Der Grinnerkopf im Zahmen Kaiser: Alte Steige mit Einsamkeitsgarantie

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Der Grinnerkopf ist ein relativ unbekannter Gipfel im Zahmen Kaiser, der über einen alten Pfad erklommen wird. Etwas anspruchsvoller, aber dafür umso einsamer.

Letzte Meter am Grat © Gipfelfieber
Der Grinnerkopf im Zahmen Kaiser: Alte Steige mit Einsamkeitsgarantie © Gipfelfieber

Ein Blick in die Kompass-Karte verrät: Den Grinnerkopf scheint es gar nicht zu geben. Anstelle einer Bezeichnung ist auf der Karte westlich von der Pyramidenspitze nur ein namenloses Kreuz eingezeichnet, auf das darüber hinaus auch kein Weg zu gehen scheint. Das muss aber nicht unbedingt etwas heißen.

Denn wo ein imposantes Gipfelkreuz thront, muss auch ein Weg nach oben führen. Und in der Tat: In den Alpenvereinskarten ist ein gepunkteter Steig erkennbar, der sich von Norden auf den 1.870 m hohen Grinnerkopf windet. Der will aber erst einmal gefunden werden.



Start von der Aschingeralm

Die mittelschwere Tour auf den Grinnerkopf startet an der Aschingeralm. Am Fuß der steil abfallenden Nordwände des Zahmen Kaisers, heißt es zunächst den Einstieg zu finden. Der verbirgt sich direkt hinter einem kleinen Starthäuschen am Waldrand an der Piste etwa 100 Höhenmeter oberhalb der Aschingeralm, die im Winter übrigens ein äußerst beliebtes Rodelziel ist.

Im Sommer, wenn die Almwiesen üppig blühen und wachsen, kann es schonmal schwierig sein, den exakten Einstieg zu entdecken. Mit ein wenig Gespür ist der Steig allerdings schnell entdeckt und im Wald auch erst einmal nicht mehr zu verfehlen.

Der zieht im Wald nun ziemlich direkt über den Kamm stets bergauf und kreuzt zweimal die letzten Ausläufer der Forststraße. Alte verblasste Markierungen weisen den Weg, der im lichter werdenden Wald eine sehr steile Stufe überwindet.

Im Zweifel rechts

Im Anschluss entspannt sich der Steig etwas, strebt durch die Latschenzone aber stetig weiter nach oben. Ein alter Trittbügel zeugt davon, dass die Tour auf den Grinnerkopf über diesen Pfad früher deutlich frequentierter war. Einer Rinne und einem blauen Pfeil (!) nach rechts folgend geht es wieder steiler bergan, bevor es heißt, aufzupassen.

Am Fuß einer Felsnase zweigt der eigentliche Steig etwas unscheinbar nach rechts ab. Eine verblasste Markierung und ein Steinmandl weisen den Weg, werden aber schnell übersehen, so dass man sich kurze Zeit später in steilem Gelände mit Felskontakt und Klettereinlagen (bis zum II. Grad, ziemlich ausgesetzt) wieder findet. Nach dem der Verhauer erkannt und der “normale” Steig mühsam wieder erreicht ist, nutzt dieser geschickt eine zerklüftete Lücke in der Nordwand des Grinnerkopfs und stets nah am Fels geht es den Markierungen folgend gen Gipfel, dessen Kreuz bald schon zu sehen ist.

Zum Grinnerkopf-Gipfel

Das prangt allerdings auf einem vorgelagerten Gipfel. Der eigentlich höchste Punkt ist erst später sichtbar. Ein direkter Aufstieg zum Gipfelkreuz im schrofigen Gelände ist möglich, allerdings sehr ausgesetzt. Eine Lücke im Fels verbunden mit einer leichten Klettereinlage führt nun auf die Ostseite vom Grinnerkopf und über nicht mehr ganz so steiles Wiesengelände zum Grat zwischen Kreuz und höchstem Punkt. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz sind nochmal etwas anspruchsvoller und ausgesetzt.

Bei einer willkommenen Pause reicht der Blick weit hinab ins Inntal, hinüber ins Mangfallgebirge mit Sonnwendkamm und Brünnstein, nach Norden in die Chiemgauer Alpen mit Spitzstein und Geigelstein, gen Osten in den Kaiserwinkl mit Walchsee und hinauf zu Jofen- und Pyramidenspitze.

Abstieg durchs Egersgrinn

Auf dem Weg zum Hauptkamm des Zahmen Kaisers lässt sich mit einem kleinen Umweg dem höchsten Punkt des Grinnerkopfs ein Besuch abstatten. Anschließend geht es meist links vom Kamm oft durch dichte Latschengassen bis zum Plateau, wo der normale Wanderweg erreicht wird, der von der Vorderkaiserfeldenhütte über Naunspitze und Petersköpfl zur Pyramidenspitze führt.

Während der unscheinbare Elferkogel links liegen gelassen wird, geht es rechts haltend einfach im leichten Auf und Ab zum Vogelbad, wo der Steig ins Egersgrinn – im Spätwinter eine beliebte Skitour – abzweigt.

“Weg ist ausgelassen”, verlautet ein gelbes Schild, was darauf hinweist, dass der Steig nicht mehr gepflegt oder gewartet wird, doch auch dieser ist in Pünktchen-Form noch in vielen Karten zu sehen. Einer ersten Steilstufe, die unbedingt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert, schließt sich ein langer Abstieg durch das Kar an. Im losen Schutt geht es schnell bergab, während rechter Hand die Westwand vom Grinnerkopf steil aufragt.

Am Ende des Kars gerät die Wegfindung zum Suchspiel. Leicht rechts und bergab haltend ist irgendwann doch eine Forststraße erreicht, die nach knapp 30 Minuten etwas unterhalb der Aschingeralm aus dem Wald tritt und den Ausgangspunkt wieder erreicht.

Fazit

Die Besteigung vom Grinnerkopf ist eine anspruchsvollere Tour, die nur sehr wenig frequentiert ist. Ein alter, aber immer noch erstaunlich gut markierter – mit zwei Ausnahmen – Pfad, führt bis zum 1.870 m hohen Gipfel im Zahmen Kaiser.

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