Zu den Jöriseen: Die vielleicht schönste Wanderung der Schweiz?

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Unweit von Davos führt die Wanderung zu den Jöriseen tief hinein in die spektakuläre Bergwelt der Silvretta. Die türkis leuchtenden Seen sind dabei aber nur ein Highlight auf dieser vielleicht schönsten Wanderung der Schweiz.

Zu den Jöriseen: Die vielleicht schönste Wanderung der Schweiz? © Gipfelfieber

Zu den Jöriseen: Die vielleicht schönste Wanderung der Schweiz? © Gipfelfieber

Eine letzte Kuppe und plötzlich sind sie im Blick. Im noch frühen Morgenlicht liegen sie still da, reflektieren die wärmenden Sonnenstrahlen der Oktobersonne und leuchten in einem satten Türkis. Die Jöriseen. Im Norden das 3085 Meter hohe Flüela Wisshorn mit seinem schwindenden Gletscher. Ein Anblick, der verführt, wenn nicht sogar verzaubert.

Nachdem wir bereits im Winter auf der beißend kalten Pischa zum Schneeschuhwandern waren, hat es uns im Sommer wieder in die Bergkette in einem der vielen Davoser Seitentäler getrieben. Während der Flüelaberg rund um das Pischahorn gut erschlossen ist, so sind die Wanderer und Bergsteiger im hinteren Teil des Tals an der Flüelapassstraße vor allem in der Nebensaison weitestgehend unter sich.



Mit dem Postauto auf den Flüelapass

Auf knapp 1550 m gelegen, ist Davos im Schweizer Kanton Graubünden schon für sich ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen und Touren, die tief hinein in die alpine Bergwelt führen. Mit dem Postauto sind die Startpunkte aber noch flexibler und so lassen wir uns bequem zur Haltestelle Wägerhus an der Flüelapassstraße kutschieren und starten die Wanderung zu den Jöriseen auf knapp 2200 m Höhe.

Aufstieg zum Jöriflüelafurgga

Während wir Hütte und Passstraße bald hinter uns lassen, steigen wir auf dem nie verfehlbaren Pfad gemächlich an. Die Sonne schafft es noch nicht über den vor uns liegenden Bergrücken, taucht die Gipfel im Rücken aber bereits in ein sanftes Morgenlicht. Noch leicht verträumt vom frühen Aufstehen halten wir uns bei der ersten Gabelung links und folgen dem Steig in Richtung der Jöriflüelafurgga, der markanten Einkerbung unterhalb des Jöri- und Gorihorns.

Je näher wir dem Sattel kommen, umso fordernder wird es, wobei von Schwierigkeiten kaum gesprochen werden kann. Eine langgezogene Kurve überwindet geschickt den steilen Direktanstieg und unmittelbar öffnet sich der Blick hinab zu den idyllischen Jöriseen und tief hinein in die Silvretta. Ein Anblick, bei dem sich wunderbar pausieren lässt, auch wenn der Wind im Rücken garstig peitscht.

Abstecher zum Jörihorn

Während die meisten Wanderer direkt weiter zu den Jöriseen absteigen, bietet sich allen Gipfelsammlern noch der kurze Aufstieg zum Jörihorn an. Über den breiten Grat führen mal deutliche, mal weniger deutliche Spuren auf den noch knapp 120 Meter höheren Gipfel. Nur im letzten Teil wird es etwas steiler und ausgesetzter. Direkt am Gipfel des 2845 m hohen Jörihorns folgt eine ganz kurze schmalere und ausgesetztere Passage. Vom Gipfel folgt der Grat weiter zu einem markanten Knubbel und zum 2987 m hohen Gorihorn. Am Horizont ragen hinter den Seen die schroffen Gipfel der Silvretta rund um den Piz Buin auf.

Die Idylle der Jöriseen

Vom Jörihorn geht es auf gleichem Wege zurück in den Sattel und anschließend steil bergab zu den Jöriseen. Ein kurzes Teilstück ist etwas ausgesetzter und mit einem Seil versichert. Der anschließende Abstieg zu den Seen birgt keine weiteren Problemstellen. Das Ufer lädt zu einer Pause in der mittlerweile kräftigen Herbstsonne ein.

Die unterschiedlichen Farben der Jöriseen rühren im Übrigen von den vom Gletscher abgeschliffenen Gesteinen. Das abfließende Gletscherwasser speist den größten der drei Seen, der sich so in einem milchig türkisen Gewand kleidet, während die anderen Jöriseen glasklar sind.

Abstieg zum Berghaus Vereina

Während die Rundtour über die Winterlücke zurück zum Wagerhus führt, wo wir am Morgen gestartet sind, bietet sich auch der Aufstieg zum Jöriflesspass und der Abstieg nach Susch an.

Wir entscheiden uns für den langen Abstieg zum Berghaus Vereina. Kurze steilere Passagen führen zu flachen Abschnitten, stets begleitet von rauschend in die Tiefe stürzenden Wasserfällen und Bergbächen. In kleinen Seen spiegeln sich die bereits schneebedeckten Kuppen der umliegenden Gipfel in beinahe einzigartiger Perfektion.

Schon bald ist das Berghaus Vereina zu sehen, aber der Weg dorthin zieht sich. Nicht zuletzt die üppiger werdende Vegetation und die berauschenden Fotomotive sind Schuld daran. Nach etlichen Stops ist die Hütte erreicht, Rösti und ein kühles Bier sorgen für eine willkommene Stärkung. Der Ausblick von der Terrasse schließt sich den vielen vorherigen Highlights nahtlos an.

Abstieg nach Klosters

Vom Berghaus Vereina führt der Abstieg durch das gleichnamige Vereinatal über eine Forststraße stetig und steil abwärts. Die abfallenden Felswände und beängstigenden Tiefblicke in die Schluchten zu beiden Seiten können auch im Busshuttle genossen werden, das den langen Rückweg zum Bahnhof in Klosters doch bequemer gestaltet und erheblich abkürzt. Von Klosters geht es mit der Rhätischen Bahn über die spektakuläre Bahnstrecke zurück nach Davos.

Fazit

Eine traumhafte Wanderung, die keine Wünsche offen lässt, führt vom Flüelapass an den Jöriseen vorbei zum Berghaus Vereina. In einer grandiosen Kulisse eingebettet, erstrahlen die Seen in satten Farben. Gipfelaspiranten sammeln das Jörihorn noch mit ein, dessen Besteigung etwas anspruchsvoller als der übrige, in weiten Teilen einfache Weg ist. Insgesamt eine der schönsten Wanderungen, die man in der Schweiz überhaupt machen kann.

Letzte Änderung: 9. Oktober 2017

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