Spektakulär und abenteuerlich: Über den Dr.-Julius-Mayr-Weg auf den Brünnstein

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Der Aufstieg auf den Brünnstein über den Dr.-Julius-Mayr-Weg ist äußerst abwechslungsreich. Mit etwas Glück gibt der König der Alpen eine Audienz.

Spektakulär und abenteuerlich: Über den Julius-Mayr-Weg auf den Brünnstein © Gipfelfieber
Spektakulär und abenteuerlich: Über den Julius-Mayr-Weg auf den Brünnstein © Gipfelfieber

Der Brünnstein ist sicher kein Unbekannter unter den Gipfeln der Bayerischen Voralpen. Gleich mehrere Sachen sind es, mit denen er besonders heraussticht und die den Weg auf ihn sehr lohnenswert machen.

Die Höhe des Brünnstein-Gipfels ist es nicht. Mit seinen 1.634 m Höhe (der Ostgipfel, der in der Regel das Ziel der Wanderer und Bergsteiger ist, misst sogar nur 1.619 m) gehört er selbst im Voralpenraum nicht zu den Überfliegern.

Dafür ist der Aufstieg über den Dr.-Julius-Mayr-Weg allerdings ein wahres Spektakel mit beeindruckenden Tiefblicken in steile Felswände. Felswände in denen seit bald 60 Jahren Steinböcke zu Hause sind.



Die Steinböcke vom Brünnstein

Ein prächtiger Steinbock posiert für die Kamera © Gipfelfieber.com
Steinbock an der Benediktenwand © Gipfelfieber.com

Die zu entdecken, ist allerdings sehr sehr schwer. Denn in den zerklüfteten Felsen sind sie zum einen alles andere als leicht auszumachen. Zum anderen sind die Exemplare am Brünnstein deutlich zurückhaltender als die an der Benediktenwand oder im Nationalpark Berchtesgaden.

1963 ließ Ernst Wilhelm Sachs in seinem Jagdrevier am Brünnstein fünf Tiere aus dem St. Gallener Wildpark in der Schweiz aussetzen. Heute hat sich der Bestand zwischen 20 und 30 Tieren eingependelt. Die besten Chancen, sie zu entdecken, hat man in den frühen Morgenstunden, bevor Wanderer und Bergsteiger den beliebten Gipfel stürmen. An warmen Tagen verkrümeln sich die Steinböcke vom Brünnstein oft in die steilen Nordflanken, wo sie sich neugierigen Blicken gut entziehen können. Auch in den ruhigeren Gebieten in Richtung Großer Traithen rund um Brünnsteinschanze und Rotwandlspitz stehen die Chancen, den König der Alpen anzutreffen, wohl deutlich besser als direkt am felsigen Gipfelaufbau des Brünnsteins.

Vom Tatzelwurm zum Brünnsteinhaus

Der Tatzelwurm ist dagegen ein Tier, dem man nur ungern von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen möchte. Der kleinere Verwandte des Drachens soll in den Bergen rund um Oberaudorf sein Unwesen treiben. Unweit des Wasserfalls, wo sich der Tatzelwurm der Legende nach versteckt, startet die Tour auf den Brünnstein, direkt vom Wanderparkplatz an der gleichnamigen Tatzelwurmstraße.

Den Beschilderungen in Richtung Brünnsteinhaus folgend geht es zunächst im Wald bergan, der sich nach gut zwanzig Minuten etwas lüftet, um kurz darauf wieder im Wald zu verschwinden.

In einer Kurve zweigt der nun schmalere Steig ab, der im dichten Wald schnell um einiges steiler wird. Es geht vorbei an einer kleinen Felswand samt Wasserfallrinnsal und einer ersten speckigen Felsstufe, die mit Hilfe eines Stahlseils einfach überklettert wird.

Kurz wird der Blick zum Inntal, hinüber in den Kaiserwinkl und ins Herz der Chiemgauer Alpen frei. Der Steig windet sich im immer lichterer werdenden Wald um die Ostseite des Brünnsteins und eine etwas luftigere Querung über einen Steg macht einen Vorgeschmack auf das, was da noch kommt.

Wenig später ist das Brünnsteinhaus erreicht, aber bevor es sich auf der Terrasse bei einem kühlen Bier bequem gemacht wird, gilt es, dem Gipfel über den Dr.-Julius-Mayr-Weg einen Besuch abzustatten.

Dr.-Julius-Mayr-Weg auf den Brünnstein

Julius Mayr (1855 – 1935) war nicht nur Arzt, sondern auch Autor und vor allem Bergsteiger, nicht zuletzt sogar “Vater des Brünnsteinhauses”. In den Bergen rund um Rosenheim und das Inntal fühlte er sich heimisch. Als Leiter der Rosenheimer DAV-Sektion war er maßgeblich am Erschließen von Wegen und Steigen beteiligt. Schon zu seinen Lebzeiten wurde 1898 der spektakuläre Weg über den Ostrücken auf den Brünnstein, der noch heute seinen Namen trägt, angelegt.

Bereits kurz nach dem Verlassen des Brünnsteinhauses steilt der Aufstieg über den Dr.-Julius-Mayr-Weg ordentlich an und schon bald warten die ersten Stahlseil versicherten Passagen, die nach und nach in deutlich felsigeres Terrain führen.

Bald schon wartet das spektakulärste Stück, bei dem es durch einen schmalen Felsspalt geht. An dessen Ende führen Leitern über mehrere Steilstufen und fortan gibt es mehrere ausgesetzte Stellen, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verlangen. Der offiziell als Klettersteig geführte Dr.-Julius-Mayr-Weg geht dabei aber nie über die Schwierigkeit A hinaus. Zu jeder Zeit gibt es ausreichend Tritte, Griffe oder ein Stahlseil.

Nach knapp 30 bis 40 Minuten schweißtreibendem Aufstieg (besonders im Sommer brennt die Sonne in den Dr.-Julius-Mayr-Weg) ist der Ostgipfel des Brünnsteins mit seiner kleinen Kapelle und dem etwas versetzten Gipfelkreuz (1.619 m) erreicht. Der höchste Punkt (Peterskopf, 1.634 m) liegt ein gutes Stück weiter westlich. Der Weg dorthin führt aber anspruchsvoll am ausgesetzten Grat entlang.

Abstiegsalternativen

Für den Abstieg vom Brünnstein zurück zum Parkplatz an der Tatzelwurmstraße bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Direkt zwischen der Kapelle und dem Gipfelkreuz geht es auf der Südseite des Brünnsteins nach unten und schon bald heißt es, sich zwischen mehreren Alternativen zu entscheiden. Die eine führt über das Brünnsteinhaus und zurück auf den Aufstiegsweg. Die andere Variante wendet sich nach Westen, umrundet Rotwandlspitz und Brünnsteinschanze und auf der Nordseite trifft der Weg erst ein gutes Stück weiter unten auf den Aufstiegsweg, auf dem es zum Ausgangspunkt zurück geht.

Fazit

Der Brünnstein ist gerade mit dem Aufstieg über den Dr.-Julius-Mayr-Weg ein Highlight der Bayerischen Voralpen. Erst recht, wer das seltene Glück hat, einen der dort beheimateten Steinböcke anzutreffen.

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