Fuchsteufelswild: Die Dreitorspitzen im Wettersteingebirge

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Unterwegs im wilden Wettersteingebirge, wo die Leutascher und die Partenkirchener Dreitorspitzen lohnenswerte Gipfelziele bieten. Und wo es auf über 2.000 Meter wahrlich fuchsteufelswild zugeht.

Fuchsteufelswild: Die Dreitorspitzen im Wettersteingebirge © Gipfelfieber

Fuchsteufelswild: Die Dreitorspitzen im Wettersteingebirge © Gipfelfieber

“Ein Fuchs”, so höre ich es rufen. Ein Fuchs? Auf dieser Höhe? Ich stehe auf, gehe ein paar Meter und tatsächlich: Ein Fuchs!

Langsam schleicht Meister Reineke zu früher Abendstunde um die Meilerhütte, wo sich die Scharen schon in freudiger Erwartung des Abendmenüs nach innen verzogen haben. “Der holt sich hier jeden Abend ein paar Abfälle ab”, erklärt eine Angestellte.

Gekonnt umrundet er den geladenen Weidezaun, der bayerische und tirolerische Schafe strikt voneinander zu trennen vermag, klettert über ein kurzes Felsstück und setzt sich in freudiger Erwartung seines Abendmenüs nur wenige Meter von mir entfernt hin und beäugt mich. Keine Skepsis, keine Furcht sind in seinen Augen.



Die Meilerhütte im Wettersteingebirge

Auch sonst geht es rund um die Meilerhütte fuchsteufelswild zu. Nach dem langen Anstieg von Ellmau über Wettersteinalm und Schachenhaus (ca. 4 h) findet man sich hier oben auf 2.366 Meter mitten im hochalpinen Gelände wieder.

Eine schmale Scharte scheint den einzigen Durchlass zwischen der gewaltigen Wettersteinwand auf der einen und den nicht minder beeindruckenden Dreitorspitzen auf der anderen Seite zu bieten.

Auf der Meilerhütte selbst herrscht ein strenges Regiment und ich meine fast, der Geist der Bundespolizisten, die hier 2015 zur Überwachung des G7-Gipfels in Ellmau stationiert wurden, ist noch allgegenwärtig.

Der Fuchs der Meilerhütte © Gipfelfieber

Der Fuchs der Meilerhütte © Gipfelfieber

Selbst in einer Hütte, wo die Anstiege von allen Seiten mit mehreren Stunden veranschlagt sind, ist der Boom, den die Alpen und das Wandern gerade erleben, augenscheinlich.

“Lager werden erst ab 16 Uhr vergeben.” Bei der anschließenden Zuteilung fühle ich mich an die Stüdlhütte am Großglockner oder das Watzmannhaus erinnert. “Abendessen bitte bis 17:30 Uhr bestellen.” Nur wer vorab reserviert und Halbpension bestellt hat, kann sein Nachtmahl etwas später zu sich nehmen.

Und doch finden sich zu späterer Stunde bei dem ein oder anderen Bierchen die Alleinwanderer zusammen und planen den nächsten Tag.

Die Törlspitzen

Direkt neben dem Winterraum beginnt der Aufstieg zu den Törlspitzen, die westlichsten Gipfel der Wettersteinwand. Kurz mit einem Stahlsteil gesichert, führt der Steig über viel loses Gestein nicht weiter schwierig zum ersten Gipfel (2.427 m). Deutlich schwieriger und ausgesetzter geht es über eine Scharte und in Kletterei bis zum II. Schwierigkeitsgrad auf die östliche Törlspitze (2.443 m). Gerade Sonnenunter- und Sonnenaufgang lassen sich von hier oben wunderbar beobachten.

Auch wenn der Weiterweg zum benachbarten Musterstein reizvoll scheint (bis Kletterei III. Grades), so spare ich mir die für eine spätere komplette Überschreitung der Wettersteinwand auf. So geht es auf gleichem Weg zurück zur Hütte. Auf Grund des sehr kurzen Anstiegs eignen sich die Törlspitzen am Abend als perfekter Appetithappen für den kommenden Tag.

Die Leutascher Dreitorspitze

Mit der Leutascher Dreitorspitze wartet mit dem ersten Gipfel am nächsten Morgen ein anspruchsvolleres Unterfangen. Während ein Großteil der Hüttenbesucher gen Leutasch oder gen Garmisch absteigt, wird es auf dem Weg zu den Dreitorspitzen einsam. Ein kurzer Abstieg führt über ein schmales und ausgesetztes Felsband am Fuß des Bayerländerturms in die Kare unter den Dreitorspitzen. Der Steig zur Westlichen Dreitorspitze bleibt dabei rechts liegen und den Steigspuren folgend geht es in Richtung Leutascher Dreitorspitze, ohne dass erkennbar wäre, wo dort ein Durchschlupf zum Gipfel lauern soll.

Aber es gibt ihn. Nach einem letzten sehr beschwerlichen Abschnitt im Geröll stehe ich mit meinen neuen Begleitern von der Hütte am Fuß einer steilen Rinne. In leichter Kletterei wird der erste Buckel erklommen. Hier angekommen, wird schlagartig klar, welch Gefahr das Gelände birgt. Der Aufstieg ist nur mit leichter Kletterei verbunden, aber der Untergrund ist extrem lose und massiver Steinschlag ist die Folge. Ein Helm ist Pflicht. So gehen wir besser getrennt und warten an sicheren Positionen ab, um die nachsteigenden Kletterer nicht zu gefährden. Es ist unmöglich, hier kein loses Gestein loszutreten und immer wieder stürzen kleine Steinlawinen in die Rinne hinab. Wir halten uns immer am rechten Rand und erreichen so bald den Grat, der die Dreitorspitzen verbindet.

Von hier ist es nicht mehr sonderlich schwierig und nur kurz etwas ausgesetzter bis zum Gipfelkreuz der Leutascher Dreitorspitze auf 2.682 m, von wo sich ein Tiefblick zum rot leuchtenden Schüsselkarbiwak, hinüber zum Zugspitzplatt, zur Wettersteinwand, zu Gehrenspitze und Ahrnplattenspitze sowie tief hinein ins Karwendel bietet.

Übergang zur Partenkirchener Dreitorspitze

Für den Weiterweg zur Partenkirchener Dreitorspitze sind mehrere Varianten denkbar. Der direkte Weg führt sehr ausgesetzt und mit Kletterschwierigkeiten im III. Grad in leichtem Auf und Ab über den Grat.

Wir entscheiden uns für die vermeintlich einfachere Variante und steigen über die Aufstiegsrinne wieder ab. Das geht auf Grund des losen Gesteins extrem langsam und auch hier gilt es wieder sehr viel Vorsicht walten zu lassen, um niemanden zu gefährden. Unten angekommen, queren wir das Kar etwas oberhalb der Steigspuren vom Zustieg und halten auf den Einstieg in den Hermann-von-Barth-Weg zu.

Der nach dem Bergsteiger-Pionier aus dem 19. Jahrhundert benannte Klettersteig führt durchaus luftig, aber immer sehr gut versichert in meist einfacher bis mäßiger Schwierigkeit (A/B) über schmale Felsbänder und Rinnen zum Grat der Dreitorspitzen. Die Steinschlaggefahr ist hier nicht so hoch wie an der Leutascher Dreitorspitze, durch mehr Bergsteiger, die hier unterwegs sind, aber keinesfalls zu unterschätzen, weswegen ein Helm dringend anzuraten ist.

Der Gipfel der Westlichen Dreitorspitze (2.633 m) wirkt ohne Gipfelkreuz beinahe etwas verloren. Wenige Meter entlang des sehr ausgesetzten Grates wird der Gipfel der Partenkirchener Dreitorspitze (2.626 m) mitsamt seinem Gipfelkreuz erreicht.

Abstieg zur Meilerhütte

Über den Hermann-von-Barth-Weg steigen wir wieder in die Schutthänge am Fuß der Dreitorspitzenwände ab. Einer kurzen Abfahrt durch den Schotter folgt die Querung des ausgesetzten Bandes und ein letzter Anstieg zur Meilerhütte.

Alternativ wäre auch eine weitere direkte Überschreitung über die Partenkirchener Dreitorspitze und den Signalgipfel denkbar, die wieder Stellen im III. Grad bereit hält.

Abstieg durchs Angerloch

Eine interessante Abwechslung aber weitaus schwierigere zum Abstieg über das Schachenhaus bietet die Abkürzung durch das Angerloch. Nach dem ersten steilen Abstieg von der Meilerhütte geht es im Sattel der Frauenalpspitze rechter Hand weiter. Der Steig ist nicht mehr markiert, aber eigentlich doch nie verfehlbar. Während die erste Hälfte weniger fordernd ist, ist die zweite Hälfte wesentlich anspruchsvoller. Über ausgesetztes, felsdurchsetztes und plattiges Gelände muss abgeklettert werden. Eine Leiter entschärft die Schlüsselstelle. Im sportlichen Schritt trifft der Steig unterhalb des Schachentors wieder auf den Aufstiegsweg. Über die Wettersteinalm geht es lang und doch zügig zurück nach Ellmau.

Fazit

Fuchsteufelswild durch das Wettersteingebirge. Das trifft wahrlich zu. Während die Leutascher Dreitorspitze sehr fordernd und extrem Steinschlag gefährdet ist, ist die Besteigung der Westlichen und der Partenkirchener Dreitorspitze über den Hermann-von-Barth-Weg weniger anspruchsvoll, aber nicht zu unterschätzen. Reizvoll sind sie beide. Eine Übernachtung auf der Meilerhütte bietet sich an, da der Zustieg sehr lang ist. Obendrein bietet die mit ihren “hauseigenen” Törlspitzen zwei weitere Gipfelziele.

Letzte Änderung: 8. September 2017

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