Der Niederkaiser-Kamm: Kaiser im Kleinen und doch mit allem

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Der Niederkaiser wird bei seinen großen Nachbarn oft etwas links liegen gelassen und bietet dabei doch fast alles, was Wilder und Zahmer Kaiser auch haben. Und manchmal sogar noch mehr. 

Der Niederkaiser-Kamm: Kaiser im Kleinen und doch mit allem © Gipfelfieber
Der Niederkaiser-Kamm: Kaiser im Kleinen und doch mit allem © Gipfelfieber
Schleierwasserfall im letzten Licht © Gipfelfieber
Schleierwasserfall im letzten Licht © Gipfelfieber

Längst ist die Dämmerung hereingebrochen als ich dem stetigen Rauschen immer näher komme, ein paar letzte Schritte durch den düsterer werdenden Wald absteige, um ihn schließlich vor Augen zu haben. Der Schleierwasserfall beziehungsweise die Wasserfälle stürzen über eine mehr als 60 Meter hohe Felskante in die Tiefe. Ein rauschender, nie enden wollender Strahl ergießt sich am Fuß der beinahe bedrohlichen Maukspitze.

Der Schleierwasserfall ist das Highlight einer an Highlights nicht armen Wanderung über den Gebirgszug des Niederkaisers. Am Fuß des Wilden Kaisers gelegen, wird der von Bergsteigern oft links liegen gelassen. Dabei ist er so etwas wie das Kaisergebirge im Kleinformat. Schroffe Felsen, steil hinabfallende Wände, Kletterpassagen mit Herzklopfcharakter und Ausblicke von Kitzbühel bis zum Watzmann.




Steil, steiler, Maiklsteig

Ausgangspunkt für die Wanderung über den Niederkaiser ist der Wanderparkplatz nahe des Rummlerhofs. Beinahe etwas ungläubig betrachte ich die steil aufragenden Felswände des Niederkaisers. Wo soll sich da ein Durchschlupf hinauf zum Kamm finden lassen?

Mit dem Maiklsteig gibt es einen solchen Durchschlupf, der allerdings hart erarbeitet werden will. Denn der Zustieg ist steil und führt durch immer steiler werdenden Wald bis an den Fels heran. Endlich ist der Einstieg zum Maiklsteig, ein weitestgehend einfacher Klettersteig (Schwierigkeit A/B), der allerdings luftige Aussichten verspricht, zu sehen. Geschickt windet sich der Steig mit Klammern und einem Stahlseil gesichert durch das Kaisergebirge-typische oft brüchige Gestein. Schnell gewinne ich an Höhe und habe doch das Gefühl, eigentlich viel höher sein zu müssen.

Kurze Abschnitte vom Maiklsteig sind nicht versichert, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier willkommene Begleiter. Eine relativ flache Leiter führt wieder in deutlich steileres Gelände, über weitere (ab und an nur bedingt vertrauenserweckende) Leitern ist bald schon die Felsscharte und damit der Ausstieg aus dem Maiklsteig erreicht. Eine kurze, aber spaßige Kletterei, bei der das Klettersteigset durchaus seine Mitnahme rechtfertigt.

Auf dem Niederkaiser-Kamm

In der Scharte gilt es sich zu entscheiden. Links oder rechts? Während die linke Variante über den Gscheuerkopf in Richtung des Schleierwasserfalls führt, wandert der Weg zur Rechten über den östlichen Kamm des Niederkaisers, passiert Gmailkapelle und Lourdesgrotte, leitet schließlich hinab nach Litzfelden und im Bogen zurück zum Rummlerhof.

Ich entscheide mich für beides. Der Aufstieg zum Ursulakreuz (1.245 m) zur Rechten ist schnell geschafft. Er bietet den schönsten Ausblick auf der Wanderung über den Niederkaiser und darf daher nicht fehlen. Zurück an der Scharte folge ich nun dem Kammverlauf, der im Auf und Ab meist im Wald verläuft, am Gscheuerkopf (1.280 m) noch ein paar kurze Drahtseilpassagen bietet.

Weiter zum Schleierwasserfall

Immer wieder erlaubt er grandiose Ausblicke zum Wilden Kaiser, hinter den sich langsam die Sonne zu senken beginnt. Vor Erreichen des Labturkopfs (1.434 m) entfernt sich der Steig nun vom Kammverlauf hinab zur Einödalm. Der breite Forstweg führt hinauf zur Niederalm während die Chiemgauer Alpen und Loferer Steinberge im abendlichen Alpenglühen erstrahlen.

Kurz hinter der Granderalm weisen Schilder nach links zum Schleierwasserfall. Im Schnee verliert sich der Weg allerdings und es gilt, ihn zu suchen. Wenig markant treffe ich ihn aber bald wieder, dieser führt mich um eine Kuppe und in wieder sehr steiles Gelände, das mit Drahtseilen gesichert ist. Am Ende des Leiterls habe ich wieder festen Boden unter den Füßen und nach wenigen Metern ergießt sich der Schleierwasserfall in die Tiefe.

Rückweg zum Rummlerhof

Zurück zum Ausgangspunkt geht es nun im Dunkeln. Der Schein des Vollmondes leuchtet den Forstweg gut aus. Am Moor vorbei durch den düsterer werdenden Wald. Mal rauscht der Rettenbach links, dann wieder rechts. Die letzten Meter führen über den Tiroler Adlerweg zurück zum Rummlerhof.

Fazit

Gerade wenn in den hohen Lagen noch zu viel Schnee liegt, bietet der Niederkaiser beinahe alles, was man auch von seinen höheren Nachbarn kennt. Als Bonus gibt es obendrauf einen Wasserfall, den man in seiner Größe im Wilden und im Zahmen Kaiser vergebens sucht.

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