Auf die Skitour, fertig, los: Teil 2 – Die Notfallausrüstung

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Im zweiten Teil unserer Serie zeigen wir dir, welche Notfallausrüstung für den Fall einer Lawine in jeden Skitourenrucksack gehört.

Schöffel Skitourenkollektion im Einsatz © Gipfelfieber
Auf die Skitour, fertig, los: Teil 2 – Die Notfallausrüstung © Gipfelfieber

Die Berge sind überzogen mit frischem Pulverschnee und die nächste Skitour ist geplant. Die Skitouren-Ausrüstung ist beisammen, ohne Notfallausrüstung aber ist sie keinesfalls komplett. Im zweiten Teil unserer Serie “Auf die Skitour, fertig, los” widmen wir uns dem Lawinenequipment, denn im Fall eines Lawinenabgangs ist schnelles Handeln unumgänglich.

Kommt es zu einer Verschüttung bleiben etwa 15 bis 18 Minuten, den Verschütteten zu lokalisieren und zu befreien, um noch eine gute Überlebenschance zu haben. Nach einer Viertelstunde sinken die Chancen, einen Verschütteten noch lebend zu befreien, bereits drastisch.



Auf die Skitour, fertig, los – Serie mit Lukas Kühlechner

Zusammen mit dem Bergführer und Unternehmer Lukas Kühlechner aus dem Montafon bereiten wir dich auf die Skitourensaison vor, ganz egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittener. Im ersten Teil der “Auf die Skitour, fertig, los”-Serie haben wir dir die passende Ausrüstung vorgestellt. Mehr über Lukas erfährst du im Interview mit ihm.

Heute zeigen wir dir, welche Notfallausrüstung auf jeder Skitour obligatorisch ist und wie du den Umgang lernen und üben kannst. Auch ohne Schnee vor der Haustür. In den nächsten Artikeln zeigen wir dir auch wie du einen Lawinenlagebericht liest und verstehst, welche Lawinenarten es gibt und welche Maßnahmen und Risikofaktoren direkt bei der Skitour immer im Auge behalten werden müssen.

Die richtige Notfallausrüstung

Eine komplette Notfallausrüstung, die auf der Skitour in den Rucksack gehört, besteht aus folgenden Komponenten: Lawinenverschüttetensuchgerät (kurz LVS-Gerät), Lawinenschaufel, Sonde und Biwaksack. Ein vollgeladenes Handy, um im Notfall Rettungskräfte zu benachrichtigen, sollte wie ein kleines Erste-Hilfe-Set auch dabei sein.

Nicht aufgeführt ist hier der Lawinenairbagrucksack. Warum das so ist und warum der Lawinenrucksack das Mitnehmen der Lawinennotfallausrüstung nicht ersetzt, zeigen wir dir weiter unten.

Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät)

Das Lawinenverschüttetensuchgerät gehört in jede Notfallausrüstung. Wenn du allein auf einer Skitour unterwegs bist oder deine Begleiter selber kein LVS-Gerät tragen, nützt es allerdings nichts, wenn du eines dabei hast. Das LVS-Gerät ermöglicht es, andere mit einem LVS-Gerät ausgestattete Tourengeher oder Rettungskräfte im Fall einer Lawinenverschüttung zu orten.

Jedes Lawinenverschüttetensuchgerät hat zwei grundlegende Modi: Einen Sende- und einen Suchmodus. Im Sendebetrieb sendet das LVS-Gerät alle paar Sekunden schwache Funkwellen aus, die in einem Radius bis maximal 60 Meter empfangen werden können. Im Suchmodus können diese Funkwellen empfangen und geortet werden.

Heute dominieren Geräte mit drei Antennen den Markt, die eine präzisere Ortung von Verschütteten ermöglichen. Nichtsdestotrotz ist der Umgang mit einem LVS-Gerät nicht ganz einfach und muss immer wieder geübt werden. Übungen für den Umgang mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät zeigen wir dir am Ende des Artikels.

Verwendung vor und während der Skitour

  • sicher stellen, dass die Batterien voll sind (ggf. Ersatzbatterien im Gepäck)
  • einschalten
  • zu Beginn der Skitour in den Sendemodus schalten
  • LVS-Gerät immer eng am Körper tragen (keinesfalls im Rucksack)
  • LVS-Check durchführen
  • bei Lawinenabgang müssen alle Tourenpartner – außer der oder die Verschütteten – in den Suchmodus wechseln
  • Suche durchführen und Verschüttete bergen

Lawinensonde

Nachdem mit dem LVS-Gerät der grobe Ort des Verschütteten lokalisiert wurde, kommt die Lawinensonde zum Einsatz. Die zusammengesteckten Teleskopstangen werden für die Feinsuche verwendet, um mittels einer spiralförmigen Suche die genaue Position des Verschütteten zu ermitteln. Ohne Sonde ist es kaum möglich, den exakten Ort zu finden. Die Folge wäre ein zielloses Graben im Schnee mit drastisch sinkenden Überlebenschancen des Lawinenopfers.

Lawinenschaufel

Das modernste LVS-Gerät nützt nichts, wenn der Verschüttete zwar lokalisiert werden konnte, aber nicht befreit werden kann. Sich mit den bloßen Händen durch den stark komprimierten Schnee einer Lawine zu arbeiten, ist aussichtslos. Eine Lawinenschaufel darf daher in keinem Rucksack aller Skitourengeher fehlen.

Biwaksack

Oft unterschätzt, noch öfter vergessen, aber doch sehr wertvoll ist ein Biwaksack. Ein Biwaksack ermöglicht es, sich bei einem Notfall, und sei es nur ein Sturz, einen Rückzugsort zu schaffen, der vor Wind und Wetter schützt. Ein Biwaksack wiegt meist nur wenige Gramm und fällt so kaum ins Gewicht.

Rucksack mit Lawinenairbag

Weste mit integriertem Airbag von Mammut © Gipfelfieber.com
Weste mit integriertem Airbag von Mammut © Gipfelfieber.com

Seit einigen Jahren gibt es ein riesiges Angebot von Rucksäcken mit einem integrierten Lawinenairbag. Die funktionieren wie folgt: Im Rucksack ist eine Art Ballon eingebaut. Bei einem Lawinenabgang und einer drohenden Verschüttung zieht der Skitourengeher an einem am Schultergurt des Rucksacks angebrachten Hebel und mittels Druckluft wird innerhalb kürzester Zeit der Airbag aufgeblasen. Das zusätzliche Volumen soll nun dafür sorgen, dass der Tourengeher nicht von der Lawine verschluckt wird, sondern auf der Lawine treibt. Das Risiko der Verschüttung kann so etwas minimiert werden.

Trügerische Sicherheit

Aber: Rucksäcke mit einem Lawinenairbag vermitteln oft eine trügerische Sicherheit. Der Lawinenairbag kann nicht verhindern, dass du den starken mechanischen Kräften in der Lawine ausgesetzt bist. Vor Abstürzen und Verletzungen schützt er somit nicht. Auch ist es oft genug vorgekommen, dass mit einem Lawinenairbag ausgestattete Skitourengeher zwar beim eigentlichen Lawinenabgang nicht verschüttet wurden, dann aber von nachkommenden Schneemassen doch verschluckt wurden.

Führt die Mitnahme eines Lawinenrucksacks mit Airbag also dazu, dass deine Spurwahl riskanter wird oder dass du trotz erhöhter Lawinengefahr in gefährlicheres Gelände fährst, kann der Rucksack sogar die reale Gefahrenlage wegen des vermeintlichen Sicherheitsdenkens erhöhen.

Trotzdem: Lawinenrucksäcke mit einem Airbagsystem haben sich in vielen Fällen auch schon bewährt und sie sind bei Skitouren ein äußerst nützlicher Begleiter geworden. Sie können das Risiko, bei einem Lawinenabgang verschüttet zu werden, senken. Allerdings können sie die restliche Notfallausrüstung keinesfalls obsolet machen. Lawinenrucksäcke sind daher lediglich eine sinnvolle Ergänzung deiner Notfallausrüstung, in keinem Fall aber ein Ersatz.

Umgang mit der Notfallausrüstung

Nachfolgend gibt dir Lukas ein paar Tipps wie du den Umgang mit der Lawinennotfallausrüstung üben kannst. Auch abseits der Berge und ohne Schnee.

1. Kenne dein LVS-Gerät

Übe das Ein- und Ausschalten des LVS Geräts. Lies die Bedienungsanleitung und befasse dich ausführlich damit. Schau dir an, wie ein LVS Check funktioniert und übe diesen mit einem zweiten Gerät.

Dies kannst du auch im Garten oder im Park machen. Lerne die Reaktionszeit des Gerätes kennen und vor allem auch wie viel die Richtungspfeile hin und her springen. Das mag beim Erstkontakt ungewöhnlich sein. Mit etwas Übung gewöhnst du dich schnell daran und kannst es im Ernstfall besser einschätzen.

2. Übe den Zusammenbau

Baue deine Sonde und deine Schaufel zusammen. Übe dies mehrmals, immer und immer wieder. Mit Handschuhen, im Dunkeln, im Schneesturm. Und auch mit dem Auspacken aus dem Rucksack. Schnell merkst du, was gut geht und was nicht praktikabel ist. Der Richtwert für das Absetzen des Rucksacks und den Zusammenbau von Schaufel und Sonde beträgt etwa 10 Sekunden.

3. Trainiere die Suche im Trockenen

Verstecke ein LVS-Gerät in der Wohnung und suche es mit dem zweiten. Mache das selbe im Park, gerne auch am Abend wenn es dunkel ist. Verpacke das eine Gerät in einem Licht undurchlässigen Beutel und hänge es für deine Freunde an einen Zweig in etwa zweieinhalb Metern Höhe. Sucht euch schließlich gegenseitig und stellt euch vor immer neue Herausforderungen. So lernt ihr, sicher mit dem LVS-Gerät umzugehen.

4. Die Theorie muss sitzen

Den richtigen Umgang mit der Sonde kannst du im Trockenen nicht üben. Du kannst dir allerdings die Theorie vor Augen führen. In diesem Video des Alpenvereins wird das Sondieren sehr gut erklärt.

5. Mache einen Kurs

Um den sicheren Umgang sowohl mit dem LVS-Gerät als auch mit der übrigen Notfallausrüstung zu lernen, mache einen Skitouren Schnupperkurs mit einem Bergführer, bevor du das erste Mal selbst losziehst.

Fazit

Keine Skitour ohne entsprechende Notfallausrüstung. LVS-Gerät, Sonde, Schaufel und Biwaksack müssen auf jeder Skitour dabei sein. Ein Rucksack mit Lawinenairbag kann eine gute Ergänzung dazu sein. Wichtig ist, den Umgang mit der Notfallausrüstung immer wieder zu üben. Bedenke, dass die Notfallausrüstung die Grundausstattung für Touren im freien Gelände ist. Eine sorgfältige Tourenplanung und eine entsprechende Spuranlage ist entscheidend ob das Risiko hoch oder gering ist. Wie du das Risiko möglichst gering hältst, zeigen wir dir in den nächsten Artikeln.

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