Brecherspitz – Winterliche Gratwanderung über dem Spitzingsee

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Die Brecherspitz oberhalb vom Spitzingsee hat wohl jeder schon gesehen, wenn er von München kommend in Richtung Berge fährt. Die Begehung ist – auch im Winter – meist problemlos gehbar. Erst kurz vorm Gipfel wird es etwas anspruchsvoller.

Brecherspitz - Winterliche Gratwanderung © Gipfelfieber.com

Brecherspitz – Winterliche Gratwanderung © Gipfelfieber.com

Schon am 01. Januar waren wir zum Familienspaziergang am Spitzingsee unterwegs. Damals gingen wir allerdings nur bis zur Unteren Firstalm und doch juckte es mich in den Füßen, schnell noch auf die Brecherspitz zu gehen. Um aber Präsenz zu zeigen, habe ich dann doch darauf verzichtet.

Nachdem wir am letzten Wochenende gleich ein paar Tage in Spitzing blieben, hatten wir uns für Sonntag die Tour auf die Brecherspitz auf den Plan gesetzt, da die Schneelage nicht unbedingt zum Snowboarden eingeladen hat. Nur das Wetter wollte nicht wie wir. Graue Nebelfetzen hingen über dem See und den Gipfeln drumherum, begleitet von leichtem Niederschlag. Am 01.01. hatte es dagegen strahlenden Sonnenschein. Aber was soll`s…

Einfacher Aufstieg zur Firstalm

Die Schneeschuhe schnallten wir zur Sicherheit auf den Rucksack und starteten im Ort in Richtung Firstalm. Dort ist man über den breiten Forstweg recht schnell angekommen, will aber so schnell wie möglich wieder weg. Denn dort ist Faschingshalligalli angesagt und wir flüchten schnell in Richtung Obere Firstalm.




Die alten Lifte an der Brecherspitz

Hinter der Alm geht es nun den Schildern und den Spuren folgend erst kurz flach bergan bis es vom Fuß der ehemaligen Piste von der Brecherspitz steil bergan geht. Dass es mal eine Piste war, wusste ich bis dahin gar nicht, allerdings habe ich es mir fast schon gedacht. Später wurde es mir bestätigt als wir in der Oberen Firstalm eine alte Übersichtskarte entdeckten, auf der mehrere Lifte und Pisten um die Brecherspitz eingezeichnet waren. Die Betonfundamente im Hang lassen noch darauf schließen.

Richtiger Winter sieht anders aus © Gipfelfieber.com

Richtiger Winter sieht anders aus © Gipfelfieber.com

Der ehemalige Brecherspitzlift war bereits seit etwa 1997 nicht mehr in Betrieb und stand auch davor schon des Öfteren still. Der sonnseitige und windausgesetzte Hang war offenbar zu oft aper, weshalb sich die Anlage scheinbar nicht rentierte. Im Sommer 2010 wurde er “als Kompensationsmaßnahme” (Behördendeutsch!) für die Flutlichtanlage am Stümpfling endgültig zurückgebaut. Im Alpinforum gibt es ein paar Bilder, wie die Liftanlagen vor ein paar Jahren noch aussahen.

Der Hang jedenfalls geht gut an die Puste. Relativ steil zieht er sich also ein ganzes Stück hinauf, bevor er am Ende flacher wird und plötzlich stehen wir im Nebeldickicht auf dem Westgipfel der Brecherspitz. Wirklich verfehlen kann man den Weg nicht. Teilweise schaut sogar der Sommerweg raus und man erkennt die Markierungen, so wenig Schnee liegt hier.

Der Gratübergang zum Hauptgipfel

Bis hier bereitet der Weg überhaupt keine Schwierigkeiten. Kurz nach dem Weitergehen vom Westgipfel warnt ein Schild, dass für Weitergeher Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich ist. Und das nicht ohne Grund: Zunächst geht es ein stückweit nach unten, wo die erste drahtseilversicherte Stelle wartet. Auch kurz danach folgen noch zwei Stellen. Wer erfahren ist, braucht die Drahtseile nicht wirklich. Kurz darauf geht es über den immer ausreichend breiten Grat in leichtem Anstieg bis zum Gipfel. Dass es aber doch nicht ganz ungefährlich ist, beweist ein Unfall aus dem vergangenen Frühjahr, bei dem eine 61jährige Frau vor den Augen ihrer Tochter stolperte und tödlich verunglückte. Vor allem im Winter (zumal bei mehr Schnee als im Moment) ist noch einmal mehr Vorsicht geboten.

Am Gipfel der Brecherspitz

Knapp zwei Stunden dauert der Aufstieg von Spitzingsee (mit der ein oder anderen Pause). Am Gipfel auf 1680 Meter Höhe ist die Aussicht wie erwartet und leider reißen die Wolken nicht auf. Der vermeintliche Ausblick in Richtung Schliersee auf der einen und Spitzingsee auf der anderen hat aber sicher Potential, das ich leider nur beim Studium der Karte erahnen kann. Dafür dröhnt die grausige Musik von der Unteren Firstalm immer noch herüber.

Der Abstieg/(Die Abfahrt)

Daher geht es nach ganz kurzer Rast wieder auf den Rückweg. In der Oberen Firstalm gönnen wir uns eine längere Pause bei Gulaschsuppe und Radler. Anschließend geht es über den Aufstiegsweg wieder zurück.

Auf der Oberen wie auch auf der Unteren Firstalm kann man außerdem einen Schlitten ausleihen und über die Forststraße bis Spitzing fahren. Anfang Januar ging das zumindest noch halbwegs. Im Moment ist an eine durchgehende Fahrt leider nicht mehr zu denken und es lohnt sich jedenfalls nicht.

Fazit

Die Tour auf die Brecherspitz ist eine nette Tour, die auch Schneeschuh– und Skitouren-geeignet ist. (Unsere Schneeschuhe sind übrigens komplett auf dem Rucksack geblieben!) In knapp drei bis dreieinhalb Stunden kann man die weitestgehend einfache Tour locker bewältigen. Nur die letzten Meter bis zum Gipfel sind ein wenig anspruchsvoller und sollten nicht unterschätzt werden. Und wer dem Pistentrubel entgehen will, kehrt statt auf der Unteren in der Oberen Firstalm ein.


Letzte Änderung: 12. Dezember 2016

7 Antworten zu " Brecherspitz – Winterliche Gratwanderung über dem Spitzingsee "

  1. Rebecca sagt:

    Interessant, das mit der ehemaligen Liftanlage. Ich habe mich immer gefragt, was das auf dem Weg von der Oberen Firstalm zur Freudenreichalm für ein seltsames dreieckiges Häuschen ist.

    Die Brecherspitze ist trotz ihrer geringen Höhe übrigens tatsächlich ein vorzüglicher Aussichtsgipfel; da solltest du unbedingt bei guter Sicht nochmal hoch!

    Gruß

    Rebecca

  2. Daniiela sagt:

    Ein sehr schöner Text. 🙂 Und scheinbar auch ein tolles Erlebnis. Ich stimme mich schon mal mit Literatur auf meinen Urlaub im Meranerland ein. Kann es kaum noch erwarten. 😉

  3. […] hier eine richtig lange Pause einlege und einfach nur genieße. Das war auf der gegenüberliegenden Brecherspitz im letzten Winter […]

  4. […] zum Großglockner bis in den Westen zur Zugspitze. Im Norden winke ich fix dem Jägerkamp und der Brecherspitz. Petrus zeigt sich zudem von seiner besten […]

  5. […] die weniger bekannt sind als die üblichen Verdächtigen wie Königssee, Seebensee, Vilsalpsee, Spitzingsee, Chiemsee und wie sie alle heißen. Die besonders schönen Kleinode mögen nicht zum stundenlangen […]

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