Jovenspitze: Einsames Gipfelglück im Zahmen Kaiser

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Unmarkierte Wege sind es, die auf den einsamen Gipfel der Jovenspitze unweit der Pyramidenspitze im Zahmen Kaiser führen und die die Besteigung sehr anspruchsvoll machen.

Jovenspitze: Einsames Gipfelglück im Zahmen Kaiser © Gipfelfieber
Jovenspitze: Einsames Gipfelglück im Zahmen Kaiser © Gipfelfieber

Aber ist die Bezeichnung “Jovenspitze”, wie sie in beinahe allen gängigen Karten zu finden ist, überhaupt richtig? Eigentlich nicht, denn die Felszacken müssten vielmehr als Jovenspitzen bezeichnet werden. Vom Brennkopf oder dem Geigelstein auf der anderen Talseite in den Chiemgauer Alpen aus betrachtet, wirkt es zwar als sei der höchste Punkt einer, der alle anderen überragt, aber das ist nicht ganz richtig. Tatsächlich sind die Jovenspitzen mehrere steile Felszacken, die sich dem Bergsteiger bei dem Versuch sie von der Scharte, die sie von der Pyramidenspitze trennt, zu besteigen, gekonnt in den Weg stellen.




So ist die Tour auf den 1.892 m hohen Hauptgipfel mitsamt Gipfelkreuz sehr anspruchsvoll und die Bezwinger müssen nicht nur hinreichende Bergerfahrung – auch im weglosen Gelände – sondern vor allem absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringen. Dass die Schwierigkeit immer wieder unterschätzt wird, beweisen regelmäßige Einsätze der Bergwacht.

Von Durchholzen ins Winkelkar

Chiemgauer Alpen auf der anderen Talseite © Gipfelfieber
Chiemgauer Alpen auf der anderen Talseite © Gipfelfieber

Wie schon das ein oder andere Mal, sei es bei der Besteigung der Pyramidenspitze mitsamt der eindrucksvollen wie schwierigen Überschreitung zum Rosskaiser oder der Skitour ins Pulverloch Winkelkar startet die Tour auf die Jovenspitze(n) unweit der Talstation der Zahmer Kaiser-Bergbahn in Durchholzen. Am Wanderparkplatz beginnt die anfangs unschwierige Wanderung, die bis hinein ins Winkelkar mit den oben genannten Touren identisch ist.

Bei nur geringer Steigung geht es erst an der Großpointneralm vorbei und schließlich steiler werdend bis zur Winkelalm, die in circa einer Stunde erreicht ist. Während die senkrechten Felswände über dem Winkelkar immer näher kommen, schwindet die Vegetation nach und nach.

In den steilen Geröllhalden unterhalb der Felsen sitzen etliche Gämsen, die uns beobachten (und anders herum wir sie). Einige Ecken des kargen Winkelkars bekommen im kompletten Jahr keinen Sonnenstrahl ab und so finden sich selbst im Spätsommer noch einige kleinere Schneefelder.

Der Aufstieg steilt zwar weiter etwas an, aber erst der Untergrund macht das wirklich anstrengend und beschwerlich. Hinter dem letzten Baum (im Winter das Ende der Skitour) wird die Vegetation noch spärlicher und kaum ein Grashalm lugt noch aus dem Schotterfeld hervor, das es zu überwinden gilt. Ein Schritt vor, ein halber Schritt zurück. So geht es mühsam bis zur Felswand und so dem Einstieg in den teilweise versicherten Steig zur Pyramidenspitze (ca. 2 h ab Start).

Versicherter Steig zur Pyramidenspitze

Der Steig führt nun steil hinauf bis in die Scharte zwischen Jovenspitze(n) zur Rechten und Pyramidenspitze zur Linken. Gerade am steilen Anfang sind die Passagen oft mit einem Stahlseil versichert. Im weiteren Verlauf werden die Versicherungen weniger. Ein echter Klettersteig ist das aber nicht und so sind auch einige ungesicherte Passagen zu überwinden. Mit hinreichender Erfahrung bedarf es keines Klettersteigsets, spätestens beim weiteren Aufstieg zur Jovenspitze gibt es sowieso keine Stahlseilversicherungen mehr, so dass das Set sowieso nur Ballast im Rucksack ist.

Einen Helm sollte man allerdings tragen, schließlich bleibt der Untergrund – Kaisergebirge typisch – sehr locker und schnell ist versehentlich ein Stein losgetreten.

Abzweig zu den Jovenspitzen

Den Abzweig zu den Jovenspitzen zu entdecken, ist durchaus schwierig. Mehr zufällig halten wir uns in einer scharfen Kehre nicht links gen Scharte, sondern folgen den deutlichen Pfadspuren, die fast geradewegs nach oben führen. Wir steigen über steile Schrofen und das Gipfelkreuz ist bald schon in Sicht während das Gelände mit jedem Schritt anspruchsvoller wird. Bei Nässe oder gar Schnee ist vom Aufstieg dringend abzuraten, zu groß ist die Gefahr eines Absturzes.

Die Pfadspuren werden immer undeutlicher, aber das Gelände und Steinmänner, die hin und wieder zu finden sind, weisen den Weg. Jeder Schritt ist wohl überlegt und so geht es langsam weiter nach oben. Felstürme werden umkurvt und einer Rinne folgend ist bald der Kamm in Sicht- und Reichweite, wo der Pfad schließlich wieder deutlicher wird. Wenige Minuten und eine einfache Kletterei später ist das Gipfelkreuz auf der nördlichen Jovenspitze erreicht und es bietet sich ein grandioser Tiefblick zum Walchsee und zum Nordgrat (etwa 3 h ab Start).

Abstieg oder Übergang zur Pyramidenspitze

Auch wenn der Aufstieg schon schwierig war. Der Abstieg setzt noch einen drauf. Der Abstieg auf dem Aufstiegsweg durch das steile Schrofengelände ist möglich, aber nicht wirklich empfehlenswert. Die Querung unterhalb der Felstürme der Jovenspitzen bis zur Scharte ist zwar auch nicht einfacher und jeder Schritt erfordert volle Konzentration. Die Felsen am Grat werden auf der Ostseite umgangen, hin und wieder gibt es Steinmänner und Pfadspuren (eher Pfadspürchen), die den Weg weisen. Irgendwann ist die Scharte erreicht und in knapp 20 weiteren Minuten ist auf dem Steig die Pyramidenspitze (1.997 m) erreicht.

Zurück zum Ausgangspunkt

Ins Tal zurück geht es nun auf dem Aufstiegsweg, ohne aber den Jovenspitzen einen weiteren Besuch abzustatten. Alternativ ist ein Abstieg durch das Egersgrinn, den ausgelassenen Steig und weiter zur Aschinger Alm möglich (steiler Einstieg in das Kar).

Die längste, aber bequemste Variante führt über das Hochplateau des Zahmen Kaisers, zu Petersköpfl und Naunspitze bis zur Vorderkaiserfeldenhütte und schließlich über den Ebbser Steig steil nach unten, um im Tal zur Aschinger Alm und zurück zum Ausgangspunkt der Tour zu gelangen.

Fazit

Die Tour zum Gipfelkreuz der Jovenspitze(n) ist technisch und konditionell sehr fordernd. Die Besteigung bleibt daher erfahrenen Bergsteigern vorbehalten, die sich in absturzgefährdetem, steilem und zwischendrin auch weglosen Gelände sicher fortbewegen können.

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