Der Geigelstein ist der höchste Berg der Chiemgauer Alpen, der komplett auf deutschem Territorium liegt. Von Sachrang führen gleich mehrere Wege auf den 1.808 Meter hohen Blumenberg des Chiemgaus – der bekannteste über die Priener Hütte, der schönere über die Schreckalm.

Die ersten Enziane des Sommers leuchten am Wegesrand, während wir das Gipfelkreuz schon vor Augen haben. Sie zeugen davon, warum der Geigelstein auch als der Blumenberg des Chiemgaus bezeichnet wird. Doch das hätte auch anders kommen können.
Denn lange wurde diskutiert, am Geigelstein eine Skischaukel (siehe Riedberger Horn) zwischen Sachrang und Schleching zu installieren. Eine Bürgerinitiative machte 1975 mobil, mit dem Beschluss, das Gebiet zum Naturschutzgebiet zu erklären, war die Sache 1991 endgültig vom Tisch – und die Natur dankt es bis heute.
Der Geigelstein: Blumenberg des Chiemgaus
Mit 1.808 Metern ist der Geigelstein der höchste Berg der Chiemgauer Alpen, der vollständig auf deutschem Boden steht.
Seinen Beinamen verdankt der Berg einer botanischen Ausnahmestellung: Rund 720 Farn- und Blütenpflanzenarten wachsen im Gebiet, davon sind 111 geschützt. Das 1991 ausgewiesene Naturschutzgebiet „Geigelstein“ umfasst 3.135 Hektar und reicht über zwei Landkreise – Rosenheim mit der Gemeinde Aschau und Traunstein mit Schleching.
Sichtbares Erbe der alten Erschließungspläne ist die Geigelsteinbahn auf der Ostseite oberhalb von Ettenhausen: Die einst längste Sesselbahn Deutschlands führte hinauf zur Wuhrsteinalm, seit 2014 steht die Seilbahn still. Statt Liftbügeln prägen heute Wanderer, Skitourengeher und die Almwirtschaft das Bild.
Sachrang und Schleching tragen seit 2017 beide das Prädikat Bergsteigerdorf des Alpenvereins – seit Herbst 2024 verbindet sie der Freundschaftsweg quer durch das Geigelsteingebiet (mehr dazu weiter unten).
Die Tour in der Übersicht
- Start: Wanderparkplatz am Ortseingang von Sachrang (731 m); ÖPNV: RVO-Buslinie 9502 ab Aschau im Chiemgau bis Sachrang (Mo–Sa, am Wochenende ausgedünnt)
- Route: Sachrang – Talalm – Priener Hütte – Sattel – Geigelstein – Südost-Flanke – Jägersteig – Priener Hütte – Sachrang
- Länge: 19,6 km
- Dauer/Gehzeit: 7:00 h zu Fuß; mit dem Mountainbike bis zur Priener Hütte etwa 4:00 bis 4:30 h
- Höhenmeter: 1.075 hm
- Charakter: landschaftlich schöne, technisch einfache Bergwanderung; langer Zustieg überwiegend auf Forstweg und Forststraße (rund 77 % Schotterweg), oberhalb der Priener Hütte markierter Pfad; Abstieg über die Südost-Flanke steiler und schotterig
- Höchster Punkt: Geigelstein 1.808 m
- Tiefster Punkt: 731 m
- Einkehrmöglichkeiten: Priener Hütte (1.410 m), Talalm; im Tal Hotel zur Post gegenüber dem Parkplatz
- Parken: gebührenpflichtig, 5 € pro Tag
Die Wanderung auf den Geigelstein
Alle Informationen zur Wanderung von Sachrang über die Priener Hütte auf den Geigelstein.
Zusammenfassung für Schnellleser
- Langer, gleichmäßig ansteigender Zustieg von Sachrang auf breiter Forststraße bis zur Priener Hütte
- Der Weg lässt sich hervorragend mit dem Mountainbike abkürzen – bergab in rund 25 Minuten zurück
- Ab der Priener Hütte markierter Steig durch einen weiten Kessel in den Sattel, oben zuletzt Serpentinen durch Latschen
- Am Gipfel warten Gipfelkreuz und Kapelle sowie ein weiter Ausblick ins Kaisergebirge und zu den Berchtesgadener Alpen
- Als Rundtour bietet sich der Abstieg über die Südost-Flanke und den Jägersteig zurück zur Hütte an
- Deutlich ruhiger und abwechslungsreicher: der alternative Aufstieg über die Schreckalm ab Sachrang oder Huben – zugleich die Gipfel-Variante des Freundschaftswegs
- Naturschutzgebiet: Wege nicht verlassen, Schonzeiten und Wildschutzgebiete beachten
Mit dem Mountainbike zur Priener Hütte
Vom beschaulichen Bergsteigerdorf Sachrang schwingen wir uns auf die Drahtesel und wollen dem Geigelstein einen Besuch abstatten. Der Parkplatz am Ortseingang quillt an schönen Tagen schnell über – die Besucher verteilen sich aber auf dem recht langen Zustieg.
Interessanter wird der mit dem Mountainbike. Zunächst geht es lange und immer wieder etwas steiler werdend durch den Wald. Wer zu Fuß unterwegs ist, dem bieten sich viele kleine Abkürzungen, die den monotonen Forstweg etwas vergessen machen.
Erst ab der Talalm lichten sich die Wälder und geben den Blick auf die umgebenden Berge frei, nur der Geigelstein selbst bleibt noch außer Sicht. Kurz bevor wir nach knapp zwei Stunden im Sattel die Priener Hütte (1.410 m) erreichen, können wir das Tagesziel ausmachen, das sich direkt hinter der Hütte aufschwingt.
Die Priener Hütte der DAV-Sektion Prien am Chiemsee ist ganzjährig bewirtschaftet und versorgt bereits seit 1930 Wanderer und Bergsteiger. Knapp 100 Besucher finden hier ein Obdach – die Lage direkt am Fuß des Geigelsteins macht sie zum idealen Stützpunkt für Gipfel, Übergänge und Skitouren. Von Juli bis Mitte September und in den bayerischen Schulferien ist die Hütte täglich geöffnet, im übrigen Jahr sind Montag und Dienstag Ruhetage – vor der Tour lohnt der Blick auf die Hüttenseite.
Aufstieg zum Geigelstein
Weiter geht es zu Fuß, vorbei an der Bergwachthütte und an den blühenden Enzianen durch einen breiten Kessel hinauf in den Sattel zwischen Rossalpenkopf und Geigelstein. Wer sich Zeit und Geduld mitbringt, kann oberhalb der Priener Hütte zahlreiche Murmeltiere beobachten, die sich auf den frischen Almwiesen tummeln.
Eine gemächliche Stunde und einen letzten etwas steileren, Latschen-lastigen Aufstiegsweg in Serpentinen später sind Gipfelkreuz und Kapelle am Geigelstein erreicht. Die Aussicht entschädigt für den lan
gen Zustieg: An schönen Tagen scheinen Kaisergebirge und Berchtesgadener Alpen zum Greifen nah, der Blick reicht bis zu den Hohen Tauern.
Wichtig: Der frühere Weg durch die Gipfelmulde wurde im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen 2006/2007 aufgelassen. Der markierte Verlauf ist heute gut beschildert – ihn zu verlassen, bringt im Naturschutzgebiet wenig und schadet viel.
Abstieg über die Südost-Flanke und den Jägersteig
Für etwas Abwechslung nehmen wir für den Abstieg die Südost-Flanke. Über steile und schotterige Steige geht es etwas anspruchsvoller als beim normalen Anstieg von der Priener Hütte wieder bergab. In einer Senke halten wir uns nicht in Richtung Wuhrsteinalm, sondern folgen bald einem nicht mehr markierten und bei Nässe matschig-glitschigen Jägersteig, der uns im Nu zurück zur Priener Hütte bringt.
Wer hier unsicher oder mit Kindern unterwegs ist, steigt schlicht auf dem Aufstiegsweg wieder ab – das kostet kaum Zeit und ist deutlich entspannter.
Abfahrt nach Sachrang
Das mühsame Bergauftreten ist vergessen, als wir mit Karacho die knapp neun Kilometer bergab düsen und schon nach 25 Minuten wieder am Parkplatz ankommen, der noch voller ist als am frühen Morgen. Um die Tour im Tal ausklingen zu lassen, locken Radler und gute Küche im Sachranger Hof, direkt gegenüber dem Parkplatz.
Alternativer Aufstieg über die Schreckalm
Wer den langen Schotter-Zustieg zur Priener Hütte scheut, findet auf der Sachranger Seite eine deutlich reizvollere und weit ruhigere Variante: den alternativen Aufstieg über die Schreckalm.
Der Aufstieg beginnt entweder direkt in Sachrang oder etwas weiter südlich im Ortsteil Huben. Zunächst folgen wir dem Forstweg bergauf bis zu einer markanten Kurve, in der eine Jagdhütte steht. Der Abzweig ist an dieser Stelle nicht zu übersehen: Wir halten uns links und folgen den Schildern.
Ab jetzt wird es deutlich angenehmer: Ein Steig führt durch den Wald nach oben und kreuzt dabei immer wieder die Forststraße. Wer mag, kann die Kehren der Straße also auch abkürzen – die Beschilderung ist eindeutig genug, um den Faden nicht zu verlieren.
Oben öffnet sich der Wald und wir stehen auf der Schreckalm. Hier wartet der erste große Moment der Tour: Der Blick geht weit hinüber ins Kaisergebirge, das sich jenseits des Inntals auftürmt. Für eine erste Pause gibt es an diesem Fleck kaum eine bessere Adresse.
Weiter halten wir uns oberhalb der Schreckalm links und wandern über offenes Almgelände vorbei an der Sulzingalm hinauf zur Oberkaseralm (1.493 m). Von dort trifft der Weg auf den Aufstiegsweg, der von der Priener Hütte heraufkommt – der Gipfelanstieg in Serpentinen durch die Latschen ist ab hier identisch.
Warum sich die Variante lohnt: Statt zwei Stunden Schotterpiste geht es überwiegend auf schmalen Pfaden durch Wald und über Almflächen. Der Weg gilt als der schönste und stillste Aufstieg auf den Geigelstein von Sachranger Seite. Wer eine große Runde gehen will, kombiniert ihn im Aufstieg mit dem Abstieg über die Priener Hütte – oder umgekehrt.
Übrigens: Genau diesen Verlauf nimmt auch der Freundschaftsweg der Bergsteigerdörfer in seiner Gipfel-Variante – mehr dazu weiter unten.
Weitere Aufstiege auf den Geigelstein
Der Geigelstein lässt sich aus fast allen Himmelsrichtungen erwandern. Ein Überblick über die lohnendsten Varianten:
Von Ettenhausen über Wuhrsteinalm und Wirtsalm
Der klassische Ostanstieg startet am Parkplatz der ehemaligen Geigelsteinbahn in Ettenhausen bei Schleching. Über den Grieselbergsteig, einen alten Forstweg, erreicht man nach etwa eineinhalb Stunden die Wuhrsteinalm (1.140 m). Von dort führt eine breite Fahrstraße parallel zur alten Liftrasse hinauf zur Wirtsalm (1.421 m) und weiter über den Stubeckrücken auf den Gipfel. Rund 1.200 Höhenmeter und etwa 3:30 h im Aufstieg.
Über die Roßalm
Die Roßalm (1.681 m) ist die höchstgelegene Alm im Chiemgau und liegt kurz unterhalb des Gipfels auf der Südostseite. Sie lässt sich sowohl von Schleching als auch als Abstecher aus dem Gipfelanstieg her
aus besuchen und ist einer der schönsten Rastplätze am ganzen Berg.
Kombination mit dem Breitenstein
Ambitionierte hängen dem Gipfel den Breitenstein (1.661 m) an. Vom Geigelstein geht es in den Sattel zwischen beiden Gipfeln hinab, anschließend über einen abwechslungsreichen Grat zum Fuß des Breitensteins, der ohne größere Schwierigkeiten erstiegen wird.
Über die Haidenholzalm und den Weitlahnerkopf
Die konditionell fordernste Rundtour auf den Geigelstein startet ebenfalls am Parkplatz der Geigelsteinbahn in Ettenhausen. Über breite Forststraßen geht es rund zwei Stunden durch den Wald, ehe sich die Bäume lichten und die Haidenholzalm (1.380 m) erreicht ist.
Kurz unterhalb der Alm steht rechts des Weges ein Gedenkkreuz mit kyrillischer Inschrift – „Bleibende Erinnerung“. Es erinnert an zwei russische Kriegsgefangene, die in den letzten Kriegstagen aus Aschau flohen und hier von Landwehr und Volkssturm gestellt und erschossen wurden. Die Sennerinnen der Alm sorgten dafür, dass die beiden nicht vergessen wurden.
Weiter führt ein schmaler Steig über einen latschenbewachsenen Rücken zum Weitlahnerkopf (1.615 m), dessen Gipfelkreuz erst spät zwischen den Latschen auftaucht. Von dort geht es über die Roßalm hinüber zum Geigelstein und schließlich über die Wuhrsteinalm zurück nach Ettenhausen: 16 km, 1.257 hm, 5 bis 6,5 Stunden.
Alle Details zur Tour: Rundtour über die Haidenholzalm auf Weitlahnerkopf und Geigelstein
Der Freundschaftsweg der Bergsteigerdörfer Sachrang und Schleching
Wo einst die Skischaukel die beiden Täler verbinden sollte, tut das seit Herbst 2024 ein Wanderweg: Der Freundschaftsweg der Bergsteigerdörfer führt von Sachrang nach Schleching und zurück – einmal rund um und über den Geigelstein. 37,5 km, 1.831 hm, 12 bis 13 Stunden, sinnvollerweise auf zwei Tage verteilt.
Er besteht aus zwei Varianten, die sich zur großen Runde verbinden lassen:
- Freundschaftsweg Gipfel: vom Ortskern Sachrang über Schreckalm und Sulzingalm zur Priener Hütte und auf den Gipfel, anschließend Abstieg über Wirtsalm und Wuhrsteinalm nach Ettenhausen – also exakt die oben beschriebene Schreckalm-Variante.
- Freundschaftsweg Tradition: die konditionell leichtere Talroute vom Schlechinger Ortsteil Mühlau über die Dalsenalmen zum Dalsensattel und durch den Klausgraben hinab nach Hainbach und an der Prien entlang zurück nach Sachrang.
Wer den Geigelstein nicht nur besteigen, sondern verstehen will, ist hier richtig: Der Weg ist die gelebte Antwort auf die Erschließungspläne der 1970er Jahre. Alle Etappen und Infos im Beitrag zum Freundschaftsweg der Bergsteigerdörfer Sachrang und Schleching.
Gut zu wissen: Unterwegs im Naturschutzgebiet
Das Naturschutzgebiet Geigelstein ist kein Etikett auf dem Papier. In § 4 der Verordnung vom 6. Mai 1991 sind die Verhaltensregeln festgehalten:
- Wege nicht verlassen. Erosionsschäden an alten Trassen wurden aufwendig renaturiert.
- Mountainbiken ist nur eingeschränkt erlaubt und auf ausgewiesene Wege beschränkt. Die Auffahrt zur Priener Hütte auf der Forststraße ist die etablierte Route – oberhalb der Hütte hat das Rad nichts verloren.
- Ski- und Schneeschuhtouren unterliegen eigenen Regelungen. 2009 wurden drei zuvor gesperrte Abfahrten wieder freigegeben, die Tabuzonen dafür aber klar definiert. Die aktuellen Routen sind in der AV-Karte BY 17 „Chiemgauer Alpen West, Hochries, Geigelstein“ eingezeichnet. Mehr dazu im Beitrag über das Schneeschuhwandern rund um die Priener Hütte.
- Rauhfußhühner – Auer-, Birk-, Hasel- und Alpenschneehuhn – sind besonders im Winter störungsempfindlich. Schonzeiten und Wald-Wild-Schongebiete beachten.
- Pflanzen stehen unter Schutz und dürfen weder entnommen noch ausgebracht werden.
Die Tour bei Outdooractive
Daten und Fakten zur Wanderung auf den Geigelstein, Kartenmaterial und die GPX-Datei zum Herunterladen gibt`s bei Outdooractive.
Fazit
Die Tour auf den Geigelstein ist eine gelungene Bergwanderung, die sich je nach Route und Fortbewegungsmittel zwischen halbem und ganzem Tag bewegt. Wer den langen Zustieg über die Priener Hütte wählt, sollte über ein Mountainbike nachdenken – zu Fuß ist die Forststraße zäh, auch wenn Almen und der kleine See unterhalb der Hütte für Abwechslung sorgen.
Deutlich lohnender ist der alternative Aufstieg über die Schreckalm: mehr Steig, weniger Schotter, dazu der Blick ins Kaisergebirge und die stille Almlandschaft rund um Sulzing- und Oberkaseralm. Der Gipfel selbst gehört zu den beliebtesten der Chiemgauer Alpen – allein wird man dort selten sein. Dafür entschädigen Gipfelkreuz, Kapelle und ein Ausblick, der an klaren Tagen weit über die Grenzen des Chiemgaus hinausreicht.




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