Irrwege am Zundereck: Am einsamen Rand des Estergebirges

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Südöstlich von Murnau am Staffelsee erhebt sich das Estergebirge. Von Eschenlohe führt das Archtal mitten hinein in die zerklüfteten und steilen Nordwestabbrüche. Dort befinden sich die beiden Gipfel des Zundereck und Zunderkopfs, die selbst bei bestem Wetter offenbar kaum begangen werden.

Tour auf Zundereck und Zunderkopf © Gipfelfieber.com

Tour auf Zundereck und Zunderkopf © Gipfelfieber.com

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich die Tour überhaupt verbloggen soll. Im Gipfelbuch am Zundereck fand ich den Eintrag, dass die Tour “leider im Internet” stehen würde. Gut so, denn so bin ich überhaupt erst auf sie aufmerksam geworden. Aber dann hat mich die Tour auf Grund ihrer Ruhe so begeistert, dass ich mir überlegt habe, ob man aus diesem offensichtlichen Geheimtipp nicht lieber einen Geheimtipp lassen sollte.

Denn ich habe am ganzen Tag nur direkt beim Start und kurz vorm Ende andere Wanderer angetroffen. Und das an einem Sonntag mit allerbestem (fast zu heißem) Wetter. Bei einer Bergkette, die man auf dem Weg von München in Richtung Garmisch als erste höhere Erhebung wahrnimmt. Und das, wo doch in Eschenlohe – dem Ausgangspunkt der Tour –  direkt die Bayrische Oberlandbahn (kurz BOB) hält und an diesem Tag auf Grund eines Selbstmörders (?) einer Person im Gleisbereich nur bis eben dorthin fahren konnte und so die meisten Fahrgäste unversehens dort ausspuckte.

Dass es sich bei der Tour um eine offenbar seltene begangene Route handelt, ist mir schon aufgefallen, als es losging. Der eigentliche Einstieg in die Tour war erst schwierig zu finden. Teilweise ist der Weg später so wenig ausgetreten, dass man die wöchentlichen Begeher wohl an einer Hand abzählen kann. Wegweiser Richtung Zundereck und Zunderkopf waren auch Fehlanzeige. Abgewaschene Markierungen das höchste der Gefühle.

Letztlich bin ich dann aber zu der Entscheidung gekommen, es doch zu verbloggen. Schließlich steht die Tour sowieso schon im Netz. Zudem ist sie trotz der Beschreibung vor Ort nicht ohne und erst recht nicht ohne weiteres zu finden. Und warum soll ich das anderen Wanderern denn vorenthalten? Ich denke nicht, dass meine Leserschaft nun dafür sorgen wird, dass sie die beiden Erhebungen (als mehr kann man sie eigentlich kaum bezeichnen) nun geradezu niedergetrampeln werden.




Start in Eschenlohe

Los geht`s also in Eschenlohe, direkt am Ende der A95 auf dem Weg in Richtung Garmisch-Partenkirchen. In Eschenlohe geht es bis zum ausgeschilderten Sportplatz. Von dort geht es über einen etwas breiteren Forstweg los. Nicht dem Schild in Richtung “Archtal” folgen, auch wenn sich der kurze Abstecher durchaus lohnt, weil er schöne Ausblicke in die Schlucht liefert. Der Weg dadurch ist nach wenigen hundert Metern allerdings zu Ende. Für ein Foto ist es das aber wert.

Folgen tue ich dann wieder dem anfangs breiten Weg. Der endet nun bald und geht in einen Steig über. Und das ist wahrlich ein solcher, denn dieser windet sich steil durch den Wald nach oben. An manchen Stellen ist ihm schwierig zu folgen, aber er lässt sich doch finden. An einer Stelle bereitet mir der Weiterweg dann doch Schwierigkeiten. Links führt der Weg weiter – allerdings leicht abfallend – in Richtung Archtal. Rechts geht er – kaum erkennbar – weiter bergan. Was nun?

Berghoch ist immer richtig

Dass die Tour eben doch im Netz steht, hilft mir hier weiter, denn dort steht, dass immer der ansteigende Weg der richtige Weg ist. Ich füge mich dem und es geht immer bergauf, allerdings bald nicht mehr so steil und südlich an den Gipfeln von Zundereck und Zunderkopf vorbei. Bald stoße ich nun auf eine Rinne – der Weg gewinnt nun kaum noch an Höhe – welche mit ein paar Drahtseilen gesichert ist und nur noch von trittsicheren Gehern begangen werden sollte. Denn spätestens ab hier wird es auch spannend. Kurz darauf wird eine weitere Rinne gekreuzt. Auch hier heißt es Konzentration, denn der Weg ist schmal und von den schweren Regenfällen der letzten Wochen auch stark gezeichnet. Der Untergrund ist teilweise sehr brüchig, so dass Obacht geboten ist.

Da ist der Weg! Oder doch nicht? Hier! Mmmhhh?!

Jetzt wird es knifflig. Vor der dritten Rinne führt schon ein “Weg”, den man von dem gekennzeichneten Steig als solchen eigentlich nicht erkennen kann, schon direkt hoch zum Zundereck. Ich mag es aber spannend. Und die oben schon verlinkte Wegbeschreibung spricht von dem abenteuerlicheren zweiten Weg. Also geht es den lang.

Es folgt eine dritte Rinne, die von allen die ausgesetztesten Stellen aufweist. Kurz danach geht der Weg bergab. Hier soll man selbigen verlassen. Nur wohin? Hier fange ich an, mich zu verlaufen und trotzdem schaffe ich es später, irgendwann wieder auf den beschriebenen Weg zu finden. Keine Ahnung wie. Teilweise schaue ich alle paar Meter erneut auf die Beschreibung und fühle mich irgendwann wieder richtig und merke, dass ich es irgendwann auch wieder bin. Erneut sei auf die exakte Beschreibung und den dazugehörigen GPS-Track verwiesen (den ich natürlich nicht dabei hatte).

Eine Felszacke mit einem Behelfsgipfelkreuz erklimme ich. Ein Blick auf die Karte verrät, dass der gar keinen Namen hat. Nun ist der Weg leicht zu finden. Es geht bergab und in knapp zehn Minuten auf den Zunderkopf mit seinen 1506 Metern Höhe und in weiteren zehn Minuten auf das Zundereck mit seinem Gipfelkreuz und einer Höhe von 1478 Metern. Der Ausblick reicht bis zur Hohen Kisten im Osten, zur Zugspitze im Süden und bis hinein in die Ammergauer Alpen im Westen. Der Simetsberg ist leider hinter dem Estergebirge verschwunden und man sieht ihn erst auf der Heimfahrt wieder.

Der Rückweg

Nach einer kurzen Rast geht es von dort weiter in Richtung Westen, steil bergab. Der Weg ist hier nur schwer erkennbar, rutschig und glitschig, führt aber nach knapp 20 Minuten auf den Weg, den ich vor einer Weile schon gegangen bin. Auf diesem wieder angekommen, finde ich mich kurz danach in der dritten Rinne wieder. Jetzt folge ich dem Weg bergab, durchquere eine weitere Rinne und komme alsbald an einer Blockhütte raus, wo ich mir knapp 15 Minuten Pause gönne, weil der Ausblick von der Hütte einfach atemberaubend ist. Von dort folge ich dem Weg unter der Hütte, der sich nun in Serpentinen steil nach unten windet, vorbei an der atemberaubenden Felsformation der Teufelskapelle.

Immer weiter geht es nach unten bis ich auf den Radweg zwischen Eschenlohe und Oberau komme. Den geht es nun nach rechts in Richtung Eschenlohe weiter, vorbei an den Sieben Quellen, wo ich mir eine erfrischende Abkühlung gönne. Zuletzt biege ich ich vor Eschenlohe noch einmal rechts ab. Es geht – zum letzten Mal – bergan in Richtung Archtal und am Ende komme ich wieder direkt unterhalb des Sportplatzes an.

Abkühlung gefällig?

Bei gutem Wetter empfiehlt sich noch der kurze Abstecher in die angestauten Becken der Archtallaine. Direkt aus einem Rohr im Damm kommt dort ein Wasserstrahl, der zu einer Dusche geradezu förmlich eingeladen hat und dem ich mich natürlich nicht entziehen konnte.

Fazit

Letztlich war die Tour trotz aller Wegfindungsprobleme, vor allem im oberen Teil, wunderbar, auch wenn es nicht sonderlich weit nach oben ging. Vor allem die Ruhe auf der Tour findet man so nur selten. Insgesamt brauche ich am Ende trotzdem knapp 6,5 Stunden, allerdings inklusive längerer Pausen. Eine reine Gehzeit von 5 Stunden ist sicher problemlos realistisch. Empfehlen muss ich sie trotzdem. Und trotzdem wünsche ich mir, dass sie ein Geheimtipp bleibt. Also bitte nicht alle auf einmal Zundereck und Zunderkopf und den namenlosen Gipfel besteigen.


Letzte Änderung: 16. Dezember 2016

3 Antworten zu " Irrwege am Zundereck: Am einsamen Rand des Estergebirges "

  1. […] es mich erst vor zwei Wochen ins Estergebirge auf Zunderkopf und Zundereck verschlagen hatte, sollte es nun wieder dorthin gehen, da mir die wilde Rauheit des Gebirgszuges […]

  2. […] Gipfel, von dem man einen guten Ausblick bis zum Starnberger See im Norden, dem Estergebirge samt Zundereck, Simetsberg und Hohem Fricken, der Zugspitze im Süden, sowie Ochsensitz und Ziegelspitz oberhalb […]

  3. […] Gipfel wartet der beeindruckende Blick in die Tiefen des Archtals mit Zunderkopf und Zundereck. Rechts wartet der Walchensee, dahinter der Jochberg, die Benediktenwand. Auch der Schafreuter ist […]

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