24 h wandern und wie man das übersteht

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Die 24-h-Watzmann Extrem Tour von Berchtesgaden auf das Hocheck und in großem Bogen zurück. Über 60 Kilometer und über 3000 Höhenmeter. Warum man bei so etwas mitmacht und wie man das übersteht. 

24 h wandern und wie man das übersteht © Gipfelfieber.com

24 h wandern und wie man das übersteht © Gipfelfieber.com

Irgendwann vor etwa zwei Monaten trudelte die Anfrage ein, ob wir bei den 24-Stunden-Wanderungen im immer wieder schönen Berchtesgadener Land im Rahmen des diesjährigen Wander-Festivals mitmachen möchten. Zur Wahl standen die 12-h Untersberg-Tour, 24-h Watzmann Alpin und 24-h Watzmann Extrem. Die Augen – wie immer größer als der Mund (oder in dem Fall doch andersrum?) – legen sich natürlich schnell fest. Wenn dann richtig. Also 24 Stunden Watzmann Extrem. Keine Frage.




Die Fakten

Die Streckenführung der 24-h Watzmann Extrem-Tour hat es in sich: Vom Zentrum in Berchtesgaden führte uns der Weg flotten Schrittes (wir mussten Zeit auf die Watzmann Alpin-Gruppe machen) zum Königsee, von dort brutal steil hinauf zur Kühroint-Alm, über den Falzsteig zum Watzmannhaus und von dort auf das Hocheck mit seinen 2651 m. Zurück zum Watzmannhaus, hinunter zur Wimbachbrücke, in die Ramsau, durch den Zauberwald, vorbei am Hintersee und um den Taubensee herum, hinauf zur Mordaualm, über Loipl zum Hochschwarzeck. Die die noch nicht genug haben, gehen über den Toten Mann zum Söldenköpfl. Die die genug haben, nehmen die Variante ohne weitere Höhenmeter. Vom Söldenköpfl in einem letzten Abschwung hinab nach Bischofswiesen und zurück nach Berchtesgaden.

63 Kilometer, 3.230 Höhenmeter. Und das am wärmsten Tag des Jahres.

Das sagt Simon

Solange man nicht tot ist, geht immer noch was!

“Dass ich nicht langsam bin, wenn es bergauf geht, habe ich zumindest immer vermutet. Was aber geschieht, wenn man ein straffes Tempo über 24 Stunden halten muss, konnte ich vorab überhaupt nicht einschätzen.

Der Blick in die überschaubare Runde der rund 100 Teilnehmer beim 24-h Watzmann Extrem-Lauf 2015, verriet schnell, dass ich mit meinen 107 Kilo auf 186 cm verteilt, wohl das meiste zu tragen hatte und somit war ich ziemlich unentspannt als es an den Start ging. Höchstwerte von 35° C im Schatten, bei 12 Sonnenstunden während des Laufs, brachten mich zudem ins Schwitzen.

Wer sich aber freiwillig zu einem 24 Stunden-Lauf meldet (und dafür noch eine anständige Startgebühr ablegt), muss zumindest mit harten Bedingungen rechnen und somit ging es los.

Das Tempo war straff, für ausdauernde Geher aber auch bei dieser Hitze machbar. Die Versorgung durch Toni Grassl’s Team war hervorragend und gab maximale Sicherheit in Versorgung und Betreuung. Dass man rund sieben Stunden im Dunkeln tappt, muss man mögen. Da es in diesem Fall aber in erster Linie wohl darum geht, die eigenen Grenzen zu finden, muss die Tristesse der nächtlichen Stunden in den Hintergrund gerückt werden.

In Summe war es für mich eine bereichernde Erfahrung, trotz Durststrecken und durch die Hitze aufgequollene Füße. Die eigenen Möglichkeiten zu entdecken und zu erfahren, dass der eigene Körper auch hier noch nicht seine Grenzen erreicht hat, macht Lust auf mehr. Getreu dem Motto: Solange man nicht tot ist, geht immer noch was.”

Das sagt Andi

Einmal und nicht wieder!

“24 Stunden wandern. Eine unfassbare Kilometer- und Höhenmeterzahl. Mit gehörigem Respekt bin ich die Sache angegangen und wurde belehrt, dass der Respekt nicht umsonst war. Hohes Tempo im Anstieg – noch nie mein Fall – und 35 Grad, die erbarmungslos auf den Kopf drücken und ich musste mich beugen. Am Watzmannhaus habe ich den Bedingungen Tribut gezollt, pausiert und die letzten Höhenmeter zum Hocheck ausgelassen. Andernfalls hätte ich die 24 Stunden nicht überstanden.

Die längere Pause tat gut und schaffte genug Kraft für den „Rest“: 47 Kilometer galt es noch zu überwinden. Das ging soweit auch. Ich brauche es aber nicht nochmal. Vor allem das Laufen in der Dunkelheit nimmt mir die Freude. Man läuft am Hintersee – dem wohl schönsten See Deutschlands vorbei – und sieht nichts von seiner Erhabenheit.

Dabei ist Wandern für mich in erster Linie mit dem Erlebnis und der Berührung der Natur verbunden. Und die fehlt in der Nacht einfach. Ohne Simon (und Kopfhörer) hätte ich mich irgendwann gegen 2 Uhr schlecht gelaunt in den Shuttle-Bus gesetzt. Die sportliche Herausforderung mag zählen. Mir überwiegt sie aber nicht, weswegen das wohl meine erste und letzte 24-h-Wanderung gewesen ist.”

Warum macht man das?

“Hier trifft sich das eine Promille der Wahnsinnigen”, erklärt uns einer, der extra aus Frankfurt angereist ist, und bringt es auf den Punkt. Überhaupt: Von überall kommen sie her. Köln, Bremen, Dresden. Aber auch aus Berchtesgaden und Umgebung. Für die meisten Leute im Teilnehmerfeld zählt die sportliche Herausforderung. Etliche haben schon Erfahrung mit 24-h-Wanderungen und fast durch die Bank sehen alle auch so aus.

Und dann ist da noch die Bilderbuch-Kulisse von Berchtesgaden und das bei Bilderbuch-Wetter. Mehr geht nicht. Ob die Partner-24-h-Wanderungen im Schwarzwald und Oberstaufen da mithalten können?

Wie übersteht man das?

Wer nicht über ein gehöriges Maß an Grundfitness verfügt, lässt die Finger bzw. Füße davon. Wer lange Touren gewöhnt ist, schafft auch das. Wer dazu noch auf seinen Körper hört und weiß, wann die Belastung zu viel wird, der darf sich gern für die 24-h-Wanderung 2016 anmelden. Schnelle Bergläufer sollten ihr Tempo gezielt drosseln, um in den Zeitfenstern der einzelnen Etappen zu bleiben. Zwischendrin immer mal wieder dehnen. Das sorgt dafür, dass die Muskulatur wenigstens ein bisschen geschmeidig bleibt. Und natürlich trinken, essen, trinken, essen, trinken und essen, was dank der zahlreichen Versorgungsstationen kein Problem ist.

Fazit

Das war sie also: Die 24-h Watzmann Extrem-Wanderung in den Berchtesgadener Alpen getreu dem Motto “Hiking to the Limit”. Für den einen Limit, für den anderen nur ein neues Level.

Weitere Berichte: Nadine “Hardine” von KulturNatur.de, Uli von auf-den-berg.de, Sepp vom Berchtesgadener-Land.com-Blog.

*Herzlichen Dank an die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, die uns zu der 24-h Watzmann Extrem-Tour eingeladen hat. Vielen lieben Dank an die herzliche Bewirtung im Hotel Hanauerlehen. Ebenso gebührt der Dank dem Team von Toni Grassl für die hervorragende Organisation und Betreuung. 


Letzte Änderung: 6. Dezember 2016

7 Antworten zu " 24 h wandern und wie man das übersteht "

  1. […] Nadine bummelt extrem durch das Berchtesgadener Land. Andreas und Simon beschreiben, wie man eine 24 Stunden Extrem-Wanderung überhaupt übersteht. Und Sepp hat im Berchtesgadener Land Blog einen langen Bericht mit vielen […]

  2. Alex sagt:

    Wow! Meinen Respekt! Eine wirklich beeindruckende Leistung von Euch. Das ist ja schon bei 17°C und Bewölkung eine Höllenanstrengung, aber am heißesten Tag des jahres….:D

    Cooles Video außerdem 😉

    LG Alex

    • Andreas sagt:

      Danke für die Blumen. Bei 2000 steilen und teils schwierigen Höhenmetern verdient jeder Respekt, der da hochgeht (und heil wieder runter kommt!).

  3. […] 24 h wandern und wie man das übersteht (14. Juli 2015) […]

  4. […] absolute Begeisterung hat der Schuh dann endgültig im vergangenen Jahr bei der 24 h Watzmann-Extrem-Tour entfacht. Der eigentliche Plan war, einen leichten Schuh in den leichten Streckenabschnitten zu […]

  5. […] man sich den Verlauf der 24 h Untersberg Extrem an, weiß man aber recht schnell, dass die Tour der Watzmann-Tour vom Vorjahr in nichts nachsteht. Rund 60 Kilometer und rund 3500 Höhenmeter galt es bei leicht geänderter […]

  6. […] 24 h-Wanderungen bei uns zum fixen Bestandteil unseres alljährlichen Kalenders. Vor zwei Jahren zwischen Freud auf der einen und Leid auf der anderen Seite im Berchtesgadener Land hat es begonnen und gipfelte schließlich 2016 bei der Untersberg […]

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