Die Gedererwand: Die kleine Schwester der Kampenwand

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Die Kampenwand über dem Chiemsee ist wohl einer der berühmtesten Berge Deutschlands. Ihre kleine Schwester, die Gedererwand, kennen dagegen nur wenige.

Die Gedererwand: Die kleine Schwester der Kampenwand © Gipfelfieber
Die Gedererwand: Die kleine Schwester der Kampenwand © Gipfelfieber

Fast müsste ich mir die kommenden Zeilen sparen, damit das auch möglichst so bleibt. Denn wer an einem schönen Sommertag nach Aschau im Chiemgau fährt, um einen Ausflug zur Kampenwand und zu Bayerns größtem Gipfelkreuz zu machen, wird bald feststellen, dass er mit dieser Idee nicht allein ist. Schon am Vormittag füllt sich der Parkplatz der Kampenwandbahn bedenklich. Und am letzten schmalen und gar nicht so leichten Anstieg zum berühmten Gipfel staut es sich bald wie an der Zugspitze.

An der Gedererwand ist das anders. Keine Staus, keine Menschenmassen und Ruhe, die nichts vom Tumult am benachbarten Berg vermuten lässt. Mit 1.398 Meter Höhe ist die Gedererwand etwa 230 Meter niedriger als die Kampenwand. Die Silhouette ist der der Nachbarin aber gar nicht so unähnlich und von Norden und Süden fallen die steil abfallenden Felswände ins Auge.



Prinzessinnenzuflucht Hintergschwendt

Die mittelschwere Tour auf die Gedererwand startet in Hintergschwendt, dem kleinen Örtchen, das vor ziemlich genau 100 Jahren Schauplatz eines historischen Dramas wurde. Mit am Ende glücklichem Ausgang. Am Ende des ersten Weltkriegs und von den Entbehrungen der Zeit getrieben, gingen in München im November 1918 tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Monarchie zu demonstrieren. Am 7. November 1918 rief Kurt Eisner, später erster Ministerpräsident, den Freistaat Bayern aus und besiegelt damit das Ende der Herrschaft der Wittelsbacher.

Die vollkommen unvorbereitete Königsfamilie flieht im Trubel der Revolution aus München, wird dabei aber getrennt. Drei der Töchter von Ludwig III. Hildegard, Gundelinde und Wiltrud klopfen so am Abend des 8. November 1918 in bäuerlicher Verkleidung an der Tür des Wirtshauses in Hintergschwendt, um dort für elf Tage Zuflucht zu finden. Erst mit dem Thronverzicht ihres Vaters treffen sie am 19. November 1918 auf Schloss Wildenwart bei Frasdorf ihre Familie wieder.

Etwas weniger dramatisch startet der Weg vom (in der Regel ebenfalls sehr vollen) Parkplatz weg, stets den Wegweisern in Richtung Kampenwand und Steinlingalm folgend. (Vermeintliche) Abkürzungen führen immer wieder über einen schmalen und nassen Pfad stetig bergauf. Der Steig, der sich in der Kehre der Forststraße auftut, passiert eine kleine Kapelle, im Volksmund auch als die Brotzeit-Mare bekannt. Der Weg wird steiniger und beim nächsten Abzweig hält man sich wieder links. Im lichter werdenden Wald geht es nun über Gestein und Wurzelwerk bis zum Roßboden, wo sich die Wege zwischen Kampenwand- und Gedererwandbegehern nun trennen.

Zwölferturm und Gedererwand

Der Steig führt in gerader Linie auf die Gedererwand zu, von der man am Roßboden gar nicht so viel sieht. Ein wenig Aufstieg später ist schon bald der Kamm der Gedererwand erreicht, dessen Verlauf von nun an meist auf der südlichen Seite gefolgt wird. Der eindrucksvolle Zwölferturm ragt nur einen Katzensprung entfernt aus der steil abfallenden Nordseite heraus. Zu Zeiten der Revolution 1918 war es wohl sogar noch möglich, mit einem tollkühnen Sprung, den Gipfel zu erreichen. Da sich der Zwölferturm Jahr für Jahr weiter nach Norden neigt, ist das heute nicht mehr ratsam.

Der Steig verliert nun etwas an Höhe und es folgen zwei Stellen, bei denen leicht geklettert werden muss, was sich aber als wenig tragisch herausstellt. Nach Erreichen einer Mulde geht es über Stock und Stein durch die Latschen bis zum erst spät sichtbaren Gipfelkreuz, wo ein Chiemseeblick wartet, der dem von der Kampenwand in nichts nachsteht. Während sich nebenan ganze Münchener Stadtteile tummeln, geht es am Gipfel der Gedererwand ruhiger zu. Was die Ausflügler mit Blick auf die nahen und fernen Gipfelziele wie Hochplatte und Friedenrath, Hochgern und Hochfelln bis hin zu Zwiesel und Hochstaufen sichtlich genießen.

Abstieg

Zurück nach Hintergschwendt geht es über den Aufstiegsweg. Die alternative Aufstiegsvariante, die von der Schmiedalm über einen ausgelassenen Steig sehr steil am Zwölferturm vorbei zum Roßboden führt, ist für den Weg zurück nicht empfehlenswert.

Fazit

Eine schnelle Tour mit mittleren Schwierigkeiten führt von Hintergschwendt auf die Nachbarin der Kampenwand, die Gedererwand. Beide sind sich äußerlich sogar recht ähnlich, der niedrigere Gipfel ist dafür weitaus weniger frequentiert.

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