Leichte Wanderschuhe 2021 im Test: Gebrüder Leichtfuß

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Der schwere Bergstiefel ist Geschichte und der leichte Wanderschuh die Zukunft? Unser Test brandaktueller 2021er-Modelle zeigt, auf was es ankommt.

Leichte Wanderschuhe 2021 im Test: Gebrüder Leichtfuß © Gipfelfieber
Leichte Wanderschuhe 2021 im Test: Gebrüder Leichtfuß © Gipfelfieber

Reicht ein Halbschuh oder muss ein mindestens knöchelhoher Schuh sein, wenn es auf Tour geht? Wahre Glaubenskämpfe gibt es um dieses Thema, welche Art von Schuhen für Wanderungen in den Bergen denn nun geeignet sein soll und welche überhaupt nicht gehen. Eine Antwort darauf gibt es nicht und doch lässt sich seit Jahren beobachten, dass der Trend immer mehr weg vom “schweren Bergstiefel für alles” geht und viel öfter auch leichte Wanderschuhe anzutreffen sind, entweder als Halbschuh oder als knöchelhohe Variante.

Die Bezeichnungen dabei schwanken und sind nicht immer eindeutig. Mal werden diese leichten Wanderschuhe als Trekking- oder Hikingschuhe bezeichnet. Ab und an stolpert man auch über die Kategorie Zustiegsschuhe, die sich von den hier getesteten aber dadurch unterscheidet, dass sie in der Regel eine stabilere und wenig flexible Sohle haben. Davon unterscheiden sich Trailschuhe, die vielmehr leichte Berg-Varianten von Laufschuhen sind. Oft sind die Grenzen zwischen den einzelnen Kategorien aber fließend und immer häufiger ist zu beobachten, dass Schuhe Anleihen aus mehreren Kategorien haben.

Bei den hier vorgestellten leichten Wanderschuhen 2021 ist das ebenfalls zu beobachten. Um eine Vergleichbarkeit zu haben, sind die getesteten leichten Wanderschuhe allesamt die Halbschuh-Version, wobei viele der Modelle auch in einer Mid-Variante (knöchelhoch) erhältlich sind.



Einsatzzweck für leichte Wanderschuhe

Für welchen Einsatzzweck sind leichte Wanderschuhe, ob halb- oder knöchelhoch, überhaupt gemacht? Das ist im Grunde die erste Frage beim Schuhkauf, die man sich stellen muss und ein Stück weit (siehe oben) auch Glaubensfrage, auf die hier aber gar nicht weiter eingegangen werden soll.

Letztlich können die hier vorgestellten leichten Wanderschuhe überall und in jedem Gelände getragen werden. Dass nicht jeder mit leichtgewichtigen Halbschuhen auf den Großglockner rennen kann, sollte aber auch klar sein. In erster Linie kommt es also auf den jeweiligen Trainingszustand an.

Auf die Muskulatur kommt es an

Gebrüder Leichtfuß © Gipfelfieber
Gebrüder Leichtfuß © Gipfelfieber

Wer ständig beim Trailrunning über scharfe Berggrate flitzt und wem bei kurzen Kletterpassagen nicht der Angstschweiß in den Nacken tropft, der hat höchstwahrscheinlich eine entsprechend gut trainierte Beinmuskulatur. Die Muskulatur gleicht etwaige Unebenheiten des Bodens sowohl in den Sprunggelenken als auch den Knien derart gut aus, dass es auf die Steifigkeit der Sohle und die Stabilität, die der Schuh liefert, nur bedingt ankommt.

Wer dagegen weniger oft unterwegs ist, nur gelegentlich wandert und vielleicht nur einmal im Jahr in höheren Regionen unterwegs ist, der wird gerade im Hochgebirge eher auf eine festere Sohle setzen müssen. Für diese Wanderer und Bergsteiger sind leichte Wanderschuhe dann nur bedingt empfehlenswert.

Wo soll es hingehen?

Keine Abstriche dagegen gibt bei dem Einsatz auf breiten, gut ausgebauten Wanderwegen. Hier sind die vorgestellten leichten Wanderschuhe perfekt geeignet und weitaus angenehmer als die schweren Bergstiefel, da man deren Gewicht gerade auf langen Touren, selbst wenn sie wenig anspruchsvoll, doch schnell merkt.

Auch wenn es mal über Stock und Stein geht, machen die getesteten leichten Wanderschuhe immer eine gute Figur. Bei der Auswahl sollte aber der eigene Trainingszustand den wichtigsten Maßstab darstellen, um im unebenen Gelände nicht vor unliebsamen Überraschungen zu stehen.

Gewicht vs. Haltbarkeit

Unsere Testmodelle © Gipfelfieber
Unsere Testmodelle © Gipfelfieber

Die Materialforschung hat in den letzten Jahren immer weitere Fortschritte gemacht. Die verwendeten Stoffe und Membranen werden leichter und leichter. Und so werden auch die Endprodukte immer leichter. Teils so leicht, dass man sie kaum mehr wahrnimmt.

Das lässt sich auch bei Schuhen beobachten und die hier vorgestellten leichten Wanderschuhe wiegen allesamt weniger als 400 g pro Schuh, teils sogar unter 300 g. Ob 100 g mehr oder weniger fällt in der Praxis allerdings kaum auf. Der Unterschied zu schweren Bergstiefeln, die gern mal 800 g pro Schuh und mehr wiegen, wird aber sofort deutlich.

Wo die schweren Bergstiefel aber nach wie vor vorn liegen, ist die Haltbarkeit. Die ist unschlagbar und da können leichte Wanderschuhe selbst bei bester Pflege nicht mithalten. Auch das sollte man sich beim Kauf bewusst machen: Gewicht geht zu einem gewissen Teil auf Kosten der Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit des Materials. Bei intensiver Nutzung kann es so gut sein, dass eine Sohle nach einer Saison mit vielen Höhenmetern nur noch wenig Profil hat und das Obermaterial auch an anderen Stellen deutliche Ermüdungsanzeichen zeigt.

Ein Kurztest wie dieser hier kann über die Langlebigkeit nur bedingt Aufschluss geben, allerdings sollte schon vor dem Kauf klar sein, dass ein leichter Wanderschuh keiner ist, der die kommenden 20 Jahre ein treuer Begleiter wird.

Leichte Wanderschuhe 2021: Die Modelle in der Praxis

Alle vier getesteten Modelle sind zur Wandersaison 2021 neu auf den Markt gekommen, wobei es sich teilweise aber auch nur um Weiterentwicklungen bestehender Modelle oder neue Farbvarianten handelt. Designaspekte lassen wir im 2021er-Test der leichten Wanderschuhe aber komplett außen vor, denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und gänzlich zum Gruseln ist keines der Modelle.

Alle Modelle sind mit einer wasserdichten Gore-Tex-Membran ausgestattet. In der Regel gibt es die leichten Wanderschuhe auch als Variante ohne Gore-Tex. Diese sind dann meist etwas leichter und auch etwas günstiger. Da nasse Füße aber keinen Spaß machen, so obendrein schneller Blasen entstehen und das Wetter sowieso nur selten zu 100 Prozent vorhersagbar ist, empfehlen wir immer auf ein Plus an Wetterschutz und auf die Gore-Tex-Varianten zurück zu greifen.

Aber nun zum eigentlichen Test der Modelle:

Adidas Terrex Eastrail Gore-Tex Wanderschuh

Mit einem Preis von knapp 100 Euro ist der Adidas Eastrail Gore-Tex der günstigste Schuh im Test und ein guter Einstieg. Der leichteste Wanderschuh ist er zwar nicht, mit einem Gewicht von 360 g pro Schuh dennoch kaum auffällig. Auffällig ist dagegen der Tragekomfort. Reinschlüpfen und loslaufen. Ein etwaiges Einlaufen ist nicht nötig. Im Vergleich zu anderen Adidas-Tretern fällt der Eastrail allerdings etwas kleiner aus und ist für breitere Füße nicht die erste Wahl.

Der Grip der Sohle ist für einen Einstiegsschuh herausragend. Selbst auf nassem Stein bietet der Schuh einen sehr guten Halt. Abstriche müssen bei der Dämpfung gemacht werden, was sich besonders in felsigerem Terrain bemerkbar macht. Für einfache Wanderwege mit gelegentlichen Unebenheiten ist der Adidas Terrex Eastrail GTX aber wie gemacht.

Adidas Terrex Swift R3 GTX im Test

Der Swift ist nun schon seit einigen Jahren in der Terrex-Modelllinie von Adidas etabliert, kommt 2021 aber als gänzlich überarbeitete R3-Version, die nicht mehr auf das Speed Lacing-Schnürsystem (kennt man auch von Salomon), sondern auf normale Schnürsenkel setzt. Unter den hier getesteten leichten Wanderschuhen hat der Adidas Terrex Swift R3 GTX die mit Abstand steifeste Sohle und das festeste Material. Das macht sich beim Eintragen der Schuhe bemerkbar. Hier ist die ein oder andere Tour nötig, damit der Schuh wirklich komfortabel sitzt.

Auf der anderen Seite macht das den Adidas Terrex Swift R3 GTX auch zum widerstandsfähigsten Wanderschuh im Test, der gerade in unebenem Gelände einen sehr guten Halt und eine sehr gute Dämpfung liefert. Und das bei einem Gewicht von 310 g pro Schuh.

Deutlich ist erkennbar, dass sich Adidas zudem bei Elementen seiner erfolgreichen Trailrunning-Schuhe bedient hat. Die Sohle bietet einen exzellenten Grip und so ist der Swift in der Version 3 insgesamt wohl die perfekte Mischung aus Stabilität und Leichtigkeit.

Der Adidas Terrex Swift R3 GTX ist im Handel für ca. 150 Euro erhältlich.

Meindl Finale GTX

Schon der Name des Meindl Finale GTX macht klar, in welche Richtung der Schuh geht. Bei dem Modell handelt es sich um eine Mixtur aus leichtem Wanderschuh und Trailrunner. Der sportliche Gesamteindruck bestätigt sich schon beim ersten Anziehen. Der Meindl Finale GTX schmiegt sich angenehm dem Fuß an und ist unterwegs einzig im Fersenbereich ein wenig spürbar. Ansonsten fällt er auch auf langen Touren kaum auf.

Die relativ dünne Sohle bietet einen sehr guten Grip und ist sehr flexibel, was aber etwas zu Lasten der Stabilität geht. Bei leichten Wanderungen ist das unproblematisch, in anspruchsvollerem Gelände kann das für eine weniger gut trainierte Beinmuskulatur aber entsprechend schwieriger werden.

Der Meindl Finale GTX ist für ca. 170 Euro erhältlich.

Merrell Nova 2 GTX

Mit 280 g Gewicht pro Schuh ist der Merrell Nova 2 GTX der leichteste der hier vorgestellten Wanderschuhe. Und das merkt man: Am Fuß fällt der Allrounder, der wie der Meindl Finale GTX auch deutliche Trailrunning-Anleihen hat, kaum auf. Perfekt schmiegt er sich an den Fuß an und er ist mit dem ersten Anziehen sofort unglaublich komfortabel.

Der Vorderfußbereich ist sehr großzügig gestaltet und bietet auch in schwierigerem Gelände dank der sehr sicheren Schnürung einen ausgesprochen guten Halt. Im Zusammenspiel mit der Vibram-Sohle sorgt das für stetig sicheren Tritt, sei es auf nassen Wurzeln oder schmierigem Stein. Zu lang darf es allerdings nicht zu nass werden, denn bei langem Einsatz in feuchten Bedingungen sind die Grenzen der Gore-Tex-Membran erreicht.

Im Handel ist der Merrell Nova 2 GTX für ca. 145 Euro erhältlich.

Fazit

Alle getesteten leichten Wanderschuhe 2021 sind wahre Allrounder. Einige eignen sich auch für anspruchsvolleres Gelände. Unser Testsieger ist auf Grund seiner Preis-Leistung und des sehr angenehmen Tragekomforts der Merrell Nova 2 GTX.

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