Ochsenälpeleskopf & Kreuzkopf: Stille Gipfel über dem Ammerwald

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In den Ammergauer Alpen warten mit dem Ochsenälpeleskopf und dem Kreuzkopf zwei Gipfelziele, die selbst bei schönstem Wetter nicht überlaufen sind. Warum die beiden vermeintlich uninteressant sind und oft links liegen gelassen werden? Ich habe mich auf Spurensuche begeben. 

Ochsenälpelekopf & Kreuzkopf: Stille Gipfel über dem Ammerwald © Gipfelfieber

Ochsenälpeleskopf & Kreuzkopf: Stille Gipfel über dem Ammerwald © Gipfelfieber

“Ach, du schöner Ammerwald. Ganz langsam legst du dein Herbstkleid an und lässt deine wenigen Laubbäume nach und nach in leuchtenden Farben erstrahlen,” denke ich mir als ich mich vom Graswangtal vorbei an Schloss Linderhof immer tiefer hinein die Wälder schlängele. Wenn es dazu auch noch von oben herab strahlt, muss das einfach ein perfekter Tag werden.




Über den Schützensteig durch den Ammerwald

Es sieht ganz danach aus als ich mich am Hotel Ammerwald auf den Weg mache. Mal wieder muss ich ob der Architektur kurz mit dem Kopf schütteln, aber die kühle Morgenluft bringt mich schnell auf andere Gedanken. Ich folge den Schildern gen Neuschwanstein und Hochplatte über den Schützensteig. Schon hier keine Spur von Ochsenälpeleskopf oder Kreuzkopf. Ob sich das noch ändert?

In fixem Tempo geht es in knapp 45 Minuten vorbei an einem Wasserfall bis zu einer großen Almwiese, in deren Mitte ein einsames Hüttlein sein traumhaftes Dasein fristet. Kurz vorher führt ein unscheinbarer Pfad nach links in südwestlicher Richtung weg und vom Waldrand zunächst über einen breiteren Forstweg weiter aufwärts. Und siehe da: Ein erster Hinweis auf das Ziel ist gefunden: Ochsenälpeleskopf, 1 1/2 h. Das geht aber schnell.

Ochsenälpeleskopf – Weder Matterhorn noch Watzmann

Nach ein paar weiteren, schweißtreibenden Gehminuten – die Sonne hat die kalte Waldluft im Handumdrehen vertreiben können – liegt der Ochsenälpeleskopf schon in seiner ganzen Pracht vor mir. Er mag kein Matterhorn sein, auch kein Watzmann oder sonst ein Berg, der dank seiner eindrucksvollen Silhouette besonders einprägsam ist. Aber wie er da ganz friedlich über der Alm mit seinem langen, Latschen bewachsenen Rücken ruht, ist doch durchaus ansehnlich und keineswegs abweisend oder gar furchteinflößend.

Der Weg ist kaum verfehlbar und führt über die Hirschwängelalpe mit ihrer kleinen Hütte. Die ist unbewirtschaftet. Das mag ein Grund sein. Mir ist das jedenfalls egal, denn ich möchte nicht über den Normalweg, der von der Alpe über den Ostrücken auf den Gipfel führt, gehen. Stattdessen möchte ich über den breiten Nordkamm zum höchsten Punkt steigen. In Karten ist dort ein Steig verzeichnet. Da wo auf der Alm der Abzweig sein soll, ist davon allerdings nichts zu entdecken.

Vergessener Steig über den Nordrücken

Das Gelände gibt den Anstieg allerdings mehr oder weniger vor und so geht es zunächst steil und bald durch dichte Latschen, wo es immer wieder Anzeichen eines Pfades gibt, über den langgezogenen Bergrücken. Wo die Latschen besonders dicht scheinen, ist ein kurzer Umweg nach rechts ratsam. Meist geht es jedoch unschwierig und in leichtem Auf und Ab über den Grat, der erst kurz vorm Gipfel des Ochsenälpeleskopfs etwas ausgesetzter ist.

Am Gipfel auf 1905 m dann die Überraschung: Eine große Wandergruppe hat sich bereits breit gemacht und kurz zweifele ich an, dass der Ochsenälpeleskopf tatsächlich weniger frequentiert ist als Hochplatte, Kreuzspitze oder Geierköpfe.

Übergang zum Kreuzkopf

Da es das noch nicht gewesen sein soll, geht es nach kurzer Rast die Gruppe schnell hinter mir lassend hinab in den Sattel zwischen Ochsenälpeleskopf und Kreuzkopf. Kreuzkopf, 30 Min. steht dort angeschrieben. Das Gelände wechselt fast unmittelbar. Steil geht es über den schattigen Nordkamm über Schotter und Felspassagen hinauf zum Gipfel auf 1910 Meter Höhe. Gar nicht mal so unschwierig, deutlich anspruchsvoller als der Anstieg auf den Nachbargipfel, aber so macht Bergsteigen schließlich auch Spaß.

Am Gipfel herrscht dann richtig echte Ruhe und spätestens der Blick ins Gipfelbuch zeigt, dass sich wirklich nur Wenige auf den Kreuzkopf verirren. Umso schöner ist es, den Blick über den Ammerwald und seine Gipfel, zur Zugspitze, hinüber zum Hohen Straußberg und tief hinein in die Allgäuer Alpen und ins Lechtal schweifen zu lassen. Auch am Ochsenälpeleskopf gegenüber ist wieder komplette Ruhe eingekehrt. Kein Bergsteiger scheint sich heute mehr zu und auf ihn verirren zu wollen.

Abstieg ins Kuhkar

Zurück geht es über den schottrigen Kamm zum Sattel hinab und dort rechts in östlicher Richtung hinab ins Kuhkar. Der Steig würde mich weiter über die Hirschwängelalpe führen, aber nach etwa 15 Minuten teilt er sich unscheinbar und leitet mich hinab ins Tal des Kuhkarbachs. Erst später, wenn der Abstieg steil und im Wald auch feuchter wird, hört man tatsächlich auch was von ihm. So geht es eine knappe Stunde stetig in relativ gerader Linie bergab bis am Talende das Bachbett gequert wird und man nach wenigen Gehminuten durch dichten Wald zurück am Ausgangsort ist.

Fazit

Ein perfekter Tag, allerdings ist mir nicht ganz klar geworden, warum Ochsenälpeleskopf und Kreuzkopf weniger beliebt zu sein scheinen als viele ihrer Nachbarn in den Ammergauer Alpen. Die Rundtour lässt vom einfachen Wandern bis zum anspruchsvolleren Bergsteigen nichts vermissen. Einen wunderbaren Rundumblick gibt es auf den Gipfeln dazu. Ob es am Ende vielleicht doch nur am zungenbrecherischen Namen liegt? Wer weiß, wer weiß…


Letzte Änderung: 18. Dezember 2016

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