Die Zimba im Rätikon: Stille Triumphe und ein Skelett

0

Die Zimba wird auch als das “Montafoner Matterhorn” bezeichnet. Die Klettertour auf ihren 2.643 m hohen Gipfel ist eines der Highlights in ganz Vorarlberg.

Die Zimba im Rätikon: Stille Triumphe und ein Skelett © Gipfelfieber
Die Zimba im Rätikon: Stille Triumphe und ein Skelett © Gipfelfieber

Lang hat es gedauert bis man ihm endlich Glauben schenkte. Beinahe sechs Jahre brauchte es bis Anton Neyer endlich seinen gebührenden Ruhm einheimsen durfte, denn niemand hielt die Tat, von der erzählte, für möglich. Ganz im Gegenteil: Die Zimba, ein mächtiger Felszacken im Montafoner Rätikon, der tatsächlich an das markante und weltberühmte Zermatter Original erinnert, galt lange Zeit als unbesteigbar.

Und doch fand der Erstbesteiger, ein einfacher Brunnenbauer aus Bludenz, nach zahlreichen Fehlschlägen im Spätsommer 1848 einen Weg auf den Gipfel, auf dem er womöglich trotzdem nicht der Erste war. Denn im steilen Kamin, der von der Südseite bis auf den Gipfel zieht, fand der vermeintliche Erstbesteiger ein menschliches Skelett.

Heute ist die Besteigung der Zimba über die Südseite nicht mehr üblich. Zu groß ist die Gefahr von Steinschlag im exponierten Anstieg. Über die Ost- und Westflanke des Montafoner Matterhorns verlaufen daher heute die meist frequentierten Routen, die jeweils anspruchsvolle Klettertouren darstellen.

Zur Heinrich-Hüter-Hütte

Ausgangspunkt unserer Besteigung der Zimba ist die Heinrich-Hüter-Hütte. Der schnellste Weg zu ihr hinauf ist der mit dem Wanderbus, der in der Hauptsaison von Vandans bis hinein ins Rellstal verkehrt. Das geht freilich auch zu Fuß, ist aber sehr langatmig und nur wenig abwechslungsreich. Vom Ausstieg aus dem Bus ist die Heinrich-Hüter-Hütte in knapp 40 Minuten gemütlichem Aufstieg erreicht. Nur kurz schält sich die mächtige, über der Hütte steil aufragende Zimba aus den Wolken und gibt einen Blick auf ihr Antlitz frei.

Die Heinrich-Hüter-Hütte bietet Platz für 80 Übernachtungsgäste und eine komfortable Ausstattung. Wer sich vor dem Abendessen noch auspowern möchte, findet im hauseigenen Boulderraum die Möglichkeit dafür.



Zum Zimbajoch

Ob sich Anton Neyer von den dichten Wolken am nächsten Morgen hätte abhalten lassen? Wahrscheinlich nicht. Und so folgen wir im dichten und feuchten Nebel dem Aufstieg in Richtung des Zimbajochs, lassen bald die Latschen hinter uns und werden belohnt. Erst sind es nur Nuancen, später wird es heller und heller bis wir plötzlich über dem dichten Wolkenmeer stehen. Im Süden umspielen letzte Nebelfetzen die Gipfel der Drei Türme, während wir im steiler werdenden Gelände in Serpentinen aufsteigen. An ausgesetzten Stellen erleichtert ein Drahtseil den Aufstieg und kurz darauf ist das Zimbajoch erreicht.

Kletterei auf die Zimba

Nur noch knapp 250 Höhenmeter trennen uns vom Erreichen des Gipfels. Doch der Aufstieg über den Westgrat – heute der Normalweg auf die Zimba – hat es in sich und so heißt es im Zimbajoch Gurt und Helm anzulegen. Nach einer kurzen Verschnaufpause startet die spannende Kletterei auf das Montafoner Matterhorn.

Der Aufstiegsweg folgt in etwa dem Gratverlauf. Und doch birgt das bald ausnahmslos ausgesetzte und absturzgefährdete Gelände die Möglichkeit für folgenschwere Verhauer. Markierungen gibt es keine und so musste die Bergwacht schon ein ums andere Mal, Bergsteiger von der Zimba retten, die sich verstiegen hatten. Ortsunkundige sollten daher unbedingt einen Bergführer buchen. Wie schon am Piz Buin bin ich froh, am Seil von Lukas von den Bergführern Montafon durch die Tour geleitet zu werden.

Immer wieder gilt es im Anstieg Kletterpassagen im III. Schwierigkeitsgrad zu überwinden. Die Schlüsselstelle – die Überquerung der Sohmplatte – wartet dabei schon relativ bald. Der griffige Fels und die zahlreichen Halte und Tritte machen die Überwindung allerdings gut möglich. Auf die erste richtige Kletterei folgen immer wieder kurze Gehpassagen, die spektakuläre Tiefblicke nach Nord und Süd liefern.

Mit Genuss zum Gipfelkreuz

Während Lukas die nächste Seillänge voran steigt, bleibt genug Zeit, zu genießen. Die Sonne, deren wärmende Strahlen zum Ende des Sommers gut tun. Und natürlich den Ausblick auf die zu Füßen liegende Bergwelt des Rätikon.

Weiter geht es. IIer- und IIIer-Gelände wechseln sich ab. Der Fels ist dankbar. Griffe und Tritte, mal kleiner, mal größer, nur selten ist das Gestein mal etwas lockerer. Bald schon ist der Gipfel nicht mehr weit. Der letzte steile Aufschwung macht noch einmal richtig Spaß. Ein letzter schmaler Grat und das Gipfelkreuz der Zimba auf 2.643 Metern ist erreicht.

Wie ein dicker Wattebausch liegt der Wolkenteppich unter uns, zieht über schmale Felsbänder und bildet mit den umliegenden Gipfeln und Graten ein atemberaubendes Ambiente, an dem man sich kaum satt sehen mag. Selbst Lukas, der die Zimba schon über 30 Mal bestiegen hat, ist hin und weg.

Alternativen zum Abstieg

Unser Abstieg folgt weitestgehend dem Aufstiegsweg über den Westgrat zum Zimbajoch und von dort zurück zur Hütte. Über die Sohmplatte wird abgeseilt, so dass das Abklettern über die Schlüsselstelle nicht nötig ist.

Alternativ ist auch ein Abstieg nach Norden über den Nordostgrat, der zugleich den einfachsten Zustieg auf die Zimba darstellt, möglich. Im weiteren Verlauf geht es weiter bis zur Sarotlahütte.

Fazit

Eine anspruchsvolle Tour, die Kletterpassagen bis zum III. Schwierigkeitsgrad bereit hält, aber eine, die gehörig Spaß macht. Die Ersteigung des Montafoner Matterhorns, wie die Zimba auch genannt wird, ist ein absoluter Genuss und wohl eine der schönsten Bergtouren von ganz Vorarlberg.

Noch mehr Infos und Bilder auf montafon.at.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.