Die Tauern-Überschreitung: Drei stille Gipfel über dem Plansee

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Direkt am Ufer des Tiroler Fjords – dem Plansee – startet die zwischendrin anspruchsvolle Tauern-Überschreitung. Die Wegfindung ist nicht immer ganz einfach.

Die Tauern-Überschreitung: Drei stille Gipfel über dem Plansee © Gipfelfieber
Die Tauern-Überschreitung: Drei stille Gipfel über dem Plansee © Gipfelfieber

Der Tauern ragt über der Westseite des Plansees auf und wirkt fast wie ein eigenes Gebirge, will er doch nirgendwo so recht dazu zu gehören. Wie überall rund um den Tiroler Fjord bietet die Tauern-Überschreitung über seine drei Gipfel nicht nur sagenhafte Tiefblicke auf den türkis leuchtenden Bergsee, sondern auch Einsamkeit, denn die Gipfel sind – warum auch immer – oft nur wenig frequentiert.

Die Tauern-Überschreitung ist auch im Wanderführer “Vergessene Steige – Bayerische Alpen” enthalten. Das Buch ist bei Amazon erhältlich.

Tauern-Überschreitung – Welche Richtung?

Ausgangspunkt für die Tour über den Tauern mitsamt den Gipfeln Schrofennäs, Tauernkopf und Zunterkopf ist das westliche Ende des Plansees beim Campingplatz Seespitz, noch bevor der Kleine Plansee erreicht ist. Nach dem Überqueren der Brücke gilt es, sich zu entscheiden, in welcher Richtung man die Tour über den Tauern gehen möchte.

Der Aufstieg über den Ostkamm ist empfehlenswerter, da der zugewucherte Pfad im hohen Gras von oben nur sehr schwer zu sehen, beim Aufstieg von unten aber doch nicht zu verfehlen ist. Darüber hinaus ist der Steig oft relativ feucht und ein Ausrutschen ist im steilen Gelände nicht erstrebenswert. Ein kleines Manko beim Aufstieg über die Ostseite: Der Plansee bleibt im Rücken und um den Blick auf das funkelnde Türkisgrün zu erhaschen, muss man kurz pausieren und sich umdrehen.



Am Ufer zum Einstieg

Also hinter der Brücke zunächst dem Uferweg nach links in östlicher Richtung folgen. Etwa eine Viertelstunde geht es auf dem breiten Wanderweg am Ufer des Plansees entlang. Bald schon öffnet sich der Blick über den ganzen See bis hinüber zu seinem Ostufer und dem dahinter aufragenden Schönjöchl. Nach dem Passieren des Bichlgrieß – einer markanten Schuttrinne – zweigt gut erkennbar der Steig auf den Tauern ab, der sich im Aufstieg auch kaum verfehlen lässt.

Steiler Aufstieg am Ostkamm

Der Pfad gewinnt rasch an Höhe und führt äußerst steil durch den Bergwald nach oben, immer ein Stück links von der Rinne, die von einem kleinen Kamm getrennt manchmal auch etwas Wasser führt. Das im Sommer relativ hohe Gras verdeckt den Weg immer wieder, der sich trotzdem nicht wirklich verlieren lässt, zu klar ist sein Verlauf. Während der Wald langsam lichter wird, fordern kurze steile und feuchtere Passagen ein ausgeprägtes Maß an Trittsicherheit.

Bald, wenn die Waldzone verlassen wird, ist es Zeit, sich zum ersten Mal für den angesprochenen Ausblick im Rücken umzudrehen. Der Steig windet sich weiter durch Latschen nach oben während der Kamm zusehends schmaler wird.

Ein wenig vertrauenserweckendes Stahlseil aus dem letzten Jahrtausend und eine viersprossige Leiter helfen, kurze anspruchsvollere Passagen mit schwindelerregenden Tiefblicken in die Rinne zu überwinden. Unmittelbar danach wird eine kleine Jagdhütte erreicht, deren kleine Sitzbank zu einer ausgedehnten Pause einlädt (etwa 1 h ab Start).

Wegsuche zur Schrofennäs

Der Weiterweg muss nun erstmal gefunden werden. Direkt vor der Sitzgelegenheit lassen sich Spuren im Gras entdecken, die von dem wunderbaren Kleinod wegführen. Kurz darauf wird der Pfad aber wieder deutlicher und führt in sehr steiles, offenes Gelände, ohne viel Höhe zu gewinnen. Ein Abbruch wird oberhalb gequert und der Weg steilt nun wieder ordentlich an und führt im ausladenden Zickzack durch das Gras, mittlerweile über dem Heiterwanger See.

Mit Schrofennäs und Tauernkopf sind die beiden ersten Gipfelziele im Blick. Immer wieder weisen stark verblasste blaue Markierungen den Weg. Wenig später zurück im lichten Bergwald wird es für ein paar hundert Meter deutlich angenehmer zu gehen.

Die Entspannung ist aber schon bald vorbei und ohne einen GPS-Track, gutes Wegfindungsgespür und/oder ein sehr gutes Kartenverständnis lässt sich der Abzweig zur Schrofennäs eigentlich kaum entdecken. Mit ein wenig Fantasie findet man sich aber doch auf einem teils mit roten Punkten markierten Pfad wieder, der durch Latschengassen und an Felsen vorbei steil von Norden, zuletzt aber über die Südseite bis auf den unbekreuzten Gipfel der Schrofennäs führt. Der höchste Punkt bleibt denen vorbehalten, die sich mit einer Säge gewappnet, den Weg durch die dichten Latschen bahnen (ca. 1,5 h ab Jagdhütte).

Von der Schrofennäs zum Tauernkopf

Ein Weiterweg zum Tauernkopf auf der Südseite sieht auf den ersten Blick verlockend aus und scheint wohl auch möglich. Der deutlichere Wegverlauf verläuft aber auf der Nordseite. Nach einem kurzen Abstieg geht es auf der anderen Seite wieder nach oben. Der Pfad lässt sich hier schnell verlieren, da etliche Viehsteige für Verhauer sorgen können. Um dem zu entgehen, sollte man sich möglichst kammnah halten. So geht es mal rechts, meist aber links vom Rücken, später steiler werdend nach oben.

Auf der Südseite wird kurz vor Erreichen des Gipfelkreuzes des Tauern/Tauernkopfs (1.841 m) eine kleine Felsstufe in einfacher Kletterei (I. Grad nach UIAA) überwunden (ca. 45 Minuten).

Übergang zum Zunterkopf

Zunächst auf deutlichem Pfad durch felsdurchsetztes und steiles Gelände absteigen, schließlich dem Kammverlauf folgend weiter. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier wieder nötig. Sich in den Weg stellende Felstürme werden in einem kurzen Abstieg (nicht zu weit) auf der linken Seite umgangen. Der etwas unscheinbare Abzweig führt schließlich am Fuß eines Felsklotzes entlang und durch eine steile erst spät sichtbare Rinne zurück zum Kamm. Der letzte Anstieg zum Zunterkopf (1.811 m; auch Tauern-Nordwestgipfel) ist dann einfach (ca. 30 Minuten).

Abstieg zum Plansee

Der Abstieg zurück zum Plansee ist auch recht einfach, zieht sich aber. Vom Gipfel zunächst in nördlicher, später nordwestlicher Richtung stets gut erkennbar bergab. In etlichen Kehren geht es schließlich im Wald etwa 1,5 Stunden nach unten bis die in der Regel stark befahrene Straße überquert wird. Auf der anderen Straßenseite führt der Weg oberhalb der Stuibenfälle bis zu einer Staumauer, wechselt erneut die Straßenseite, um am Ufer des Kleinen Plansees zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen.

Fazit

Die Tauern-Überschreitung über Schrofennäs, Tauernkopf und Zunterkopf ist eine grandiose Wanderung mit einer leichten Kletterstelle. Schwieriger ist zwischendrin die Wegfindung. Belohnt wird man mit einer ruhigen Bergtour, die wenig frequentiert ist.

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