Und tschüss, Alpenplan: Die Skischaukel der Schande am Riedberger Horn

937

Die Bayerische Staatsregierung ändert den Alpenplan, genehmigt eine neue Skischaukel am Riedberger Horn und tritt zugleich den Umweltschutz mit Füßen. Dabei ist das nicht das einzige, was bei dem Fall für Aufregung sorgt. Eine Zusammenfassung.

Und tschüss, Alpenplan: Die Skischaukel der Schande am Riedberger Horn © Ulligunde.com

Und tschüss, Alpenplan: Die Skischaukel der Schande am Riedberger Horn © Ulligunde.com

Die Winter werden wärmer und wärmer. Der Schnee weniger. Seit beinahe 70 Jahren schrumpfen die jährlichen Schneemengen. Alle zehn Jahre verkürzt sich die Schneesaison daher um etwa fünf Tage. Die Schneedeckendauer in mittleren Lagen fällt zehn bis teils 20 Prozent kürzer aus als dazumal. Perfekte Voraussetzungen also um die Skischaukel am Riedberger Horn, eigentlich strengste Umweltschutzzone im Bayerischen Alpenraum, im Schnellverfahren durch zu winken? Auf 1.600 Meter wohlgemerkt.




Das Corpus Delicti

Das Riedberger Horn liegt in den Allgäuer Alpen und ist beschauliche 1.787 Meter hoch. Schon Luis Trenker lobte den zu allen Seiten befahrbaren und bei Tourengehern beliebten Berg als besten Skiberg Deutschlands. An seinen südlichen und westlichen Ausläufern gibt es bereits ein paar Lifte und zwei kleine Skigebiete. Nach den Plänen der Orte Balderschwang und Obermaiselstein reicht das nicht aus. Deren Skigebiete sollen nun nämlich mit einer Skischaukel verbunden werden, um attraktiver für Touristen zu werden.

Der Alpenplan

Das Problem dabei: Die geplante Verbindung am Riedberger Horn liegt in der Schutzzone C des Alpenplans. Der Alpenplan wurde vor knapp 45 Jahren von der Bayerischen Staatsregierung ins Leben gerufen, um unter anderem eine Übererschließung des Alpenraums zu verhindern. Eingriffe in der Schutzzone C sind in aller Regel unzulässig und bedürfen hohen Anforderungen.

Wo keine Schutzzone, da kein Hindernis

Was macht also die Bayerische Staatsregierung? Sie ändert im März 2017 einfach den Alpenplan. Wo keine Schutzzone mehr ist, ist auch kein Hindernis dort etwas zu bauen. Ein Beispiel, das Schule machen könnte und Schule machen dürfte. Alternativ wird dafür zwar ein größerer Bereich als der, der herausgenommen wird, in eine Schutzzone C umgewandelt. Minister Söder dazu, immerhin Heimatminister: “Das ist eine deutliche Verbesserung für den Naturschutz.” Aber ist so ein Hin- und Hergeschiebe wirklich rechtens? Und was macht das mit den Tieren dort?

Macht das wirklich Sinn?

Fraglich ist nämlich, ob sich ein neuer Lift und eine neue Piste wirklich rechnen werden. Obermaiselstein mit seinen 11 Pistenkilometern. Balderschwang sogar mit satten 30 Pistenkilometern. Mit der neuen 3,35 Kilometer langen Piste und der Zusammenlegung sind es nun also sagenhafte 44,35 Kilometer Piste. Zugegeben, das ist mehr als vorher. Aber ein neues Ischgl, ein neues Zillertal und ein neuer Arlberg wird im hintersten Zipfel des beschaulichen Allgäus wohl kaum entstehen.

Denn vor allem liegen aktuelles und bald womöglich zusammengeschlossenes Skigebiet ziemlich niedrig. Bis auf etwa 1.600 Meter führen die Lifte. Die meisten Pisten bewegen sich zwischen 1.000 und 1.400 Meter. Ist das wirklich genug, um dort überhaupt noch lange und vor allem nachhaltig Skifahren zu können? Eine Studie des Alpenvereins über die Auswirkungen des Klimawandels lässt das anzweifeln und auch die Bundesregierung rechnet damit, dass nur eins von zehn Skigebieten in Zukunft als schneesicher gelten wird. Demzufolge dürfte der Skibetrieb bis 2040 zwar aufrecht erhalten werden können. Das allerdings nur mit künstlicher Beschneiung. Aber auch die Zahl der Tage, wo die Schneekanonen überhaupt zum Einsatz kommen können, dürfte immer weiter zurückgehen. Ob sich das wirklich rentiert, ist  also mehr als zweifelhaft. Und wenn es schlecht läuft, ist die Skischaukel am Riedberger Horn in knapp 20 Jahren nicht mehr als ein Mahnmal, das um des schnellen Vergessens Willen lieber schnell zurückgebaut wird.

Lesenswert: Eine sehr ausführliche Studie zu den Zukunftsperspektiven des Skitourismus in Bayern: https://shop.arl-net.de/media/direct/pdf/ab/ab_009/ab_009_09.pdf

Gemauschel und Vetternwirtschaft?

Und dann ist da noch das Gemauschel in den Orten selber. Da stimmen Gemeinderäte in Obermaiselstein für den Neubau der Skischaukel am Riedberger Horn, die geschäftlich oder verwandtschaftlich mit der Betreiberfirma, die den Neubau forciert, verbandelt sind. Eine wie hier naheliegende persönliche Beteiligung bei solchen Abstimmungen versucht § 49 Absatz 1 der Bayerischen Gemeindeordnung eigentlich zu verhindern, um finanzielle Begünstigungen von Abstimmungsbeteiligten auszuschließen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Fazit

Eine neue Erschließung in einer besonders streng geschützten Zone des Alpenplans. Noch dazu in einer Höhe, die auf lange Sicht wahrscheinlich gar keinen Skibetrieb mehr ermöglichen wird. Geht es eigentlich noch absurder, liebe Bayerische Staatsregierung, lieber Herr Heimatminister? Wir sind gespannt, was die Gerichte dazu sagen werden, denn die werden mit Sicherheit bald darüber befragt werden…

Bildnachweis: © Erika Spengler/Ulligunde.com


Letzte Änderung: 19. April 2017

3 Antworten zu " Und tschüss, Alpenplan: Die Skischaukel der Schande am Riedberger Horn "

  1. Wolfi Hofer sagt:

    mal sehen, was für Ausgleichsflächen herangezogen warden. Da könnten dann eventuell die “sanften” Nutzer dran glauben müssen (Skitouren Klettern), weil die keine vernünftige Lobby haben.

    • Andreas sagt:

      Ja, das bleibt spannend. Ich gehe aber doch davon aus, dass das vor Gericht am Ende nicht durchgehen wird, denn ob die tatsächliche Bewertung als Ausbau statt einer Neuerschließung richtig ist, ist doch arg anzuzweifeln.
      Viele Grüße

      Andi

  2. Kommunist sagt:

    So lange solche kapitalistisch – destruktiven Ideologien ohne Weiterdenken mehrheitsfähig bleiben, werden wir unausweichlich in einer nicht allzu fernen Zukunft eine ökologische Katastrophe steuern, mit Massenaussterben, Milliarden an Klimaflüchtlingen. Es wird in einer Erde enden, in der ich nicht leben wollen würde. Wie sollen die Länder am Äquator einsehen, dass ihr Regenwald für unser aller Überleben essentiell ist, wenn die reichen Europäer so ein “Vorbild” abgeben? Danke Herr Söder!

Kommentar verfassen

Mit einem Klick akzeptieren Sie die Nutzung von Cookies. Mehr Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Schließen