Steinböcke in den Bayerischen Alpen: Die Könige der Berge

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Steinböcke gehören zu den majestätischsten Tieren im Alpenraum. Auch in den Bayerischen Alpen sind die Könige der Berge anzutreffen. 

Steinbock in der Morgensonne © Gipfelfieber.com
Steinböcke in den Bayerischen Alpen: Die Könige der Berge © Gipfelfieber.com

Die Geschichte der Steinböcke in den Alpen ist eine schöne und traurige zugleich. Der Alpensteinbock wurde seit jeher mystifiziert und entsprechend bejagt, um alles nur Denkbare – vom Horn bis zum Kot – irgendwie zu verwerten. Das führte dazu, dass der Steinbock mit Beginn des 19. Jahrhunderts quasi komplett ausgerottet war.

Rund um den 4.061 m hohen Gran Paradiso in den italienischen Westalpen gab es eine letzte Population von etwa 100 Tieren. Die wurden ab 1821 unter strengen Schutz gestellt und die Population wuchs bis Ende des 19. Jahrhunderts auf knapp 3.000 Exemplare. König Emanuel III. verweigerte allerdings den Export von Tieren, um sie in der Schweiz wieder anzusiedeln. Der St. Gallener Wildpark Peter und Paul beauftragte daraufhin den Wilderer Joseph Beyrard, der schließlich drei Jungtiere vom Gran Paradiso in die Schweiz schmuggelte. Damit begann das Zuchtprogramm und schon wenige Jahre später erfolgten die ersten Aussetzungen in der Schweiz.

Heute ist die Steinbockpopulation in der Schweiz auf über 40.000 Tiere angewachsen, in Österreich leben zwischen 4.500 und 5.000 Exemplaren und auch in Deutschland gibt es zwischen 800 und 1.000 Steinböcke, die auf fünf verschiedene Populationen aufgeteilt sind.

Perfekte Bedingungen für Steinböcke gibt es in den Bayerischen Alpen nur selten, schließlich sind die geschickten Kletterer meist in hochalpinen Lagen unterwegs. Die heutigen Populationen sind daher oft eher untypisch für den Steinbock und fast ausnahmslos auf Wiederansiedelungen zurückzuführen.

Hier sind die Bayerischen Steinböcke zu finden

Nationalpark Berchtesgaden – Zwischen Watzmann und Hagengebirge

Steinbock-Geiß mit ihrem Kitz © Gipfelfieber
Steinbock-Geiß mit ihrem Kitz © Gipfelfieber

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden auf Betreiben des passionierten Jägers Hermann Göring vier Steinböcke aus der Schweiz in ein Gehege nahe der Wasseralm gebracht, wo sich die Tiere allerdings nicht wie gewünscht vermehrten. Nachdem die Tiere aber in die Freiheit entlassen wurden, siedelten sie sich im heutigen Nationalpark Berchtesgaden an, vermischten sich mit den wiederangesiedelten Tiere auf der österreichischen Seite im Salzburger Land. Heute ist die Population etwa 150 Tiere stark. Mehrere Rudel sind vor allem rund um den Schneibstein und den Funtenseetauern anzutreffen, aber auch auf der anderen Seite des Königssees am Watzmann sind regelmäßig Steinböcke anzutreffen.

Brünnstein

Auch am nur 1.639 m hohen Brünnstein im Mangfallgebirge südlich von Rosenheim gibt es eine kleine, aber recht stabile Population von Steinböcken. Die stammen von fünf Tieren ab, die 1963 von Ernst Wilhelm Sachs aus dem Wildpark Peter und Paul geholt und in seinem Jagdrevier ausgesetzt worden.

Am felsigen Gipfel des Brünnsteins haben die Steinböcke eine wahre Freude, doch sind sie hier vergleichsweise selten anzutreffen, zu groß ist der Trubel am beliebten Gipfelziel. Besser stehen die Chancen am Ostgipfel und in Richtung Rotwandlspitze und Brünnsteinschanze. Dazu verstecken sich die Tiere oft in den schattigen Nordwänden, wo sie vor den Wanderern und Bergsteigern verborgen bleiben.

Alles zur Tour über den Dr. Julius Mayr-Weg auf den Brünnstein.

Benediktenwand

Ein einzelner Steinbock ließ sich ab dem Sommer 1959 an den steilen Wänden der Benediktenwand bei Bad Tölz nieder, der wahrscheinlich aus dem nahen Karwendel eingewandert ist. Wenige Jahre später wurden vier weitere Tiere aus der Schweiz angesiedelt und in den kommenden dreißig Jahren wuchs die Population rund um einen der bekanntesten Münchener Hausberge auf über 120 Tiere.

Seit Jahren geht die Zahl der  an der Benediktenwand überhaupt nicht scheuen, beinahe zutraulichen Tiere aber bedenklich zurück. Um ein weiteren Rückgang der Population infolge von Inzucht zu vermeiden, gibt es Überlegungen, erneut Steinböcke aus der Schweiz an der Benediktenwand anzusiedeln.

Alles zur Tour auf die Benediktenwand gibt`s hier.

Ammergauer Alpen

Am schwierigsten ist es, die Steinböcke in den westlichen Ammergauer Alpen zu entdecken. Hier sind es oft nur wenige Exemplare (bis zehn Tiere), die sich zwischen Säuling, Hohem Straußberg, Brandnerschrofen und Hochplatte herumtreiben. Die Steinböcke gehören zu den Rudeln aus dem nahen Oberallgäu und dem Lechtal, die meist nur in den Sommermonaten herüber wandern und sich in den Ammergauer Alpen niederlassen.

Oberallgäu

Die besten Chancen in den Bayerischen Alpen auf Steinböcke zu treffen, gibt es rund um Oberstdorf im Oberallgäu. Über 400 Tiere leben hier, die auf Ansiedelungsprojekte in den 1960er und 1970er Jahren im Oberallgäu, sowie im benachbarten Kleinwalsertal und Lechtal zurückzuführen sind. Auch hier sind die Tiere überhaupt nicht scheu. Rund um die Rappenseehütte und am Heilbronner Weg trifft man häufig auf die stolzen Tiere mit ihren beeindruckenden Hörnern.

Noch mehr Steinbock-Touren

Bereits im Frühjahr 2016 erschien das Buch “Wanderungen zu den Steinböcken” von Andreas Wiesinger, in dem 28 Touren vorstellt, die eine große Chance auf Steinböcke bieten. Dabei beschränkt sich Andreas Wiesinger aber nicht auf die Steinböcke in den Bayerischen Alpen, sondern nimmt die Leser mit ins benachbarte Österreich bis nach Südtirol.

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