Auf dem Schmugglerweg durch die Klobensteinschlucht: Mythen, Brücken und Geschichte

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Knapp zwei Stunden dauert die einfache Wanderung über den Schmugglerweg von Kössen nach Schleching durch die Klobensteinschlucht. Zwei Stunden mit spannenden Tiefblicken und luftigen Hängebrücken, garniert mit Mythen und Geschichte.

Alte und neue Hängebrücke © Gipfelfieber
Alte und neue Hängebrücke © Gipfelfieber

Ein gespaltener Felsklotz, Zucker und Kaffee in jeder Hosentasche und eine explosive Sprengung. Die Wanderung auf dem 2021 neu eröffneten Schmugglerweg durch und über die Klobensteinschlucht zwischen Schleching auf deutscher und Kössen auf österreichischer Seite steckt voller Entdeckungen. Wir begeben uns auf Entdeckungstour und wandern knapp 6,5 Kilometer über den Schmugglerweg zum Klobenstein und weiter ins Bergsteigerdorf Schleching.

Interreg-Projekt Schmugglerweg

Wo heute in Europa offene Grenzen zur Normalität gehören, so war das vor nicht allzu langer Zeit eben nicht der Fall. Gerade zwischen den Grenzorten auf Tirolerischer und Bayerischer Seite herrschte trotz heruntergelassenen Schlagbäumen an den Grenzen immer ein reger Austausch. So wurde nach dem Krieg beinahe alles geschmuggelt, was nicht niet- und nagelfest war. Geschichten von Kindern, deren Hosen mit Zucker, Zigaretten und Kaffee vollgestopft wurden, werden in den grenznahen Orten immer noch gern erzählt. In allen Tälern, durch die die Grenze lief, gab es grüne Pfade, die vornehmlich zum Schmuggeln von begehrten Waren genutzt wurden.

So auch der Schmugglerweg zwischen Kössen und Schleching. Im Rahmen eines Interreg-Projekts wurde der Themenwanderweg errichtet und ausgebaut. Nicht nur das Thema Schmuggel spielt dabei eine Rolle, sondern es wartet ein breiter Blick in die Vergangenheit der Klobensteinschlucht, der bis zur letzten Eiszeit reicht.



Von Kössen in die Klobensteinschlucht

Denn dort, wo wir auf dem Schmugglerweg in Richtung der Klobensteinschlucht starten, war früher ein Gletscher, der sich bis weit hinein ins Chiemgau erstreckte. Langsam zog er sich immer weiter zurück und ließ auf Bayerischer Seite nicht nur den Chiemsee zurück, sondern formte mit seinen Eismassen tiefe Schluchten.

Parallel zur Tiroler Ache, die knapp 50 Kilometer südlich am Pass Thurn entspringt, wandern wir auf einem breiten Weg bis zur Teufelsstiege, einer neu errichteten Treppe, die uns auf den eigentlichen Schmugglerweg bringt. Im schattigen Wald wandern wir hoch über dem Fluss immer tiefer in das sich mehr und mehr verengende Tal hinein. Wir passieren mehrere neu angelegte Rastplätze und erreichen bald die erste ebenfalls neu errichtete Plattform, die über der Schlucht errichtet wurde.

Besonders interessant für Geologen: Hier lassen sich die Kössener Schichten sehr gut betrachten. Die markanten Gesteinsschichten sind Zeuge der erdgeschichtlichen Entwicklung, die als besonders reich an Fossilien gelten.

Über der Klobensteinschlucht

Unser Weiterweg führt uns vorbei an der Holzdrift und zur zweiten Plattform. In über 50 Metern Höhe ragt die über die Schlucht und der Blick nach unten zur alten Hängebrücke ist irgendetwas zwischen beeindruckend und furchteinflößend zugleich. Während unter uns vollbesetzte Schlauchboote und Kajaks am Strand unterhalb des Klobensteins und der Kapelle anlanden, müssen wir erst über zahlreiche Kehren nach unten.

Über die Hängebrücke zum Klobenstein

Die “alte” Hängebrücke wurde zwar erst nach dem verhängnisvollen Hochwasser von 2013 neu errichtet, doch auch vorher war hier schon eine Hängebrücke, die uns nun auf die andere Seite bringt. Auf der angekommen, steigen wir ein paar Meter auf, erreichen das Gasthaus Klobenstein, den zweigeteilten Felsblock mit der kleinen Kapelle und der stattlichen Wallfahrtskirche. Vor dem Weiterweg lohnt sich ein Blick hinein, denn dort ist auch die Sage vom Klobenstein niedergeschrieben.

Die Sage vom Klobenstein

Vor hunderten Jahren war eine Frau allein zwischen Kössen und Schleching unterwegs als plötzlich ein Gewitter heraufzog. Ein Blitz schlug in die Berge oberhalb der Klobensteinschlucht ein und es löste sich ein riesiger Felsblock, der ins Tal und genau auf die Frau zu stürzte. Starr geworden vor Angst blickte die Frau schon ihrem Ende entgegen und murmelte noch ein Gebet an die Jungfrau Maria. Daraufhin spaltete sich der Stein direkt über der Frau und so steht der gespaltene Klobenstein noch heute an Ort und Stelle. Zum Dank dafür wurde an der Stelle eine Kapelle und später die Wallfahrtskirche errichtet.

Eine Reise in die Vergangenheit

Unterhalb des Gasthauses wandern wir nun weiter in Richtung der neuen Hängebrücke, die seit 2020 weitaus höher als die “alte” eine Engstelle überspannt. Die Engstelle – Entenlochklamm genannt – wurde schon zu Zeiten als in der Region noch aktiv geschmuggelt wurde, genutzt, um die Tiroler Ache in luftiger Höhe auf Baumstämmen zu überqueren.

Heute kaum noch vorstellbar: Die an der Stelle nur knapp 12 Meter breite Schlucht wurde in den Jahren 1906 und 1907 frei gesprengt. Vorher betrug die Breite der Entenlochklamm an der schmalsten Stelle nur 3,40 Meter. Das hatte zur Folge, dass sich Baumstämme nach Unwettern hier verkeilten, was wiederum für zahlreiche Hochwasser im Kössener Talbecken sorgte. Ein altes Bild ist noch Zeuge dieser Erweiterung.

Bevor wir die neue Hängebrücke erreichen, passieren wir zwei Gletschermühlen, die im Zuge des Schmugglerweg-Projekts freigelegt wurden. Auf der anderen Seite der Brücke befindet sich eine weitere Gletschermühle. Gletschermühlen entstehen durch Schmelzwasser, das durch Gletscherspalten nach unten abfließt und sich schließlich spiralförmig durch das Eis frisst. Dabei können Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreicht werden. Trifft das Schmelzwasser nun auf das darunter liegende Gestein formen die mitgeführten Sedimentpartikel über tausende von Jahren die charakteristischen Gletschermühlen.

In 28 Metern Höhe überqueren wir nun die Entenlochklamm über die neue Hängebrücke. Der gigantische Tiefblick sorgt für staunende Gesichter.

Weiterweg nach Schleching oder Kössen

Der Weiterweg führt oberhalb der Klobensteinschlucht vorbei an einem Wasserfall bis ins Bergsteigerdorf Schleching auf deutscher Seite und von dort mit dem Bus zurück nach Kössen. Auch vom Nachbarort Ettenhausen ist die Rückfahrt mit dem Bus möglich.

Alternativ erfolgt der Rückweg auf der Westseite der Klobensteinschlucht am Fuß der Rudersburg zur Plattform oberhalb der alten Hängebrücke und weiter gen Kössen. Wer auf den Abstecher zur ersten Plattform verzichtet, passiert bald noch eine natürliche Kneippanlage zum Beinevertreten. Auf bekanntem Weg geht es schließlich zurück nach Kössen.

Fazit

Der Schmugglerweg durch die Klobensteinschlucht ist gespickt mit etlichen Highlights und prädestiniert für eine kurzweilige Wanderung, vor allem für Familien.

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