Montafoner Hüttenrunde durch den Rätikon: Mitten ins Herz

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Die Montafoner Hüttenrunde führt über zwölf Etappen einmal durch und rund um das Montafon. Besonders schön und abwechslungsreich sind die Teilstücke durch den Rätikon.

Montafoner Hüttenrunde durch das Rätikon: Mitten ins Herz © Gipfelfieber
Montafoner Hüttenrunde durch den Rätikon: Mitten ins Herz © Gipfelfieber

Langsam werfen die umliegenden Berge im Westen einen langen Schatten ins Tal. Kurz bevor die Sonne ganz verschwindet, taucht sie die Drei Türme im Montafon in ein gleißendes Orangerot. Ein atemberaubender Anblick nach einem ebenso atemberaubenden Tag.

Die Drei Zinnen sind das wohl berühmteste Bergmassiv der Welt. Selbst die ikonische Form des Matterhorns dürften sie noch in den Schatten stellen. Die Drei Türme dagegen sind weitaus weniger bekannt, stehen mit ihrer imposanten Silhouette den eben genannten aber in nichts nach. Nur ein Grund, warum die Etappen der Montafoner Hüttenrunde durch den Rätikon besonders grandios sind.

Die Montafoner Hüttenrunde

Auf insgesamt zwölf Abschnitten führt die Montafoner Hüttenrunde durch die drei Gebirgsgruppen der vorarlbergschen Region. Verwallgruppe, Silvretta und Rätikon werden in einer Gesamtlänge von knapp 150 Kilometern durchwandert. Wem zwölf Etappen am Stück zu viel sind, der kann sich einzelne Zwischenstücke herauspicken und die Tour so auf zwei, drei oder mehr Etappen reduzieren. Die Anbindung ans Tal und eine bequeme Rückkehr zum Ausgangspunkt sind bei jeder Station möglich.

Uns führt die Montafoner Hüttenrunde einmal quer durch den Rätikon. Vom höchsten Ort des Montafons in Gargellen wandern wir bis zur Totalphütte. Als Highlight wartet am Ende die Besteigung der Schesaplana, dem höchsten Punkt vom Rätikon.

Gargellen – Sarotlajoch – Tilisunahütte

In dichte Wolken hüllen sich die Gipfel rund um Gargellen, so dass die Blicke oft nur wenige hundert Meter weit reichen. Während wir steten Schrittes langsam aufsteigen, blitzt kurz blauer Himmel durch das dichte Weiß und die Felsriesen rund um die Valiseraspitze auf der anderen Talseite lugen immer wieder kurz hervor.

Während sich zur Linken der Röbi Klettersteig spektakulär an einem Bachlauf in die Höhe schwingt, wandern wir weiter zur Unteren und Oberen Röbialpe. Die Nähe zu Graubünden, das direkt hinter dem Kamm liegt, wird beim Blick in die Karte und der Bezeichnung Maisäß mehr als deutlich. Auf dem Walserweg, der sich quer durch Graubünden und Voarlberg zieht, trifft man in regelmäßigen Abständen auf diese Almhütten, die noch aussehen wie vor 300 Jahren.

Die Vegetation um uns herum wird immer weniger und auch das Glockengeläut der letzten auf den Alpen verbliebenen Kühe verstummt je näher wir dem Sarotlajoch kommen. Ein letzter steiler Anstieg und die Passhöhe auf 2.389 m ist erreicht.



Grenzgänger

Obwohl wir die grüne Grenze in die Schweiz überschreiten, brauchen wir keinen Pass. Eine Gruppe stattlicher Steinböcke sieht das ähnlich und verschwindet kurz nach ihrer Entdeckung auf die österreichische Seite. Dass Grenzübertritte nicht ganz so einfach waren, davon zeugen die kleinen Zollhäuschen, die uns beim Weiterweg zur Tilisunahütte immer wieder begegnen. Am Plasseggenpass und am Grubenpass treffen wir die kleinen Hütten. Unweit des Tilisunasees thront ein weiteres, besonders stattliches Exemplar.

Die Tilisunahütte oberhalb des gleichnamigen Sees bietet Platz für 122 Bergwanderer und Bergsteiger. Der unverschlossene Winterraum immer noch 15 Lagerplätze. Beim Blick aus dem vor wenigen Jahren renovierten Gastraum über den Tilisunasee und einem Stück Kuchen lässt sich der Tag hervorragend ausklingen.

Tilisunahütte – Sulzfluh – Lindauer Hütte

Für den Übergang zur Lindauer Hütte bieten sich mehrere Optionen an. Der direkte Weg führt über den Bilkengrat relativ direkt zur nächsten Station. Eine deutlich längere Variante windet sich zunächst zur Tschaggunser Mittagsspitze (2.168 m) und mit viel Höhenverlust durch das Gauertal wieder hinauf zur Hütte.

Wir entscheiden uns für den Abstecher auf die Sulzfluh. In relativ gemächlichem Aufstieg erreichen wir bald ein riesiges Plateau. Die Höhlenforscher, die am Vorabend am Nebentisch von ihren Plänen für den Tag berichteten, verschwinden in einem der zahllosen Löcher im Fels. Der Weg an der Oberfläche wird immer karger und nach etwa zwei Stunden ist der Gipfel der Sulzfluh auf 2.817 Meter Höhe ohne größere Schwierigkeiten erreicht. Irgendwo im Osten versteckt sich der Piz Buin in den aufziehenden Wolken.

Etwas schwieriger wird es dagegen auf dem Weg zur Lindauer Hütte. Der Abstieg über den berühmten Klettersteig durch die Gauablickhöhle ist wenig empfehlenswert. Kurz vor seinem Ausstieg steigen wir also in das steile Kar “Im Rachen” ab. Woher der Name kommt, wird beim Erreichen des Fußes und einem Blick zurück schnell klar.

Hüllten sich die Drei Türme noch lange Zeit in den Wolken geben sie nun nach und nach die Sicht auf ihre spektakulären Gipfel frei und je näher wir der Lindauer Hütte kommen, desto beeindruckender wird das Bergmassiv. Drei Zinnen? Drei Türme!

Die Lindauer Hütte gleicht dann beinahe einem Hotel. 103 Betten, Sauna, Steckdosen in Hülle und Fülle, Infrarotheizungen und ein Leseraum sorgen für ungewohnten Hüttenkomfort. Nur die Gaststube und das herzliche Hüttenteam erinnern an eine urige Berghütte.

Lindauer Hütte – Schweizer Tor – Totalphütte

Die Highlights des folgenden Tages in einen Absatz zu fassen, fällt schwer. Sind es die Drei Türme, die uns den ersten Abschnitt des Weges ständig begleiten? Ist es das Rudel Steinböcke, bei dem der Nachwuchs schon Kletterqualitäten hat, von denen wir nur träumen können? Sind es die Murmeltiere am Wegesrand, die sich wohlgenährt auf den Winter vorbereiten und ob unserer Anwesenheit nur wenig gestört fühlen?

Oder doch das Schweizer Tor? Eine beeindruckende Felslücke tut sich auf der Hälfte der Strecke zur Totalphütte auf. Flankiert von einem einsamen Zollhäuschen fällt der Blick bis weit hinüber zu den Eidgenossen. Nicht weniger imposant ist die Montafoner Seite, deren langes grünes Tal jede Heidi glücklich machen würde.

Die Kirchlispitzen umrahmen den weiteren Aufstieg zum Verajoch und schließlich hinab zum Lünersee, dem einst größten natürlichen Bergsee der Ostalpen, wo die Ziegen ganz selbstverständlich neben den Wanderern am Tisch sitzen.

Eine letzte zähe Angelegenheit ist dann der Aufstieg zur Totalphütte (88 Schlafplätze). In spitzen Kehren windet sich der Steig vom südlichen Seeende schnell in die Höhe. Auf den letzten Metern wird der Rucksack immer schwerer, die Beine immer träger. Der Tag für Tag frisch zubereitete Apfelstrudel verfehlt seine Wirkung nicht und schon bald kommen die Leibeskräfte zurück. Und wenn man genau hinhört, vermag man am Abend auf der Terrasse der Totalphütte beim Betrachten des Sternenhimmels den umher spukenden Gletschergeist zu vernehmen.

Schesaplana – Lünersee – Brand

Bevor die Montafoner Hüttenrunde ihr Ende findet, wartet noch ein Abstecher zur Schesaplana, mit 2.965 Metern Höhe ein Fast-Dreitausender und der höchste Berg vom Rätikon. In etwa zwei Stunden ist das markante Gipfelkreuz von der Hütte aus erreicht. Auf selbem Weg geht es zurück zur Hütte, hinab zum Lünersee und schließlich über den Böser-Tritt-Steig (oder bequemer mit der Lünerseebahn) nach Brand, wo noch Sura Kees geshoppt wird, um die Montafoner Polmanudla nachzukochen.

Fazit

Auf der Fahrt zurück lassen wir die vergangenen Tage nochmal im Kopf Revue passieren und sind begeistert. Begeistert von einer herrlichen Bergwelt, die so rau und schön zugleich ist. Begeistert von den Drei Türmen und ihren felsigen Nachbarn. Begeistert von den wunderbaren Begegnungen mit Steinböcken und Murmeltieren. Begeistert von den liebevollen Hütten und ihren Wirtsleuten. Begeistert vom Rätikon und diesen Etappen der Montafoner Hüttenrunde.

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