Einfache Wanderung vom Königssee zur Eiskapelle: Kathedrale aus Eis

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Am Fuß der berüchtigten Watzmann Ostwand liegt eine Kathedrale aus Eis. Eine einfache Wanderung führt von St. Bartholomä im Königssee zur Eiskapelle, einem gewaltigen Naturschauspiel, das allerdings nicht ganz ungefährlich ist.

Eine Kathedrale aus Eis: Die Eiskapelle © Gipfelfieber
Eine Kathedrale aus Eis: Die Eiskapelle © Gipfelfieber

Ein kalter Luftzug weht aus der gewaltigen Öffnung am Fuß der gewaltigen Ostwand heraus, der beinahe erschaudern lässt. Erfürchtig stehen wir vor dem riesigen Schlund, der uns wahrlich kühl empfängt und doch so beeindruckend ist

Die Eiskapelle inmitten der Berchtesgadener Alpen ist das tiefstgelegene permanente Schneefeld und Eisfeld der deutschen Alpen. Bis in die 1950er Jahre hinein hatte die Eiskapelle noch den Status eines Gletschers inne. Auf Grund der stetig abschmelzenden und kleiner werdenden Eisfläche hat sie den heute offiziell allerdings nicht mehr. Experten schätzen, dass seit der Mitte des letzten Jahrhunderts knapp zwei Drittel bis drei Viertel der Eisfläche verloren gegangen sind.

Auf einer einfachen Wanderung wandern wir von der Halbinsel St. Bartholomä in etwas über einer Stunde immer auf den wohl berühmtesten Berg Deutschlands zu bis zur Eiskapelle.

Entstehung Eiskapelle

Wie die Eiskapelle entsteht, wird vor allem im Winter deutlich. Dann ist das Spuren im tiefen Schnee durch das lange Eisbachtal zwar möglich, der Weg bis zur Eiskapelle aber unmöglich und sogar lebensgefährlich. Denn es sind Lawinen, die aus der steilen Watzmann Ostwand hinab donnern und am Fuß der Wand höchsten Felswand der Ostalpen zum Erliegen kommen. Von weitem lässt sich dieses Schauspiel bei einer Wanderung bis fast zur Eiskapelle im Winter gut beobachten. Ein Betreten, selbst ohne Lawinen, ist aber unmöglich, ist der Eingang doch unter riesigen Schneebergen verborgen.

Die Lawinen sorgen dafür, dass das Schneefeld Jahr für Jahr erneut gespeist wird und man geht davon aus, dass das Eisfeld so auch auf der geringen Höhe von etwas unter 900 m dem Klimawandel ein Stück weit trotzen wird. Ob das eintrifft, wird die Zukunft zeigen.

Im Sommer sorgt das Schmelzwasser schließlich dafür, dass das Schneefeld mehr und mehr unterspült wird. Eisige Fallwinde, die die Watzmann Ostwand hinab sausen, sorgen für nicht nur für die kalte Luft im Eingangsbereich, sondern auch dafür, dass sich die Gänge im Inneren der Eiskapelle mit dem Fortschreiten des Sommers weiter und weiter vergrößern, um im Winter schließlich wieder zugeschüttet zu werden.

Tour in der Übersicht

• Start (Auto & ÖPNV): Parkplatz Königssee, Schönau am Königssee
• Route: Seelände – St. Bartholomä – Eisbachtal – Eiskapelle – St. Bartholomä – Seelände
• Länge: 6,9 km
• Dauer: 2 – 2,5 h
• Höhenmeter: 264 hm
• Charakter: einfache Wanderung
• Höchster Punkt: Eiskapelle, ca. 900 m
• Einkehrmöglichkeiten: Fischerstüberl & Gaststätte St. Bartholomä




Mit dem Schiff nach St. Bartholomä

Ausgangspunkt für die Tour zur Eiskapelle ist einmal mehr die Seelände in Schönau am Ufer des Königssees. Mit dem Boot setzen wir über bis nach St. Bartholomä. Gerade im Sommer lohnt es sich, früh dran zu sein, denn der Königssee ist nach wie vor eines der beliebtesten Ziele in den deutschen Alpen und auch die Wanderung zur Eiskapelle ist stets hoch frequentiert.

Alle paar Minuten legen die schon seit über 100 Jahren elektrisch fahrenden Schiffe ab, passieren die Echowand und erreichen nach knapp 35 minütiger Bootsfahrt schließlich St. Bartholomä.

Alternativ: Über Kührointalm und Rinnkendlsteig

Deutlich länger und anspruchsvoller, landschaftlich aber nicht minder attraktiv ist der Fußweg nach St. Bartholomä. Der führt zunächst am Fuß des Grünsteins und parallel zur Bobbahn, die nach einem Unwetter aktuell wieder aufgebaut wird, recht steil nach oben. Knappe 2,5 Stunden später wird die Kührointalm erreicht, wenig danach und mit einem kleinen Umweg die Archenkanzel, die den wahrscheinlich besten Blick auf den Königssee bietet. Schließlich folgt der sehr steile Abstieg nach St. Bartholomä über den Rinnkendlsteig. Der ist teilweise versichert und gerade im Abstieg sehr anspruchsvoll. Darüber hinaus verlängert sich die Tour so um knappe vier Stunden.

Von St. Bartholomä zur Eiskapelle

An der Wallfahrtskirche St. Bartholomä angekommen, lassen wir den Trubel so schnell es geht hinter uns. Im Wald verlieren sich die Ausflügler und Wanderer relativ schnell und bald erreichen wir das Eisbachgries, eine Schuttreiße am Ausgang des Eisbachtals, das hinter einer Brücke und der kleinen St. Johann- und Paul-Kapelle nun merklich ansteilt. Im dichten Wald überwinden wir auf dem Wanderweg einige Höhenmeter und nach knapp 30 Minuten öffnen sich Wald und Tal, durch das wir schließlich, am Ende nochmal steiler werdend und immer neben dem Eisbach, nach etwa 1 bis 1,5 Stunden vom Start in St. Bartholomä die gewaltige Kuppel der Eiskapelle erreichen.

An der Eiskapelle

Bis zu 15 Meter hoch ist der Eingang im Sommer und sofort spüren wir den eisigen Luftzug. Die Eiskapelle selber sollte vor allem im Sommer nicht betreten werden, sowohl innen als auch außen das Eisfeld selber. Zu groß ist gerade im Sommer die Einsturzgefahr und immer wieder passieren hier tragische Unglücke, die von eingebrochenen und in die Tiefe stürzenden Bergsteigern bis hin zu von der Decke der Eiskapelle herabstürzenden Eisblöcken reichen. Vor allem die hohen Temperaturunterschiede durch die Sonne im Sommer machen das Betreten riskant.

Rückweg zum Königssee

Wir beeilen uns und lassen die eisigen Winde im Eingangsbereich der Eiskapelle schnell wieder hinter uns. Auf dem gleichen Weg, über den wir zuvor gekommen sind, wandern wir wieder zurück dem Eisbach folgend, vorbei an der Kapelle bis nach St. Bartholomä. Mit dem Schiff geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt nach Schönau am Königssee.

Achtung: Wer das letzte Schiff verpasst, dem droht eine gewaltige Strafe, denn das Übernachten ist im Nationalpark Berchtesgaden strengstens verboten. Ausschließlich das Ostwandlager steht Bergsteigern, die die Watzmann Ostwand bezwingen wollen, zur Verfügung. Alle anderen werden kostenpflichtig ausgeschifft.

Fazit

Die Eiskapelle ist ein beeindruckendes Naturphänomen und Geotop am Fuße der Watzmann Ostwand inmitten der Berchtesgadener Alpen und des Nationalparks Berchtesgaden. Die recht kurze einfache Wanderung führt auf die imposante Wand bis zur Höhle aus Eis. Von einem Betreten der Eiskapelle sollte vor allem im Frühling und Sommer abgesehen werden.

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