Wanderung auf den Zettenkaiserkopf: Wilde Wegsuche im Wilden Kaiser

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Der Zettenkaiserkopf ist der westlichste Gipfel im Wilden Kaiser und seine Besteigung entpuppt sich zwischendrin als äußerst knifflig und abenteuerlich zugleich. 

Zettenkaiserkopf: Wilde Wege im Wilden Kaiser © Gipfelfieber
Zettenkaiserkopf: Wilde Wege im Wilden Kaiser © Gipfelfieber

Von weitem gesehen, fällt der Zettenkaiserkopf erst gar nicht richtig auf. Eher wie eine dem wilden Grat des Wilden Kaisers vorgelagerte Kuppe wirkt er von Kufstein aus gesehen. Beim Näherkommen, gerade von der Südseite, ändert sich das nur wenig, denn irgendwie scheint er nicht so recht dazu zu gehören. Schließlich ist diese Seite des Kaisergebirges geprägt von den markanten Felszacken, die zwischen Scheffauer und Hackenköpfen bis zum Lärchegg in die Höhe ragen. Der schmale Grat zwischen den Törlspitzen, die zahllosen Gipfel, die den Felskletterern vorbehalten bleiben und nicht zuletzt der riesige Einschnitt zwischen Ellmauer Halt und Hinterer Karlspitze – das Ellmauer Tor. 

Und doch ist die Besteigung des Zettenkaiserkopfs alles andere als einfach. In den gängigen Karten ist kein Weg verzeichnet, aber es gibt ihn, wenn gleich der nicht nur ein gutes Wegfindungsgespür benötigt, sondern auch einen trittsicheren Bergsteiger, der sich problemlos im weglosen Gelände bewegen kann.

Die Tour auf den Zettenkaiserkopf ist auch Teil meines Buchs “Vergessene Steige – Bayerische Alpen”, welches im Sommer 2020 im Bruckmann Verlag erschienen ist.



Vom Hintersteiner See zur Walleralm

Walleralm © Gipfelfieber
Walleralm © Gipfelfieber

Umso einfacher ist dafür der erste Teil der Tour. Ausgangspunkt ist der Hintersteiner See oberhalb von Scheffau am Wilden Kaiser unweit der Rehbachklamm. Bereits am Seestüberl direkt zu Beginn des Sees gibt es einen Parkplatz. Ein weiterer Parkplatz versteckt sich geradezu am anderen Ende des Sees hinter beziehungsweise oberhalb der Jausenstation Maier. Zwischen Mitte Mai und Mitte Oktober verkehrt in regelmäßigen Abständen auch ein Wanderbus zwischen Scheffau und dem Hintersteiner See. 

Wer Ruhe und Einsamkeit sucht, ist auf dem Weg zur Stöffl- und zur Walleralm fehl am Platz. Selbst unter der Woche herrscht auf der einfach zu gehenden Forststraße, die in den ersten Kehren noch etwas steiler ist, später aber deutlich abflacht, rege Betriebsamkeit, die sich aber gut verläuft. Nach einem kurzen Stück abwärts macht der Aufstieg am Fuß der Hölzentalalm einen scharfen Knick nach links und führt schließlich wieder steiler werdend bald aus dem Wald und über die Almfläche bis zur Stöfflhütte und zur Walleralm (etwa 1 Stunde).

Weiter geht es auf dem Wilden Kaiser Steig, der oberhalb der Alm nun in südlicher Richtung um den Wilden Kaiser herum führt, während der Weg nach Osten Wanderer in einer knappen Stunde zur Kaindlhütte bringt. 

Versteckter Einstieg

Der nächste Wegweiser auf dem südlichen Steig ist schon Sicht als der Trubel der Almen und des beliebten Wanderwegs auf einen Schlag zurück gelassen werden. Der Einstieg ist allerdings sehr gut versteckt und befindet sich in einer Schneise, die etwa 30 Meter oberhalb des Weges linker Hand gleich nach der Kurve beginnt. Bei der Schneise muss man mittlerweile allerdings schon genauer hinschauen, um diese noch ausmachen zu können, sie lässt sich aber doch erahnen. Sind die ersten Bäume erreicht, lassen sich leichte Pfadspuren ausmachen, die kurz darauf zu einem kleinen Brunnen führen.

Hinter dem gehen die Pfadspuren tiefer in den Wald hinein und auch eine rote Markierung lässt sich finden. Kurz darauf geht es steil rechts hinauf. Wieder ein roter Farbtupfer zeugt davon, dass der Weg gefunden ist. Was nichts heißen mag…

Durch eine Rinne

Im Anschluss wird es nun aber ein Stück einfacher, denn der Pfadverlauf folgt grob einer Rinne, die mal steiler und mal weniger steil ist. Großartige Schwierigkeiten gibt es hier nicht. Im späteren Verlauf flacht der Anstieg sogar ein wenig ab und immer wieder lassen sich stark verblasste Punkte entdecken. 

Regelmäßig ist der Pfad aber auch unter dichtem Gestrüpp verborgen, teilweise muss die Rinne wegen wuchernder Latschenkiefern oder Schneebruch verlassen werden. Das macht den Aufstieg in der ersten Hälfte zwischen Walleralm und Gipfel des Zettenkaiserkopfs sehr mühsam und anstrengend. 

Ein Seil im Wald

Wenn sich der Bewuchs in der Rinne etwas lichtet, wird es einfacher den Steigspuren zu folgen. Die verlassen die Rinne schließlich nach rechts und über schmale Tritte auf weichem Waldboden ist bald ein lose baumelndes Seil erreicht, mit dessen Hilfe eine kleine Steilstufe über Fels und Wurzelwerk überwunden wird. 

Zwar bleibt es im Anschluss sehr steil, die schleppende Wegsuche ist aber beendet. Zumindest fast. Es geht nun durch den Wald weiter aufwärts und schließlich führt der Pfad vom Westrücken des Zettenkaiserkopfs auf die Südseite und plötzlich findet man sich zwischen mannshohen Latschenkiefern wieder. 

Zum Gipfel, der kaum einer ist

Die Gassen zwischen den kleinen Kiefern geben den Weg nun vor, bieten immer wieder aber auch Chancen, sich eben doch zu vertun und plötzlich in einer Sackgasse zu stehen. Bald ist der Fuß eines kurzen und felsdurchsetzten Schrofenanstiegs und nach dessen einfacher Durchsteigung das Gipfelplateau des Zettenkaiserkopfs erreicht (ca. 1,5 bis 2 Stunden ab der Alm).

Der höchste Punkt auf 1.609 Meter Höhe ist allerdings nicht mit einem Gipfelkreuz markiert, sondern mit einem stattlichen Funkmasten und einer dazugehörigen Anlage. Etwas vorgelagert wartet aber wenige Meter weiter unten auch das 2012 errichtete Gipfelkreuz, von dem man einen herrlichen Tiefblick zum türkisgrün funkelnden Hintersteiner See hat, während man weiter hinten bis weit hinein ins Inntal blicken kann. 

Alternativer Aufstieg

Neben dem mehr oder weniger direkten Aufstiegsweg von der Walleralm über den Westrücken gibt es noch einen zweiten Anstieg zum Gipfel des Zettenkaiserkopfs. Der führt von der Walleralm zunächst auf dem Wilden Kaiser Steig in Richtung Norden/Osten und Kaindlhütte, verlässt den Weg nach knapp 15 Minuten in einer Lichtung aber äußerst unscheinbar nach rechts weg. Immer leicht rechts haltend trifft diese Variante, die zwischenzeitlich ebenfalls nur schwer erkennbar ist, im späteren Verlauf auf den oben beschriebenen Anstiegsweg.

Rückweg

Der Rückweg erfolgt wieder bis zum seilgesicherten Stück und schließlich durch die Rinne (am Ende sehr steil) hinab zur Walleralm und nach einer kurzen Pause über den bekannten Weg zum Hintersteiner See.

Fazit

Eine spannende Tour, die nichts für Bergsteiger ohne Orientierungssinn ist. Fehlt der, macht die Wanderung auf den Zettenkaiserkopf ab und an sicher keinen Spaß und nervt. Ein sehr gut ausgeprägtes Wegfindungsgespür ist nötig, um den Aufstieg zum unbekannten westlichsten Gipfel des Wilden Kaisers zu finden.

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