Abenteuer Glemmbachklamm: Wilde Wege durch wilde Fluten

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Die Glemmbachklamm ist ein naturbelassenes Juwel und deren Begehung ein kleines Abenteuer. Beinahe gänzlich unerschlossen geht es nicht nur am Ufer des Gebirgsbachs entlang, sondern auch mitten durch. Ein wichtiges Utensil darf dabei nicht fehlen. 

Abenteuer Glemmbachklamm: Wilde Wege durch wilde Fluten © Gipfelfieber
Abenteuer Glemmbachklamm: Wilde Wege durch wilde Fluten © Gipfelfieber

Tausend kleine Nadeln bohren sich erst langsam in die Zehen, piksen sich in die Fußsohlen, dann in die Fersen, wandern langsam nach oben bis die Waden kurz zusammen zucken. Ein ums andere Mal schmerzen die Füße und schlottern die Beine. Aber es hilft nichts. Da muss man durch.

Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Wanderung durch die Glemmbachklamm führt mehrere Male mitten durch sie hindurch. Wo andere Schluchten komplett erschlossen sind, die Wege sogar freigesprengt wurden oder komplett über Stahlbrücken hoch über dem Abgrund führen, ist in der Glemmbachklamm das Gegenteil der Fall. Lediglich ein schmaler Pfad führt am Wasser entlang, spärlich eingesetzte Drahtseile helfen an wenigen Stellen und Brücken sucht man (fast) vergebens und muss so das ein oder andere Mal mitten durch den eiskalten Gebirgsbach waten, um den Weg durch die Glemmbachklamm fortzusetzen.



Von Rohrmoos nach Riedenberg

Vom Ursprungpass oder von Kufstein kommend, gilt es den kleinen Abzweig in Landl in Richtung Riedenberg nicht zu verpassen. Am ersten Abzweig links haltend geht es hinauf nach Rohrmoos, wo nur wenige Parkmöglichkeiten warten, der Blick auf das Hintere Sonnwendjoch und den Sonnwendkamm aber gigantisch ist.

Damit sich der Spannungsbogen auf der Wanderung durch die Glemmbachklamm langsam steigert und die Highlights eher gegen Ende kommen, empfiehlt es sich, zunächst der zum Forstweg auslaufenden Straße in Richtung Riedenberg zu folgen. Der führt ein paar hundert Meter über der Klamm durch den Wald, endet an der großen Embachwies mit seinem einsamen Bauernhof und geht in einen einfachen Bergpfad über. So geht es in leichtem Auf und Ab dahin bis ein Abzweig unweit vor Riedenberg steil nach unten weist.

Abstieg in die Klamm

Die Markierungen sind dürftig und der Pfad verliert sich an manchen Stellen, so dass es heißt, aufzupassen. Ein umgestürzter Baum blockiert den Abstieg und muss umklettert werden. Das Rauschen des Bachs verrät, dass er nicht weit entfernt sein kann und schließlich schimmert er durch die Bäume und das frische Grün.

Frisch ist es auch beim Ankommen in der Glemmbachklamm, die hier ein breiter Bach ist und noch nichts von ihrer Wildheit offenbart. Aber es wird noch frischer.

Durch die Glemmbachklamm

Der Pfad führt auf der linken Seite dem Bachlauf folgend tiefer in die Schlucht hinein. Völlig unschwierig stellt sich schon bald das erste Hindernis in den Weg. Auf der anderen Bachseite geht der Pfad weiter. Ein genügend vertrauenserweckender Baumstamm hilft hier die Füße trocken zu halten.

Doch dabei bleibt es nicht lang. Bald steht die erste Querung an, bei der die Füße garantiert nass werden. Schuhe aus, hinein ins sehr erfrischende Nass und auf der anderen Seite feiert das wichtigste Utensil des Tages seine Einsatzpremiere.

Nicht ohne Handtuch

Ein Handtuch. Zwar ist der Weiterweg selten eine Herausforderung, so dass auch Badeschuhe zum Einsatz kommen könnten. Allerdings sind die doch nur selten darauf ausgelegt, mehrere Kilometer am Stück mit ihnen zu laufen. Insgesamt gilt es sieben Mal, durch die eiskalten Fluten zu laufen.

Je weiter der Steig neben, über und durch die Klamm verläuft desto schmaler wird die. Das Skelett eines Tieres lässt einen Absturz von oben im schneereichen Winter vermuten. Zwei Wasserfälle, die sich von beiden Seiten kommend den Weg in die Schlucht bahnen, markieren so etwas wie einen Wendepunkt auf der Wanderung durch die Klamm.

Die Highlights zum Schluss

Bald windet sich auch der Pfad steiler über dem Rauschen der Glemmbachklamm. Eine Seilsicherung hier, ein paar Steigbügel dort. Der Charakter der Schlucht wird mit dem weiteren Fortgehen wilder und ruppiger, aber zugleich spannender. Zwei weitere Durchquerungen sind nicht ohne und nur bei Niedrigwasser oder mit zusätzlicher Sicherung von einem Bergführer oder versierten Begleiter passierbar. Für Kinder und Leichtgewichte können die auch schnell gefährlich werden.

Kurz bevor ein kleines Mini-Kraftwerk erreicht wird, dessen Brummen fortwährend durch die Glemmbachklamm röhrt, wird die einzige Brücke des Tages passiert. Bald öffnet sich die Schlucht wieder, wird breiter und eine letzte Überquerung markiert den Ausgang. Der Ausstieg führt zu einem Forstweg, der den Klammwanderer an der Hirschalm vorbei zurück nach Rohrmoos bringt.

Fazit

Eine nicht gänzlich unschwierige und wirklich abenteuerliche Wanderung führt durch die wilde und weitestgehend naturbelassene Glemmbachklamm unweit vom Thierseertal. Gerade an warmen Sommertagen macht das Wandern durch die Fluten der Klamm Spaß und kühlt ab. Ein Handtuch gehört ins Gepäck. Vorsicht geboten ist allerdings auch. Für Kinder sollte eine zusätzliche Sicherung eingepackt sein. Bei drohenden Regenfällen kann die Wanderung auf Grund des extrem schnell ansteigenden Pegels sogar lebensgefährlich werden.

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