Daunenjacken im Kältetest: Alles Daune oder was?

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Daunenjacken sorgen für schnelle Wärme. Wir haben fünf aktuelle Modelle für den Winter 2022/2023 getestet.

Nordisk Lodur im Test © Gipfelfieber
Daunenjacken im Kältetest: Alles Daune oder was? © Gipfelfieber

Nachdem der Winter 2022/2023 schon im Dezember ein kurzes Stelldichein gegeben hat, hat er sich anschließend für über einen Monat aus dem Staub gemacht. Während sich die Gasspeicher freuen, lechzen Skitourengeher, Bergsteiger, Touristiker und nicht zuletzt Skigebietsbetreiber nach kälteren Temperaturen und Neuschnee. Und davon am besten viel.

Bei kälteren Temperaturen fühlen sich die Daunenjacken, die wir ausgiebig getestet haben, nämlich wohl und hier liefern sie ihre beste Performance ab. Machen die Winterjacken auch im Alltag eine gute Figur?

Daune oder Primaloft? Welche Füllung ist besser?

Bei den Isolationsjacken wird in aller Regel zwischen Jacken mit Daunenfüllung und Jacken mit Primaloft, einer isolierenden Füllung aus Kunststoff, unterschieden. Hybrid-Modelle oder neue Technologien wie die von Grüezi bag sind heute noch eher selten anzutreffen, weshalb die in der kurzen Betrachtung hier noch außen vor bleiben sollen.

Daune – Vorteile und Nachteile

Daunen zeichnen sich besonders durch ihre Bauschigkeit aus. Verbunden mit ihrer Wärmeleistung bei extrem geringen Gewicht kommen sie heute in etlichen Isolationsprodukten, z.B. in Schlafsäcken für den Winter und den Rest des Jahres oder eben Jacken zum Einsatz.

Schon im 3. Jahrhundert nach Christi wurde ihre Weichheit als Füllung für Kissen und Bettdecken genutzt. Die Firma Eddie Bauer entwickelte weit mehr als ein Jahrtausend später die erste Daunenjacke.

Meist werden heute Gänsedaunen verwendet, aber auch die Flaumfedern von Enten kommen zum Einsatz. Das sorgt auch seit jeher für die größten Kritikpunkte, denn die “Gewinnung” der Daunen ging vor allem bei der lang üblichen Lebendrupfung Hand in Hand mit Tierquälerei.

Aber auch das ist bei den Herstellern angekommen. Heute sind die Daunen regelmäßig Nebenprodukt bei der Fleischproduktion. Die Hersteller werben mit diversen Siegeln für Tierschutz und eine nachhaltige Gewinnung. Ein paar der Siegel, die von Unternehmen aus der Outdoor-Branche heute verwendet werden:

  • Crystal Down (Nordisk)
  • Responsible Down Standard (RDS) (Grüezi bag, Montane, Jack Wolfskin, Schöffel)
  • Track my Down (Montane)

Eine Übersicht der verschiedenen Nachhaltigkeitssiegel gibt es bei unterwegs.biz.

Ein weiterer Nachteil existiert dank der fleißigen Produktentwicklungsabteilungen dagegen heute kaum mehr: Wenn Daune nass wird, verliert sie einen großen Teil ihrer Wärmeleistung. Mit dem Einzug neuer Technologien und/oder der Kombination mit wasserdichten Membranen spielt dieser Nachteil der Daune heute gerade bei den qualitativ hochwertigen (und hochpreisigen) Produkten kaum mehr eine Rolle.



Primaloft – Vorteile und Nachteile

Die heute ebenso weitverbreitete Primaloft-Füllung kommt im Gegensatz zur Daune ohne tierische Inhaltsstoffe aus. Die Kunststofffüllung besteht aus Polyester, das in einem aufwändigen Verfahren zu kleinen Fasern und einem Netz mit Lufteinschlüssen verbunden wird. Das so erzeugte Füllmaterial hält Wärme am Körper und schützt zugleich vor Kälte von außen. Wird die Primaloft-Füllung feucht und nass büßt sie nur wenig von ihrer Wärmeleistung ein.

Um die gleiche Wärmeleistung wie bei Daunen zu erreichen, bedarf es allerdings mehr Füllmaterial. Bei Gewicht und Packmaß hat die Primaloft-Füllung daher (noch?) das Nachsehen.

Die Freisetzung von Mikroplastik beim Waschen sei ebenfalls als Kontraargument zu nennen. Die Bestrebungen von Primaloft gehen mittlerweile dahin, so weit wie nur irgendwie möglich, recycelten Kunststoff zur Herstellung der Füllung zu verwenden.

So erkennst Du eine warme Winterjacke mit Daunen

Gerade beim Online-Shopping ist es kaum ersichtlich wie warm eine Daunenjacke letztlich wirklich ist. Ein guter Richtwert ist der cuin-Wert, der im Kleingedruckten bei den Artikelinfos in aller Regel mit aufgelistet ist. Der wird mit den Wörtern Füllstärke, Füllkraft oder Bauschkraft angegeben.

Ab einem cuin-Wert von 600 aufwärts kannst Du mit einer guten Wärmeleistung rechnen.

Daunenjacken für den Winter 2022/2023 im Test

Alle getesteten Jacken setzen bei der Füllung auf Daunen, um eine gute Vergleichbarkeit liefern zu können. Getestet haben wir fünf Modelle von Montane, Grüezi bag, Nordisk, Jack Wolfskin und Schöffel.

Montane Anti-Freeze XT Hoodie

Bei der Anti-Freeze XT Daunenjacke der englischen Outdoor-Marke Montane ist der Name Programm. Die 250 Gramm Füllung aus zu 100 Prozent recycelter Daune (750+ cuin/Füllstärke) machen über die Hälfte des Gesamtgewichts (ca. 460 Gramm) der Isolationsjacke aus. Und das macht sich bemerkbar. Selbst bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ist es im Inneren unglaublich warm.

Dazu ist die Montane Anti-Freeze XT Jacke relativ körpernah geschnitten, ohne jedoch die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Das wind- und wasserabweisende Pertex Quantum Eco Außenmaterial hält widrige Wetterbedingungen draußen. Sowohl die Daunen als auch die äußere Lage sind mit einer PFC-freien Imprägnierung versehen. So verliert die Daune nicht komplett ihre Wärmekraft, sollte die Jacke nass werden.

Verarbeitung und Ausstattung lassen keine Wünsche offen: Der Zwei-Wege-Reißverschluss macht zum Beispiel dann Sinn, wenn ein Hüftgurt (z.B. bei einer Skihochtour) angelegt wird. Die Kapuze lässt sich so anpassen, dass sie den Kopf sehr gut und vor allem warm umschließt. Auch für einen Helm ist noch Platz. Schnell verpackt ist die Montane Anti-Freeze XT Daunenjacke im kleinen Sack, der sie auf ein kleines Packmaß reduziert. Wer es flüsterleise mag, der könnte sich vom leichten Rascheln des Außenmaterials gestört fühlen.

ProKontra
  • extrem warm
  • Zwei-Wege-Reißverschluss
  • Preis-Leistungsverhältnis
  • Packsack im Lieferumfang

Nordisk Lodur/Nordisk Sol

Bei der Nordisk Lodur Daunenjacke für Frauen ist die Geräuschkulisse etwas deutlicher wahrnehmbar. Dafür wiegt die Jacke auch lediglich ultraleichte 230 Gramm und ist noch dazu komplett wasserdicht (Wassersäule von 20.000 mm). Die Variante für Männer “Sol” wiegt logischerweise ein klein wenig mehr, ist ansonsten aber baugleich.

Gefüllt ist die Daunenjacke mit dem prägnanten roten Y by Nordisk-Logo (ehemals Yeti) mit Crystal Down. Mit einer Bauschkraft von 900+ cuin verspricht sie jede Menge Wärme. Die Daunenfüllung kommt auch in Nordisk Schlafsäcken wie dem Arctic 1100 zum Einsatz. Die sorgt dafür, dass es vor allem bei Bewegung unglaublich schnell warm wird. Der cuin-Wert hält sein Versprechen.

In Aktion, ob beim Tourengehen oder Bergsteigen, haben die Arme genug Flexibilität, womit ein Hochrutschen der Nordisk Lodur Daunenjacke wirkungsvoll verhindert wird. Überhaupt ist die Isolationsjacke vergleichsweise etwas weiter geschnitten, so dass eine zusätzliche Softshell unten drunter passt.

Mit der anpassbaren Kapuze dringt auch von oben keine Kälte ein. Insgesamt liefert die Lodur/Sol Jacke von Y by Nordisk eine tolle Verarbeitung sowie eine herausragende Mixtur aus Schutz vor Wind, Wetter und vor allem Kälte.

ProKontra
  • extrem leicht
  • wasserdicht
  • sehr gute Wärmeleistung
  • raschelt etwas
  • teuer

Grüezi bag Faithful DownWool Jacket

Grüezi bag Gründer Markus Wiesböck (hier geht`s zum Interview mit Markus) hat es geschafft, Daune und Wolle zu kombinieren, um so Schlafsäcke produzieren zu können, die auch dann noch wärmen, wenn sie nass werden. Das gleiche Prinzip hat Markus nun auf Jacken übertragen und herausgekommen ist die Grüezi bag Faithful DownWool Jacket, die bereits seit dem Winter 2021/2022 erhältlich ist.

Die Isolationsjacke ist keine herkömmliche Daunenjacke, sondern mit ihrer Füllung aus 70 Prozent Daune und 30 Prozent Wolle eine Mischung. Einmal angezogen, spendet sie schnell Wärme. Und das auch, der beigemischten Wolle sei Dank, wenn es nass wird.

Mit ihren 500 Gramm Gewicht ist die Grüezi bag Faithful DownWool Jacke zwar nicht die leichteste Jacke im Test, dafür stimmt die Ausstattung. Beim Alltagsgebrauch und auch bei Skitouren, wo es nicht auf jedes Gramm Gewicht ankommt, spielt das quasi keine Rolle. Den Alltagstest besteht die Daunenwolljacke mit Bravour.

Zum ausführlichen Test der Faithful DownWool Jacket von Grüezi bag.

ProKontra
  • sehr guter Tragekomfort
  • sehr warm
  • angenehmes Klima
  • etwas schwerer

Jack Wolfskin Alpspitze Down Hoodie

Der Alpspitze Down Hoodie von Jack Wolfskin ist eine mit RDS-Daunen gefüllte Isolationsjacke aus der Skitouren-Serie, die sowohl für Frauen als auch Herren erhältlich ist. Der sportliche Schnitt der Jacke und die hochwertige Verarbeitung spiegeln das sehr gut wieder.

Trotz des etwas kürzeren Rückens sitzt die Daunenjacke dank ihrem Flexibilität erlaubenden Schnitt perfekt und schmiegt sich dem Körper an. Ein freiliegender Rücken ist so nicht zu befürchten.

Das wind- und wasserabweisende Außenmaterial sorgt dafür, dass es innen trocken bleibt. Dazu kommt, dass die Daunenfüllung mit der chemikalienfreien Allied Feather ExpeDRY-Technologie bearbeitet sind, so dass diese eine deutlich bessere Wärmeleistung liefern, sollten sie doch nass werden.

Die Jack Wolfskin Alpspitze Daunenjacke wird trotz ihrer 800er Bauschkraft am besten als Zwischenschicht beim Skitourengehen oder als oberste Schicht bei Frühlingstouren getragen.

Die variable Kapuze passt auch über einen Helm. Mit ultraleichten 270 g (Größe S, Männer: 300 g bei Größe M) ist die Daunenjacke ein echtes Leichtgewicht und findet dank mitgeliefertem Packsack in jedem Rucksack Platz.

ProKontra
  • sehr guter Tragekomfort
  • Packsack
  • große Innentaschen
  • mittlere Wärmeleistung

Schöffel Lodner Daunenjacke

Wie die Vorgänger im Test ist auch die Schöffel Lodner Daunenjacke für Skitourengeher optimiert. Mit ihrem deutlichen komfortableren und weiteren Schnitt macht sie auch im Alltag mit dicken Pullover unten drunter eine gute Figur. Bewegungsfreiheit bietet die Daunenjacke ohne jede Einschränkung.

Mit einem Gewicht von etwas weniger als 400 Gramm ist sie luftig genug, um sie als wärmende Extraschicht im Skitourenrucksack dabei zu haben. Einmal übergestreift, spendet die Lodner Daunenjacke von Schöffel schnell und zuverlässig Wärme. Mit den Kordeln am Bund können potentiell entstehende Kältebrücken verhindert werden (bisher allerdings unnötig!).

Das Außenmaterial ist wasserabweisend, winddicht und relativ robust. Ein spitzer Ast oder ein Stacheldraht sorgen aber leider doch für ein kleines Loch. Im Lieferumfang der leichten Lodner Daunenjacke von Schöffel sind allerdings kleine Klebeflicken enthalten, die ein solches Loch im Handumdrehen wieder verschließen. Die wiegen quasi nichts und finden in der inneliegenden Brusttasche auch dauerhaft ihren Platz, so dass sie im Fall der Fälle schnell zur Hand sind. Und so taugt die Schöffel Lodner Daunenjacke nicht nur als Zwischenschicht, sondern dank des robusten Wetterschutzes und der Füllstärke von 800+ cuin auch als äußerste Lage bei einer Skitour. Die flexible Kapuze liefert einen zusätzlichen Schutz von oben.

ProKontra
  • sehr guter Tragekomfort
  • Preis-Leistungsverhältnis
  • sehr warm
  • Reparaturflicken im Lieferumfang

Fazit

Ein Fazit zu ziehen, ist nicht einfach, denn alle Daunenjacken im Test wissen mit ihren jeweils besonderen Eigenschaften zu überzeugen. Nachteile muss man förmlich suchen und so fällt es schwer bis unmöglich einen Testsieger zu küren.

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