Leichte Bergschuhe im Test: Neue Leichtigkeit am Berg

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Immer mehr Hersteller haben leichte Bergschuhe im Angebot. Wir haben aktuelle Modelle getestet und zeigen, wo sie zum Einsatz kommen können.

Leichte Bergschuhe im Test © Gipfelfieber
Leichte Bergschuhe im Test © Gipfelfieber

Seit einigen Jahren werden Bergschuhe leichter und leichter. Die Forschungsabteilungen der Hersteller geben keine Ruhe und finden immer neue Möglichkeiten, dass die verwendeten Materialien dünner und leichter werden. Der schwere Bergstiefel ist auch heute noch anzutreffen, aber braucht es ihn überhaupt noch?

Für etliche Touren, vor allem in hochalpinem Gelände, mag er noch seine Daseinsberechtigung haben, aber zugleich gibt es immer leichtere Bergschuhe, die einen Großteil der Anforderungen, für die bisher der schwere Bergstiefel herhalten musste, locker erfüllen können.

Einige dieser leichten Bergschuhe, die allesamt im Frühjahr 2022 neu oder aktualisiert auf den Markt gekommen sind, haben wir uns genauer angeschaut und in unterschiedlichstem Terrain getestet. Wir zeigen, wo ihre Stärken sind, aber auch, wo sie Schwächen haben und nicht gut geeignet sind.

Knöchelhoch oder Halbschuh?

Die Frage, ob es unbedingt ein knöchelhoher Bergschuh sein muss oder nicht, ist eine Glaubensfrage. Wer das bestreitet, sollte am besten ein Halbschuhfoto bei der Watzmann Überschreitung oder einer anderen Unternehmung im alpinen Gelände in einer Facebook-Gruppe posten und der Dinge harren, die da kommen mögen. Schön ist das nicht.

Ob ein Bergschuh über den Knöchel gehen soll oder ein Halbschuh ausreicht, soll hier nicht entschieden werden. In erster Linie kommt es auf den Träger an.

Als Faustregel sei aber gesagt: Je regelmäßiger der Träger in den Bergen unterwegs ist, desto besser dürfte er auch in schwierigerem Gelände mit Halbschuhen auskommen. Bei wem Abstecher in die Berge eher selten sind, der greift lieber zu den knöchelhohen Bergschuhen. Zudem machen viele Hersteller die Auswahl heute einfacher: Von vielen Modellen gibt es nicht nur knöchelhohe Modelle, sondern auch Halbschuhe.

Beim Test hier beschränken wir uns ausschließlich auf knöchelhohe leichte Bergschuhe. Halbschuhe haben wir bereits hier gestetet.



Einsatzzweck

Während Bergschuhe lange Zeit nach der auch heute noch gültigen Skala von A bis D eingeordnet wurden, so ist diese Abstufung in den letzten Jahren mehr und mehr verschmolzen. Eine deutliche Trennung ist bei vielen Modellen nur noch bedingt möglich.

Das bedeuten die jeweiligen Kategorien von A bis D:

Kategorie A

  • einfache Wanderschuhe, oft auch als Zustiegsschuhe bezeichnet
  • sehr weiche Sohle
  • Einsatzzweck: breite und gut ausgebaute Wege, alltagstauglich

Kategorie A/B

  • hohe Wanderschuhe
  • weiche Sohle
  • Einsatzzweck: befestigte Wege z.B Forstwege im Mittelgebirge, aber auch in den Voralpen

Kategorie B

  • hohe Bergschuhe
  • flexibel, aber deutlich steifer als Schuhe der Kategorie A und A/B
  • Einsatzzweck: anspruchsvollere Touren auf Steigen, auch auf unbefestigten Pfaden mit Wurzeln und Steinen

Kategorie B/C

  • hoher Bergstiefel/leichter Bergschuh
  • deutlich festere Sohle und robustes Außenmaterial, bedingt steigeisenfest
  • Einsatzzweck: schwierige Steige, wegloses Gelände, Geröll, Hochgebirge, Klettersteige

Kategorie C

  • schwerer Bergstiefel
  • sehr robust und feste Sohle, bedingt steigeisenfest
  • Einsatzzweck: hochalpines Gelände, Gletscher

Kategorie D

  • Exepitionsstiefel
  • extrem steife Sohle, dickes isolierendes Material
  • Einsatzzweck: Expeditionen, extreme Höhen

Zwischen den einzelnen Kategorien gibt es noch einige Überschneidungen und Verschmelzungen. Dazu gibt es heute auch halbhohe Schuhe, die eine sehr feste Sohle haben und damit eigentlich einer höheren Kategorie entsprechen würden. Daher sind diese kategorischen Einstufungen nicht mehr hundertprozentig zutreffend und lassen sich nicht auf jeden Wanderschuh, Bergschuh, Wanderstiefel oder Bergstiefel anwenden.

Die hier getesteten leichten Bergschuhe dürften in den Kategorien A/B bis B/C einzustufen sein, wenngleich auch diese Einordnung sicher nicht 100% stimmig ist.

Gewicht vs. Haltbarkeit

Die getesteten leichten Bergschuhe wiegen pro Schuh gerade einmal zwischen 425 und 600 Gramm. Im Vergleich zum typischen Bergstiefel, der gern auch mehr als das Doppelte pro Schuh auf die Waage bringt, fällt das auf. Gerade das Tragen auf langen Touren ist mit einem Weniger an Gewicht deutlich komfortabler.

In gewissem Maße geht das aber zu Lasten der Haltbarkeit und da hat der schwere Bergstiefel immer noch die Nase vorn und das wird sich so schnell nicht ändern, auch wenn die Hersteller immer robustere Materialien entwickeln.

Ein leichter Bergschuh ist in der Regel also kein Begleiter für die Ewigkeit, soviel sollte vorm Kauf klar sein. Dass die Schuhe aber schon nach wenigen Touren deutliche Ermüdungserscheinungen beim Material aufweisen, ist trotzdem nicht zu erwarten. Ein Kurztest wie dieser kann über die Langlebigkeit allerdings keinen Aufschluss geben.

So haben wir getestet

Getestet haben wir die verschiedenen leichten Bergschuhe in unterschiedlichstem Terrain, wenngleich es durch die frühe Schneeschmelze keinen Kontakt zu Eis und Schnee gab. Die Touren reichten von einfachen Wanderungen im Flachland über leichte und mittelschwere Gipfelziele in den Chiemgauer Alpen und dem Mangfallgebirge bis hin zu alpinen Bergtouren rund um den Reschensee, am Watzmann und in den Stubaier Alpen.

Alle leichten Bergschuhe im Test wurden mit den gleichen Socken aus dem Hause Wrightsock getestet, um eine gute Vergleichbarkeit zu liefern.

Adidas Terrex Skychaser 2 Mid Gore-Tex

Der Adidas Terrex Skychaser 2 Mid Gore-Tex kommt für Männer und Frauen in je zwei unterschiedlichen Farbvarianten daher (schwarz und blau, die Damenversion in grau und hellblau). Mit einem Gewicht von 920 Gramm pro Paar ist der Schuh nicht der leichteste im Test, macht beim Reinschlüpfen aber einen gewohnt guten Eindruck.

Die Schnürung ist trotz des Verzichts auf das Schnellschnürsystem sehr zuverlässig und präzise möglich. Insgesamt macht der Adidas Terrex Skychaser 2 Mid Gore-Tex im Auf- aber auch im Abstieg eine sehr gute Figur und bietet mit seiner Sohle selbst bei Nässe einen großartigen Grip. Die an der Spitze etwas hochgezogene Sohle ist bei leichten Klettereien vorteilhaft. Die Dämpfung sorgt auch bei langen Touren dafür, dass der Schuh nie unbequem wird.

Der in einigen Testberichten ausgemachte Druckpunkt an der Ferse konnte nicht ausgemacht werden. Das Obermaterial ist, Gore-Tex-Membran sei Dank, wasserdicht. Beim Einsatz im Geröll hat die Leichtigkeit des Materials aber hin und wieder seine Tücken. Spitze Steine sind deutlich spürbar.

Den Adidas Terrex Skychaser 2 gibt es auch als Halbschuh-Version.

Salewa Mountain Trainer 2 Mid Gore-Tex

Trotz seines Gewichts von 1.200 Gramm pro Paar fällt der Salewa Mountain Trainer 2 Mid Gore-Tex noch in die Kategorie “Leichter Bergschuh”. Sein Mehr an Gewicht sorgt vor allem dafür, dass er robuster ist. Das Velourleder-Obermaterial ist wasserdicht. Ein komplett umlaufender Gummirand oberhalb der Sohle sorgt für ein Plus an Widerstandsfähigkeit. Das spürt man auch und für den Kontakt mit Geröll ist der Salewa Mountain Trainer 2 Mid Gore-Tex eine sehr gute Wahl.

Die Schnürung ermöglicht einen sehr guten Sitz im Bergschuh. Beim Abstieg in steilem Gelände fühlt sich der Vorfuß ab und an etwas unsicher an. In dem Bereich überzeugt die Schnürung nicht 100 Prozent, wobei das wahrscheinlich persönlicher Natur ist. Dadurch dass der Schaft etwas höher ist, bietet er mehr Schutz (auch wenn es nur eingebildet ist).

Die strapazierfähige Vibram-Sohle ist etwas markanter profiliert als beim Adidas Terrex Skychaser 2 Mid Gore-Tex und bietet auch bei Feuchtigkeit einen sehr guten Grip.

Keen Nxis Evo Mid WP

Der Keen Nxis Evo Mid WP ist mit seinen 850 Gramm pro Paar der leichteste Bergstiefel im Test. Der Knöchelschutz reicht nicht so weit hoch wie bei den anderen getesteten leichten Bergschuhen, liefert aber doch zuverlässigen Schutz gegen eventuelles Umknicken.

Der Schuh hat deutliche Anleihen aus dem Trailrunning-Bereich und bietet so vor allem eins: Komfort auf langen Touren. Nicht nur das Obermaterial bettet den Keen Nxis Evo Mid WP rund herum sehr bequem, sondern vor allem die Sohle. Die hat eine dicke Schaumstoffzwischenschicht, die für einen sehr hohen Komfort sorgt.

Auch wenn die griffige über die Spitze des leichten Bergschuhs gezogene Sohle suggeriert, dass der Schuh auch für alpinere Unternehmungen in Frage kommt, so ist das doch nicht unbedingt das Gelände, wo der Schuh gut performt. Gerade in ausgesetztem Terrain und in leichtem Klettergelände liefert er nur bedingt Sicherheit und Vertrauen. Auf ausgebauten Wegen und auch Steigen über Stock und Stein, die sonst technisch einfach sind, ist der Schuh aus dem Hause Keen aber sehr gut aufgehoben und seine Tragekomfort ist herausragend. Die Schnürung ist nicht derart präzise wie bei den anderen getesteten leichten Bergschuhen.

Zusammenfassung und Fazit

Einen Testsieger auszumachen, ist schwer. Alle Schuhe haben ihre Daseinsberechtigung und jeder weiß in bestimmten Bereichen zu überzeugen. Für alpine Unternehmungen mit technisch hohem Anspruch sind die leichten Bergschuhe von Salewa am ehesten die beste Wahl. Technisch einfaches Terrain mit dem Fokus auf Komfort bieten vor allem die Keen Nxis Evo Mid WP. Für den Mix aus beidem ist der Adidas Terrex Skychaser 2 Mid die wahrscheinlich beste Wahl.

4 Kommentare

  1. Ich habe mein erstes Paar adidas skychaser 2 schnell umgetauscht, weil sie nicht annähernd wasserdicht, sondern durchlässig waren wie Leinenschuhe. Das Ersatzpaar bin ich im trockenen Sommer ca. 4 Monate lang gelaufen, dann war das Profil stellenweise auf Null runter. Mein erster “Ausflug” auf eine feuchte Wiese führte nach 2 Minuten zu klitschnassen Socken. Von diesem Produkt kann ich – obwohl seit Jahrzehnten adidas-Fan und Stammkunde – nur dringendst abraten.

    • Servus Thorsten, danke für das Feedback. Überrascht mich aber ehrlich gesagt, denn dass sie durchlässig sind, kann ich nicht behaupten. Du bist sicher, dass du die Gore-Tex-Version erwischt hast? Es gibt ihn nämlich auch ohne GTX-Membran. Zur Sohle kann ich noch nichts langfristiges sagen, aber eine derartige Abnutzungserscheinung konnte ich bei Adidas-Schuhen bisher erst nach deutlich längerer Zeit beobachten. Ich würde Dir empfehlen, den Support zu kontaktieren.

  2. Klar, war das die GoreTex-Version, ich habe letztes Jahr übrigens sogar noch 200,- € dafür bezahlt. Habe auch das zweite Paar zurückgegeben und bin jetzt glücklich mit meinen Kayland-Schuhen.

    Wenn Du mir Deine eMail-Adresse verrätst, kann ich Dir Photos von der Sohle (und den nassen Socken :-)) schicken.

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