieten heute einen vor Jahren noch nicht für möglich gehaltenen Komfort beim Aufstieg und trotzdem ausreichend Stabilität bei der Abfahrt. Dazu sind die Tourenskischuhe in den vergangenen Jahren leichter und leichter geworden. Die Sohlen von Tourenskischuhen sind darüber hinaus speziell auf die Anforderungen von Tourengehern zugeschnitten. Die sind in der Regel profiliert, so dass die Schuhe auf dem Weg vom Skidepot zum Gipfel auch beim Klettern und Gehen im Gelände einen sicheren Tritt gewähren.

Skistöcke

Am besten nutzt du für deine Skitour Teleskopstöcke, die in der Höhe verstellbar sind. Wichtig sind ausreichend große Teller, sonst versinken die Stöcke im Schnee und bieten nicht die gewünschte Unterstützung beim Aufstieg.

Rucksack

Der Rucksack muss ausreichend groß dimensioniert sein, um nicht nur dem Proviant und Wechselklamotten Platz zu bieten, sondern auch der Notfallausrüstung. Spezielle Tourenrucksäcke bieten zudem Befestigungsmöglichkeiten für die Ski, für Eispickel, Helm oder die Skistöcke. Weit verbreitet sind heute Rucksäcke mit einem integrierten Lawinenairbag.

Harscheisen

Gerade bei steilen Aufstiegen, wo der Wind den frischen Pulverschnee verblasen hat oder auch bei Eiskontakt, bieten die Kanten der Tourenski und die Steigfelle nicht genug Halt. Auch Splitboarder kennen das zur Genüge. Dann kommen Harscheisen zum Einsatz, die sich mit spitzen Zacken in den gefrorenen Schnee oder ins Eis bohren und nötige Stabilität liefern. Harscheisen sind vergleichbar mit Steigeisen, die bei Hochtouren oder bei Gletscherkontakt unter die Bergschuhe gespannt werden.

Notfallausrüstung

Die Notfallausrüstung besteht aus folgenden Komponenten: Ein Lawinenverschüttetensuchgerät (kurz LVS) mit vollen Batterien wird während der Skitour am Körper getragen. Lawinenschaufel, Sonde und ein Biwaksack gehören in den Rucksack. Auch ein Handy solltest du bei dir haben. Mittlerweile gibt es ein breites Angebot an Lawinenrucksäcken, die mit einem Lawinenairbag ausgestattet sind und im Fall der Fälle dafür sorgen sollen, dass du im Falle eines Lawinenabgangs deine Chancen erhöhst, an der Oberfläche zu bleiben.

Im nächsten Artikel zeigen wir dir genau, was es mit den einzelnen Komponenten auf sich hat, was es beim Kauf zu beachten gibt und wie du den Umgang mit der Notfallausrüstung trainieren kannst.

Fazit

Das Angebot am Markt für Skitourenausrüstung ist mittlerweile riesig und ein Stück weit unübersichtlich. Bevor du blind im Internet kaufst, teste, was dir wirklich am ehesten liegt und kaufe erst dann. Das gilt gerade für die Tourenski und die Schuhe.

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