Und tschüss, Alpenplan: Die Skischaukel der Schande am Riedberger Horn

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Die Bayerische Staatsregierung ändert den Alpenplan, genehmigt eine neue Skischaukel am Riedberger Horn und tritt zugleich den Umweltschutz mit Füßen. Dabei ist das nicht das einzige, was bei dem Fall für Aufregung sorgt. Eine Zusammenfassung, deren Fortgang stetig aktualisiert wird. Anfang April 2018 dann das Aus für die Skischaukel.

Und tschüss, Alpenplan: Die Skischaukel der Schande am Riedberger Horn © Ulligunde.com
Und tschüss, Alpenplan: Die Skischaukel der Schande am Riedberger Horn © Ulligunde.com

Update vom 06.04.2018: Ministerpräsident Söder erklärte am 06.04.2018 das Aus für die Skischaukel am Riedberger Horn. Stattdessen nimmt die Bayerische Staatsregierung 20 Millionen Euro in die Hand und fördert damit den naturnahen und umweltverträglichen Bergtourismus vor Ort. Damit soll ein Naturerlebniszentrum entstehen, die umweltfreundliche Mobilität zwischen den Skigebieten soll verbessert und weiter ausgebaut werden. Zudem werden die bestehenden Anlagen einer Modernisierung unterzogen, Obermaiselstein und Balderschwang sollen digitale Dörfer werden und letzteres zudem den Titel “Alpendorf” erhalten.

Update vom 05.04.2018: Am morgigen Freitag, den 06.04.2018 lädt der neue Ministerpräsident Söder zu einem Gespräch zum Thema Skischaukel. Und scheinbar kommt Bewegung in die Sache. Denn der Tagesordnungspunkt in der Bayerischen Staatskanzlei steht unter dem Titel “Naturverträglicher Ski- und Bergtourismus in der Region Riedberger Horn”. Ob es ein Einsehen der Bayerischen Staatsregierung und ein Umdenken gegeben hat?

Letzten Meldungen zufolge solle es bei Söder, der das Projekt als damaliger Heimatminister mit allen Kräften voran getrieben hat, mittlerweile Bedenken gegen das umstrittene Projekt geben, vor allem, weil die Gegenstimmen im eigenen Lager zuletzt immer lauter wurden und eine gespaltene Partei bei den anstehenden Landtagswahlen das letzte ist, was der neue Ministerpräsident gebrauchen kann.

Update vom 13.03.2018: Die umstrittene Skischaukel am Riedberger Horn ist laut einem Gutachten vom BUND Naturschutz offenbar nicht genehmigungsfähig. Richard Mergner, Landesbeauftragter vom BUND Naturschutz dazu: “Die geplante Skischaukel am Riedberger Horn befindet sich weitgehend in geologisch labilem Gebiet, daher ist das Vorhaben auf Grund der gesetzlichen Vorgaben der internationalen Alpenkonvention nicht genehmigungsfähig.” Dabei bezieht sich das Gutachten auf den Artikel 14 des Bodenschutzprotokolls der Alpenkonvention. Gerade im Hinblick auf die Klimaerwärmung sei in Zukunft mit Hangrutschen zu rechnen. Die Erteilung einer Genehmigung für den Bau der Skischaukel dürfe damit erst gar nicht erteilt werden. Ausführlichere Informationen zum Gutachten gibt es direkt beim BUND Naturschutz.

Ein herber Rückschlag für die Befürworter der Skischaukel sowie die Bayerische Landesregierung, allen voran dem designierten Landesvater Markus Söder. Das letzte Wort ist am Riedberger Horn noch längst nicht gesprochen.

Update vom 24.11.2017: Der Freitag vor Thanksgiving ist in den USA und auch hierzulande mittlerweile sehr wichtig geworden. Zeit also, den “Schwarzen Freitag” für den Alpenplan zu kapern. Wir bleiben dran!

Blogger pro Alpenplan
Blogger pro Alpenplan

Update vom 13.11.2017: Es formiert sich immer mehr Protest. Über 100 Outdoor-Blogger haben sich zusammen geschlossen, um gegen die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung vorzugehen. Wir sagen “Ja zum Alpenplan”.

Update vom 09.11.2017: Der 09. November 2017 schreibt mal wieder Historie und geht als trauriger Tag in die Geschichte des Umweltschutzes ein. Der Bayerische Landtag hat die Änderung des Alpenplans durchgewunken, womit der Weg für die umstrittene Skischaukel am Riedberger Horn frei geworden ist. Der Heimatminister Söder dazu: „Der ländliche Raum ist kein Museum, sondern der ländliche Raum ist Zukunftsraum, den wir in Bayern stärken und erhalten wollen.” Weiterhin hält er die Änderung nur für einen Einzelfall. Einer der Schule machen wird? Einige Verbände haben allerdings bereits eine Klage gegen das fragwürdige Projekt angekündigt.

Die Winter werden wärmer und wärmer. Der Schnee weniger. Seit beinahe 70 Jahren schrumpfen die jährlichen Schneemengen. Alle zehn Jahre verkürzt sich die Schneesaison daher um etwa fünf Tage. Die Schneedeckendauer in mittleren Lagen fällt zehn bis teils 20 Prozent kürzer aus als dazumal. Perfekte Voraussetzungen also um die Skischaukel am Riedberger Horn, eigentlich strengste Umweltschutzzone im Bayerischen Alpenraum, im Schnellverfahren durch zu winken? Auf 1.600 Meter wohlgemerkt.




Das Corpus Delicti

Das Riedberger Horn liegt in den Allgäuer Alpen und ist beschauliche 1.787 Meter hoch. Schon Luis Trenker lobte den zu allen Seiten befahrbaren und bei Tourengehern beliebten Berg als besten Skiberg Deutschlands. An seinen südlichen und westlichen Ausläufern gibt es bereits ein paar Lifte und zwei kleine Skigebiete. Nach den Plänen der Orte Balderschwang und Obermaiselstein reicht das nicht aus. Deren Skigebiete sollen nun nämlich mit einer Skischaukel verbunden werden, um attraktiver für Touristen zu werden.

Der Alpenplan

Das Problem dabei: Die geplante Verbindung am Riedberger Horn liegt in der Schutzzone C des Alpenplans. Der Alpenplan wurde vor knapp 45 Jahren von der Bayerischen Staatsregierung ins Leben gerufen, um unter anderem eine Übererschließung des Alpenraums zu verhindern. Eingriffe in der Schutzzone C sind in aller Regel unzulässig und bedürfen hohen Anforderungen.

Wo keine Schutzzone, da kein Hindernis

Was macht also die Bayerische Staatsregierung? Sie ändert im März 2017 einfach den Alpenplan. Wo keine Schutzzone mehr ist, ist auch kein Hindernis dort etwas zu bauen. Ein Beispiel, das Schule machen könnte und Schule machen dürfte. Alternativ wird dafür zwar ein größerer Bereich als der, der herausgenommen wird, in eine Schutzzone C umgewandelt. Minister Söder dazu, immerhin Heimatminister: “Das ist eine deutliche Verbesserung für den Naturschutz.” Aber ist so ein Hin- und Hergeschiebe wirklich rechtens? Und was macht das mit den Tieren dort?

Macht das wirklich Sinn?

Fraglich ist nämlich, ob sich ein neuer Lift und eine neue Piste wirklich rechnen werden. Obermaiselstein mit seinen 11 Pistenkilometern. Balderschwang sogar mit satten 30 Pistenkilometern. Mit der neuen 3,35 Kilometer langen Piste und der Zusammenlegung sind es nun also sagenhafte 44,35 Kilometer Piste. Zugegeben, das ist mehr als vorher. Aber ein neues Ischgl, ein neues Zillertal und ein neuer Arlberg wird im hintersten Zipfel des beschaulichen Allgäus wohl kaum entstehen.

Denn vor allem liegen aktuelles und bald womöglich zusammengeschlossenes Skigebiet ziemlich niedrig. Bis auf etwa 1.600 Meter führen die Lifte. Die meisten Pisten bewegen sich zwischen 1.000 und 1.400 Meter. Ist das wirklich genug, um dort überhaupt noch lange und vor allem nachhaltig Skifahren zu können? Eine Studie des Alpenvereins über die Auswirkungen des Klimawandels lässt das anzweifeln und auch die Bundesregierung rechnet damit, dass nur eins von zehn Skigebieten in Zukunft als schneesicher gelten wird.

Demzufolge dürfte der Skibetrieb bis 2040 zwar aufrecht erhalten werden können. Das allerdings nur mit künstlicher Beschneiung. Aber auch die Zahl der Tage, wo die Schneekanonen überhaupt zum Einsatz kommen können, dürfte immer weiter zurückgehen. Ob sich das wirklich rentiert, ist also mehr als zweifelhaft. Und wenn es schlecht läuft, ist die Skischaukel am Riedberger Horn in knapp 20 Jahren nicht mehr als ein Mahnmal, das um des schnellen Vergessens Willen lieber schnell zurückgebaut wird.

Lesenswert: Eine sehr ausführliche Studie zu den Zukunftsperspektiven des Skitourismus in Bayern: https://shop.arl-net.de/media/direct/pdf/ab/ab_009/ab_009_09.pdf

Gemauschel und Vetternwirtschaft?

Und dann ist da noch das Gemauschel in den Orten selber. Da stimmen Gemeinderäte in Obermaiselstein für den Neubau der Skischaukel am Riedberger Horn, die geschäftlich oder verwandtschaftlich mit der Betreiberfirma, die den Neubau forciert, verbandelt sind. Eine wie hier naheliegende persönliche Beteiligung bei solchen Abstimmungen versucht § 49 Absatz 1 der Bayerischen Gemeindeordnung eigentlich zu verhindern, um finanzielle Begünstigungen von Abstimmungsbeteiligten auszuschließen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Fazit

Eine neue Erschließung in einer besonders streng geschützten Zone des Alpenplans. Noch dazu in einer Höhe, die auf lange Sicht wahrscheinlich gar keinen Skibetrieb mehr ermöglichen wird. Geht es eigentlich noch absurder, liebe Bayerische Staatsregierung, lieber Herr Heimatminister? Wir sind gespannt, was die Gerichte dazu sagen werden, denn die werden mit Sicherheit bald darüber befragt werden…

Bildnachweis: © Erika Spengler/Ulligunde.com


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Andreas ist Gipfelfieber. Gipfelfieber ist Andreas. Liebt die Berge. Liebt die Natur. Liebt das Wandern. Liebt das Bergsteigen. Liebt das Reisen. Liebt das Fotografieren. Liebt das Schreiben. Liebt neue Herausforderungen. Und hat genau deswegen vor ein paar Jahren Gipfelfieber ins Leben gerufen.

9 KOMMENTARE

  1. mal sehen, was für Ausgleichsflächen herangezogen warden. Da könnten dann eventuell die “sanften” Nutzer dran glauben müssen (Skitouren Klettern), weil die keine vernünftige Lobby haben.

    • Ja, das bleibt spannend. Ich gehe aber doch davon aus, dass das vor Gericht am Ende nicht durchgehen wird, denn ob die tatsächliche Bewertung als Ausbau statt einer Neuerschließung richtig ist, ist doch arg anzuzweifeln.
      Viele Grüße

      Andi

  2. So lange solche kapitalistisch – destruktiven Ideologien ohne Weiterdenken mehrheitsfähig bleiben, werden wir unausweichlich in einer nicht allzu fernen Zukunft eine ökologische Katastrophe steuern, mit Massenaussterben, Milliarden an Klimaflüchtlingen. Es wird in einer Erde enden, in der ich nicht leben wollen würde. Wie sollen die Länder am Äquator einsehen, dass ihr Regenwald für unser aller Überleben essentiell ist, wenn die reichen Europäer so ein “Vorbild” abgeben? Danke Herr Söder!

  3. Da kann man nur sagen: Neues aus Söders Absurdistan. Es ist für mich unbegreiflich, wie man mit rückwärtsgewandter Politik so lange (zumindest bei den Stimmenzahlen) erfolgreich sein kann…

  4. Markus Söder interessiert sich nicht für den Alpenplan oder den Umweltschutz. Er interessiert sich aber auch nicht für das Skigebiet am Riedberger Horn. Seine Entscheidung war rein taktischer Natur und sollte seine Machtposition innerhalb der Partei stärken.
    Was die Skischaukel angeht, setze ich große Hoffnung in eine Klage der Umweltverbände. Der Fall “Eisenbreche” hat gezeigt, dass Naturschutzgesetze auch für die Politik gelten.
    Auch jeder einzelne Verbraucher kann etwas tun: Man sollte Gemeinden meiden, die den Naturschutz mit Füßen treten und sein Geld dort ausgeben, wo der Naturschutz geachtet wird, wie beispielsweise in den Bergsteigerdörfern.

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