Rund um das Stahlhaus: Hohes Brett & Hoher Göll – Die Überschreitung

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Nachdem wir ein paar Wochen vorher den doch eher touristisch überlaufenen Schneibstein mitgenommen haben, folgte mit der Überschreitung des Hohen Bretts und dem Hohen Göll eine Tour, die weit anspruchsvoller und vor allem länger ist. Startpunkt ist wieder das Carl-von-Stahl-Haus in den Berchtesgadener Alpen.

Rund um das Carl-von-Stahl-Haus - Teil 2: Hoher Göll Überschreitung © Gipfelfieber.com

Rund um das Carl-von-Stahl-Haus – Teil 2: Hoher Göll Überschreitung © Gipfelfieber.com

Die Tour auf den Schneibstein hatte bei mir ehrlich gesagt nur gemischte Gefühle hinterlassen. Es war schlicht und einfach zu voll am Berg und selbst beim anschließenden Mittag im Carl-von-Stahl-Haus musste man freie Plätze erst suchen. Als wir dann beschlossen, nochmals vom Stahlhaus zu starten, diesmal aber die andere Richtung einzuschlagen, war uns also bewusst, dass es wieder voller werden könnte. Erstes Indiz dafür: Eine kurzfristige Reservierung zum Übernachten war weder im Schneibsteinhaus noch im Stahlhaus möglich. Wir wollten aber ungern erst frühmorgens zum Stahlhaus aufsteigen, da wir wahre Menschenmassen befürchteten, weswegen uns die Nächtigung sinnvoll erschien.

Die Nacht im Massenlager vom Carl-von-Stahl-Haus

Die war anschließend allerdings verzichtbar. Die Matratzenlager quollen förmlich über. Es war heiß. Es war stickig. Und man lag mit seinem Nebenmann quasi Arm in Arm, während der nächste Nebenmann (bzw. die Heidi) einem wiederum ständig in den Nacken atmete. So war es mehr ein unruhiges Liegen als Schlafen. Mehr als 30 Minuten am Stück hat wohl keiner von uns geschlafen (ein eBook und Schafe zählen (!!!) helfen aber). So waren wir froh, dem am Morgen entfliehen zu können.




Aufstieg zum Hohen Brett

Zusammenpacken, ein kurzes Frühstück und Abmarsch. Hinter der Hütte windet sich der Weg durch Latschen relativ rasch empor. Und wir sind erstaunlicherweise ziemlich allein. Eine Weile vor uns erspähen wir einen Trupp von fünf bis sieben Leuten. Und erst ein ganzes Stück hinter uns kommen die nächsten. Es geht doch! In der Morgensonne geht es nun also unschwierig bergan. Wir durchschreiten eine kurze Senke, bevor es steiler und gerölliger wird. Das Geröll wird uns noch öfter begegnen.

Kurz bevor man das Plateau des Hohen Bretts erreicht, kommen kurze Stahlseil versicherte Stellen. Die braucht es nicht unbedingt, aber stören tun sie nicht. Auf dem Plateau angekommen, heißt es erstmal fotografieren. Nebelschwaden über dem Königssee. Die sonnige Ostwand des Watzmann. Was für ein Morgen! Weiter geht es völlig unschwierig in knapp 15 bis 20 Minuten bis zum Gipfelkreuz (2338 m, ca. 1,5 h ab dem Stahlhaus).

Übergang zum Hohen Göll

Nach einem kurzen Päuschen geht es auch weiter. Das Tagesziel ist bereits in Sicht: Über den Hohen Göll wollen wir über den Mannlgrat zum Kehlsteinhaus und von dort zur Scharitzkehlalm absteigen, denn dort wartet das Auto (gestartet sind wir am Vortag vom Parkplatz in Hinterbrand). Vom Gipfel des Hohen Bretts folgt der Weg nun ungefähr dem Gratverlauf und der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Hin und wieder kommen ein paar ausgesetzte Stellen. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind hier nicht nur empfehlenswert, sondern durchaus nötig. Letztlich bereitet das aber keine Probleme. Bald geht es abwärts und wir gehen unter der Wand des Großen Archenkopfs entlang. Es folgt ein Wegweiser und der Alpeltalsteig durch das Umgäng-Tal trifft auf unseren Weg.

Der Hohe Göll und seine zwei Gipfelkreuze

Nun wird es steil: Die letzten Höhenmeter zum südlichen Gipfelkreuz des Hohen Göll lassen die Schweißproduktion nochmal auf Volllast hochfahren. Oben angekommen, folgt das obligatorische Foto. Aber ganz oben sind wir trotzdem noch nicht. In gut zehn Minuten geht es weiter zum „richtigen“ Gipfel des Hohen Göll (2522 m, ca. 3,5 h ab dem Stahlhaus). Und hier ist es gleich merklich voller als zuvor. Wir genießen trotzdem den Ausblick bei bestem Wetter. Weit im Süden erspähen wir die Übergossene Alm und den Hochkönig mitsamt dem Matrashaus auf seinem Gipfel. Berchtesgadener und Salzburger Hochthron, ReiteralpeHochstaufen, Zwiesel, sogar bis zum Sonntagshorn reicht der Blick gen Osten.

Abstieg über den Mannlgrat zum Kehlstein

Lange halten wir uns trotzdem nicht auf, denn der Weg vor uns ist noch lang. Es folgt ein äußerst ermüdender Abstieg über jede Menge Geröll („Geröll am Göll“ – der Kalauer des Tages!). Bald zweigen der Kamin und der Schustersteig zum Purtschellerhaus nach rechts ab. Hier halten wir uns links. Der Manngrat ist bereits gut erkennbar. Vorher geht es aber noch ein gutes Stück bergab. Wieder über Geröll. Nervt ein bisschen und macht wenig Spaß. Irgendwann kommen wir dann aber am Ausstieg bzw. Einstieg des Mannlgrats an. Wir legen das Klettersteigset an und los gehts.

Anfangs steil über viele Eisentritte nach unten. Anschließend folgt ein längeres Gehstück. Nun geht es in ständigem Auf und Ab über den Klettersteig (Schwierigkeit: B, wenige Stellen C), allerdings bei weitem nicht so extrem wie am Königsjodler. Ohne Trittsicherheit und Schwindelfreiheit geht es aber nicht: Zwischendrin sind immer wieder Stellen, die nicht versichert sind.

Trotzdem hält sich die Schwierigkeit in Grenzen. Es zieht sich aber und vor allem im doch regen Verkehr scheint das Kehlsteinhaus nicht wirklich näher zu kommen. Es folgen noch zwei Stellen, bei dem es heißt, auf alle Viere zu gehen. Nun ist es dann doch nicht mehr allzu weit. Vom Ausstieg aus dem Mannlgratsteig dauert es nun noch knapp 20 Minuten bis zum Gipfel des Kehlsteins (insgesamt ca. 3 h vom Hohen Göll). Hier kommen einem die ersten Touristen entgegen, die in Sneakers die vermeintliche Erstbegehung der Holzstufen filmen. Kann man machen. Muss man nicht.

Massenandrang auf dem Kehlstein

Auf dem Kehlstein ist die Hölle los. Beim letzten Mal lag noch Schnee und es fuhr noch kein Bus. Zwischen den ganzen Gipfelstürmern kommen wir uns völlig fehl am Platze vor (auf Nachfrage beim Kellner sind es 4000 bis 5000 täglich; teils mit Hochgebirgsausrüstung!). Aber das Radler schmeckt trotzdem. Der Weiterweg wird nun verstopft von den Menschen, die mit dem Fahrstuhl zurück zum Busparkplatz fahren wollen (sic!) und wir schwingen uns über das Geländer, um vorbei zu kommen.

Auf dem folgenden Weg, der eigentlich problemlos von jedem begangen werden könnte und der in nur 15 Minuten zum Bus führt, treffen wir trotzdem nur fünf oder sechs Menschen an. An der Straße angekommen, halten wir uns verbotenerweise links, denn die Fahrstraße darf eigentlich nicht begangen werden. Lange bleiben wir auch nicht auf ihr: Nach der ersten großen Kurve zweigt ein ungekennzeichneter Steig ab über den es recht steil bergab geht. Ständig begleitet vom Motorenlärm der Busse, die die Touristen wieder ins Tal karren. Nach einer Weile kreuzen wir nochmal die Kehlsteinstraße, biegen kurz darauf aber auf einen geteerten Forstweg ab, der uns in ca. 30 bis 40 Minuten zum Parkplatz an der Scharitzkehlalm führt. Geschafft!

Fazit

Insgesamt eine tolle Überschreitung. Die Menschenmassen am Kehlstein hätte es zwar nicht gebraucht, trotzdem war die Tour weit schöner als die am Schneibstein, aber auch weit anspruchsvoller und vor allem länger. Mit 7 bis 8 Stunden Gehzeit sollte man schon großzügig rechnen. Der Mannlgrat bietet eine willkommende Abwechslung zum Schotter am Hohen Göll. Die Ausblicke und Eindrücke sind durch die Bank überragend und bleiben sicher eine Weile im Gedächtnis gespeichert.


Letzte Änderung: 15. Dezember 2016

8 Antworten zu " Rund um das Stahlhaus: Hohes Brett & Hoher Göll – Die Überschreitung "

  1. […] angekommen kann man weit ins Alpenvorland sehen: Untersberg, Salzburg, der Göllstock, während sich rückseitig die Alpen öffnen und der Watzmann in ganzer Macht über dem Königssee […]

  2. […] Zu Füßen im Norden liegt der Chiemsee. Auf der anderen Seite quasi alles von Untersberg, Göllmassiv, Watzmann, Sonntagshorn, Loferer Steinberge, Zahmer und Wilder Kaiser. Selbst der leichte Dunst […]

  3. Rebecca sagt:

    Schöne Beschreibung, da bekommt man richtig Lust auf die Tour! Ich hoffe, es klappt nächste Woche, denn da bin ich für sieben Tage am Königssee. Ich würde allerdings mit dem Bus zum Kehlsteinhaus fahren, dann über den Mannlgrat hoch und über den Alpeltalsteig runter. Müsste eigentlich an einem Tag machbar sein… Drück mir die Daumen 😉

    Viele Grüße

    Rebecca

    • Andreas sagt:

      Sollte machbar sein, auch wenn`s oben noch Schneekontakt geben dürfte. Im Grunde ist auch die gesamte Überschreitung inkl. Hohes Brett locker drin. Selbst wenn man nicht mit dem Bus fährt… (Willst du das wirklich? Eigentlich ist man ja recht schnell oben.)

  4. […] Aussicht ist überwältigend. Das Göllmassiv, der Hochkönig, Großglockner und Großvenediger, der Hochkalter im Westen. Alle scheinen sie uns […]

  5. […] schauen wir zur Reiteralpe mit dem Eisbergsteig, den wir Wochen zuvor gemacht haben. Untersberg, Hoher Göll und Hohes Brett und der Schneibstein im Nordosten und natürlich König Watzmann im […]

  6. […] letzte Scharte zu durchklettern und dann sind wir am Gipfel angekommen, mit Blick auf Untersberg, Hohen Göll, Hochkönig, Großvenediger, Großglockner, Loferer und Leoganger Steinberge bis hin zum […]

  7. […] Wieder Berchtesgadener Land. Diesmal der Blick vom Hohen Brett in Richtung dem wolkenverhangenen Königssee und dem mächtigen […]

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