Zehn spektakuläre Gratwanderungen für echten Nervenkitzel

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Gratwanderungen sind nichts für schwache Nerven. Wenn es zu beiden Seiten steil hinunter geht, ist der versierte Bergsteiger gefragt. Wir haben zehn Touren rausgesucht, die garantiert Spaß und Spannung zugleich bieten.

Zehn spektakuläre Gratwanderungen für echten Nervenkitzel © Gipfelfieber
Zehn spektakuläre Gratwanderungen für echten Nervenkitzel © Gipfelfieber

Der eine meidet sie, wie der Teufel das Weihwasser. Der andere fühlt sich auf ihnen pudelwohl. Gratwanderungen. Die führen oft spektakulär mit irrsinnigen Tiefblicken über schmale und ausgesetzte Felspassagen. Schwindelerregend geht es an beiden Seiten hinunter. Stolpern und Ausrutscher sind absolut verboten.

Die folgenden zehn Gratwanderungen aus den nördlichen Alpen zwischen Lechtaler und Berchtesgadener Alpen sind allesamt nichts für Anfänger. Bergsteiger, die Probleme mit Schwindel und fehlender Trittsicherheit haben, haben auf diesen Touren nichts verloren. Wer die dagegen hat, wird auf den vorgestellten Gratwanderungen seine wahre Freude haben.



1. Die Watzmann-Überschreitung

Der Klassiker schlechthin ist die Watzmann-Überschreitung. In der Regel startet die nach einer Nacht im Watzmannhaus. Am Hocheck beginnt die eigentliche Überschreitung zur Mittelspitze und weiter zur Südspitze. Einige Passagen sind mit einem Stahlseil versichert, die schwierigsten aber nicht. Ein durchgehender Klettersteig ist der Gang über den Watzmann also nicht.

Zwischendrin lockt der exquisite Ausblick in die Watzmann-Ostwand, mit ihren knapp 2.000 Meter Höhe die längste durchgehende Wand der Ostalpen. Als ob das mit den Schwierigkeiten noch nicht genug ist, wartet ein ermüdender Abstieg im schwierigen Gelände von der Südspitze hinab ins Wimbachgries, das es im Anschluss noch hinaus zu laufen gilt.

Alle Details zur Watzmann-Überschreitung.

2. Der Hochkalter

Direkt neben dem Watzmann bietet auch die Besteigung des Hochkalters eine spektakuläre Gratwanderung. Die fällt allerdings wesentlich kürzer aus als seinem Nachbarn, die Tiefblicke bei dem Gang vom Schönen Fleck bis zum Hauptgipfel des Hochkaltermassivs sind aber enorm. Unten der immer weiter schwindende Blaueisgletscher.  Oben zu überwindende Schwierigkeiten, die denen am Watzmann in nichts nachstehen, teilweise sogar noch darüber hinaus gehen. Dafür ist der Abstieg über das Ofental bis zum Hintersee weitaus schneller geschafft.

Die Tour über den Hochkalter im Detail.

3. Sonnwendkamm zum Hinteren Sonnwendjoch

In den Bayerischen Voralpen und doch auf Tiroler Seite ist das Hintere Sonnwendjoch ein gut besuchter Gipfel. Dank des recht kurzen Zustiegs von der Ackernalm tummeln sich hier gerade an schönen Herbsttagen etliche Bergwanderer. Wesentlich länger und deutlich anspruchsvoller ist die Überschreitung des kompletten Kamms. Ist der Grat vom Schönfeldjoch bis zum Wildenkarsattel noch recht einfach, wird der trittsichere und vor allem schwindelfreie Bergsteiger in den folgenden, teilweise sehr ausgesetzten Passagen gefordert. Dafür sind hier auch nur wenige andere Überschreiter anzutreffen. Ab der Krenspitze wird es deutlich einfacherer, aber eben auch wieder belebter.

Alle Infos zur Überschreitung des Sonnwendkamms.

4. Der Sonnenberggrat in den Ammergauer Alpen

Ähnlich sonnig, aber nicht ganz so luftig, geht es am Sonnenberggrat in den Ammergauer Alpen zu. Von Unterammergau geht es zunächst einfach über Forstwege bis zum Pürschlinghaus. Kurz bevor das erreicht wird, biegt die Gratwanderung über den Sonnenbergkamm links ab. Links und rechts vom Grat führt der Steig mit einigen versicherten Passagen und kurzen, aber doch weitestgehend einfachen Kraxeleien, über den Sonnenberg bis zum berüchtigten Zahn, der den Kletterern vorbehalten bleibt. Im Sommer genau das richtige Trainingsgelände für die, die sich an größere Gratwanderungen heranarbeiten wollen. Im Winter ist der Sonnenberggrat jedoch eine beinahe hochalpine Tour.

Der Sonnenberggrat im Winter. 

5. Die Brecherspitz über dem Spitzingsee

Über dem Spitzingsee gelegen, ist die Gratwanderung zur Brecherspitze eine gute Übungstour. Der Aufstieg über die Obere Firstalm auf den Westgipfel der Brecherspitze ist schnell geschafft. Der Grat selber ist teilweise ausgesetzt und mit Stahlseilen versichert. Auf den ersten Blick wirkt er beinahe unspektakulär. Und doch ereignen sich gerade an diesem vermeintlichen Grat für Anfänger immer wieder tödliche Unfälle.

Alle Tourinfos zur Brecherspitze im Winter.

6. Der Königsjodler am Hochkönig

Wahrlich nichts für Anfänger ist der Königsjodler-Klettersteig auf den Hochkönig. Schmaler und ausgesetzter geht es nicht mehr. Über extrem schmale Felsgrate führt der mit D bewertete, sehr lange und anspruchsvolle Klettersteig hoch über dem Birgkar auf den höchsten Gipfel der Berchtesgadener Alpen. Die Ausgesetztheit ist enorm. Durchhaltevermögen, Armkraft und Schwindelfreiheit nötige Begleiter auf dieser sehr schwierigen Unternehmung.

Alle Infos zum Königsjodler-Klettersteig auf den Hochkönig.

7. Von der Pyramidenspitze zum Rosskaiser

Weitestgehend weglos geht es hoch über dem Winkelkar in einer anspruchsvollen Tour im Zahmen Kaiser von der Pyramidenspitze bis zum Rosskaiser. Von Gratwanderung zu sprechen, verbietet sich beinahe, denn zwischen den wenigen leichteren Passagen ist oft Handarbeit gefragt. Beim Klettern über schmale Felsbrocken und im Schrofengelände sind starke Nerven gefordert. Nach geschaffter Überschreitung wartet dafür eine Abkühlung im Walchsee, der auf Grund seiner geringen Tiefe schon im Frühsommer angenehme Badetemperaturen hat.

Die Details zu der Überschreitung im Kaisergebirge.

8. Die Kreuzspitzen über den Anhalter Höhenweg

Etwas einfacher ist da schon die Überschreitung der Kreuzspitzen über dem Lechtal. Von Elmen wird die Bschlaber Kreuzspitze von Süden erklommen. Über den Anhalter Höhenweg führt der Weg nun zur Mittleren Kreuzspitze und weiter zur Elmer Kreuzspitze. Beinahe sanft schwingen sich die grasbedeckten Hänge hinab zum einsamen Stablsee. Die Gratwanderung ist im Vergleich mit den vorgenannten Touren relativ einfach.

Stablsee und Kreuzspitzen im Detail.

9. Kreuzspitze und Kuchelbergkamm

Auch in den Ammergauer Alpen gibt es eine Kreuzspitze. Der Aufstieg beginnt kurz vor der deutsch-österreichischen Grenze und führt durch Wald, Schutt und Fels durchaus anspruchsvoll bis auf den Gipfel auf 2.185 Meter. Nachdem mit Neu- oder Altschnee nicht gänzlich zu unterschätzenden Übergang zum Kuchelbergkamm wartet eine entspannte und relativ einsame Gratwanderung über den Kuchelbergkopf und die Kuchelbergspitz, die immer wieder tolle Ausblicke hinab in die zum Graswangtal abfallenden Wände und Schloss Linderhof bietet.

Alle Infos zur Rundtour auf die Ammergauer Kreuzspitze.

10. Dreitorspitzen

Spektakulär und sehr anspruchsvoll wird es im Wettersteingebirge. Während die Überschreitung der benachbarten Wettersteinwand den ambitionierten Alpinisten vorbehalten bleibt, ist die Überschreitung des Grats zwischen den Dreitorspitzen doch etwas einfacher. Zwar wartet auch hier eine Kletterstelle im III. Schwierigkeitsgrad, insgesamt sind die Dreitorspitzen aber deutlich schneller und einfacher zu bezwingen. Bei dem Weg von der Leutascher zur Partenkirchener Dreitorspitze und dem Signalgipfel gibt es trotzdem sehr delikate Tiefblicke, die nur erfahrene Bergsteiger sicher bewältigen.

Die Dreitorspitzen im Portrait.

Fazit

Viele der vorgestellten Gratwanderungen sind wahrlich nichts für Anfänger. Erfahrene Bergsteiger haben bei den Überschreitungen der schmalen Passagen aber ihren Spaß.

Welches sind eure liebsten Gratwanderungen?

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