Scheibenwand & Bauernwand: Auf vergessenen Steigen zu den stillen Nachbarn

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Turbulent geht es rund um die Kampenwand in den Chiemgauer Alpen zu. Für die beiden Nachbarn Scheibenwand und Bauernwand gilt das keineswegs.

Scheibenwand & Bauernwand: Auf vergessenen Steigen zu den stillen Nachbarn © Gipfelfieber
Scheibenwand & Bauernwand: Auf vergessenen Steigen zu den stillen Nachbarn © Gipfelfieber

Sagenhafte 12 Meter ragt das Gipfelkreuz der Kampenwand in die Höhe. Fünf Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs wurde es auf dem Ostgipfel der berühmtesten Felsformation der Chiemgauer Alpen als Mahnung und Erinnerung an die Opfer der beiden Weltkriege aufgestellt. Dort musste das insgesamt 54 Zentner schwere Werk des Höslwanger Schmieds Josef Hell aber erst einmal hin gebracht werden.

Vom Bahnhof in Aschau erfolgte der Transport mit Maultieren und etlichen Helfern über den Reitweg bis an den Fuß der Kampenwand über die Steinlingalm und schließlich per Seilwinde und viel Schweiß hinauf zum Gipfel, wo das neue Kreuz zusammengeschweißt, aufgestellt und schließlich geweiht wurde.

Das Kreuz auf der Bauernwand, einem stillen benachbarten Gipfel der Kampenwand ist so etwas wie der Gegenentwurf des größten Gipfelkreuzes der Bayerischen Alpen. Am Gipfel der Bauernwand angekommen, müssen wir es beinahe suchen, so klein ist es. Und doch steht es in der Schmiedekunst dem gewaltigen Nachbarn in nichts nach und formschön schmiegt es sich in diesen äußerst ruhigen Teil der Berge über dem Priental und dem Chiemsee.

Das Gipfelkreuz der Scheibenwand – unserem ersten Gipfelziel – kann weder bei Größe noch Eleganz mithalten. Dafür hat die Scheibenwand ihren ganz eigenen Reiz, schließlich erscheint die Kampenwand zum Greifen nah und doch fühlen wir uns meilenweit weg vom Trubel, der dort ganzjährig herrscht.

Der Weg des Gipfelkreuzes

Von Aschau aus bieten sich etliche Möglichkeiten in den Sattel zwischen der Kampenwand und der Scheibenwand aufzusteigen, dorthin also, wo auch die Bergstation der Kampenwandbahn ihre unzähligen Mitfahrer bringt. Wir folgen von der Talstation der nostalgischen Seilbahn dem Reitweg und so auch dem Weg des Kampenwand-Gipfelkreuzes den Berg hinauf, passieren die Gorialm und erreichen nach 1,5 bis 2 Stunden Aufstieg die Möslarnalm und die Sonnenalm.

Zu den Betriebszeiten der Kampenwandbahn geht es äußerst geschäftig hier oben zu und im Minutentakt entsteigen mal gut ausgerüstete, mal bestöckelschuhte Bergtouristen den hübschen Gondeln, die aber wohl bald Geschichte sind.

Aufstieg zur Scheibenwand

Direkt hinter der Bergstation lässt sich der Trubel in kürzester Zeit zurücklassen. Pfadspuren führen westlich ansteigend auf dichte Latschen zu, die aber einen Durchschlupf gewähren. Durch dichte Latschengassen und über kurze felsigere Abschnitte steigen wir durch die Nordseite der Scheibenwand auf und freuen uns kurz vor Erreichen des Gipfels über den Wechsel auf die sonnige Südseite, wo es nun einfacher und mit herrlichem Ausblick bis zum Alpenhauptkamm zum etwas schmucklosen Gipfelkreuz der Scheibenwand auf 1.598 m geht (ca. 20 Minuten ab Bergstation).

Übergang zur Bauernwand

Vom Gipfel der Scheibenwand steigen wir einfach in südlicher Richtung in die Scharte ab, die Bauern- und Scheibenwand trennt. Etwas unterhalb des Kamms geht es wieder durch Latschengassen auf deutlichen Pfadspuren und mit kurzem Felskontakt zum Gipfel der Bauernwand (1.580 m). Auf dem nur in wenigen Karten eingezeichneten höchsten Punkt entdecken wir dann das so hübsche Gipfelkreuzchen (ca. 20 Minuten von der Scheibenwand).

Auch hier herrscht eine angenehme Ruhe, wenn die Blicke hinüber zu Zellerhorn und Zellerwand, über das Priental bis zum Spitzstein und weiter zum Brünnstein und ins Inntal schweifen.

Alternative Abstiege und Zustiege

Der direkte Abstieg von der Scharte zwischen Scheibenwand und Bauernwand zurück zur Bergstation der Kampenwandbahn führt in äußerst steiles und felsdurchsetztes Gelände und ist so nicht empfehlenswert.

Alternativ führt der Rückweg von der Bauernwand über den Grat bis zur Sonnwendwand und über die Hofbauernalm, schließlich durch den Klausgraben nach Hainbach, von wo es entweder zu Fuß oder mit dem Bus zurück nach Aschau geht.

Beim Abstieg von der Bauernwand in Richtung Hofbauernalm ist es auch möglich, weglos über das Schönfeld zum Steig, der Hofbauernalm und Kampenwand-Bergstation verbindet, abzusteigen. Hier nun entweder weiter in westlicher Richtung zur Hofbauernalm oder am Fuß von Bauernwand und Scheibenwand im Bogen zurück in den Trubel und auf dem Weg des Gipfelkreuzes zurück zur Talstation der Seilbahn.

Fazit

Während es rund um die Kampenwand hoch her geht, herrscht auf der nahen Scheibenwand und der benachbarten Bauernwand absolute Ruhe und nur ein wenig Gemurmel dringt nach oben. Weitestgehend einfache Wege mit lediglich kurzen Felskontakt führen auf die beiden einsamen Gipfel über Aschau im Chiemgau.

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