Der Geiselstein: Luftige Aussichten am Matterhorn der Ammergauer Alpen

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Der Geiselstein ist das Matterhorn der Ammergauer Alpen und seine Besteigung ist eine echte Herausforderung. Und doch sieht man den Geiselstein von keinem Talort.

Der Geiselstein: Luftige Aussichten am Matterhorn der Ammergauer Alpen © Gipfelfieber

Der Geiselstein: Luftige Aussichten am Matterhorn der Ammergauer Alpen © Gipfelfieber

Eisig kalt ist es als ich mich an einem herrlichen Dezembertag mit dem Mountainbike in Halblech auf den Weg ins gleichnamige Tal mache. Statt mit Schnee sind die Bäume mit einer zerbrechlichen Schicht aus dickem Raureif überzogen. An den Felsen rund um den Bach sind die Wasserrinnsale gefroren. Die tiefstehende Sonne, die, wenn überhaupt, nur wenige Minuten am Tag ins Tal scheint, zaubert eine tolle Stimmung, schafft es aber kaum, die Luft etwas aufzuwärmen.




Mit dem Mountainbike zum Wankerfleck

In etwas über einer Stunde geht es erst durch das Halblech- und später, etwas steiler werdend, durch das Lobental, vorbei an drei angestauten Seen bis zum Wankerfleck. Knapp 10 Kilometer und 400 Höhenmeter sind es bis zu der kleinen Kapelle. Im Sommer fährt hier ein Wanderbus. Und hier gibt es einen ersten richtigen Blick auf das Tagesziel: Den Geiselstein.

Der Geiselstein

Wankerfleck-Kapelle und Geiselstein © Gipfelfieber

Wankerfleck-Kapelle und Geiselstein © Gipfelfieber

Eine beeindruckende Dominanz und doch ist er von keinem Talort aus zu sehen. Kein Wunder, bei einer Höhe von nur 1.879 m gibt es in unmittelbarer Nähe höhere Gipfel, die den Blick auf den Geiselstein versperren. Trotzdem trägt er seinen Beinamen, das Matterhorn der Ammergauer Alpen, nicht zu Unrecht. Kaum bezwingbar, wirkt der Geiselstein von dieser Seite. Und auch von den anderen Seiten soll sich das nicht ändern.

Aufstieg zum Geiselsteinsattel

Noch wenige Fahrmeter geht es in mittlerweile knöcheltiefem Schnee den Wegweisern in Richtung Geiselsteinjoch weiter bis ein Fortkommen mit dem Mountainbike zu aussichtslos wird. Das bleibt hier und es geht nun zu Fuß weiter.

Gemächlich ansteigend geht es erst durch dichten, später durch lichter werdenden Bergwald der Nordwand des Geiselsteins entgegen. In langen Serpentinen umkurve ich den Berg und vom Nordwesten geht schließlich der Steig in den Sattel zwischen Geiselstein und Gumpenkarspitze ab, den ich nach etwa anderthalb Stunden vom Wankerfleck erreiche.

Licht und Schatten

Im Sattel scheint endlich Sonne. Nur knapp scheint sie über den Nordabbrüchen der Hochplatte. Und vom Schnee ist hier keine Spur mehr. Die Freude über die Sonne währt aber nur kurz, denn während die beiden Seilschaften über die Süd-West-Verschneidung auf den Geiselstein klettern wollen, gehe ich über den Normalweg, der durch die Nordwestwand leitet. Der führt kurz den Spuren zum Einstieg in die Kletterroute folgend nach oben, dann aber schnell zurück in den Schatten.

Der Normalweg auf den Geiselstein

Ein Schild und verblasste rote Punkte weisen den Weg unterhalb der Westwand. Erst ein gutes Stück, fast ohne Höhe gewinnend, geht es bis an den Fuß einer Rinne, die einen Durchschlupf zum Gipfel gewähren könnte. So ganz sicher bin ich mir beim Anblick nicht. Steinmandl und rote Punkte scheinen das aber zu bestätigen.

Jetzt wird es spannend. Zwei Rinnen sind von einem felsigen Rücken getrennt. An dem bahne ich mir in Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrad den Weg nach oben. Einfach ist das nicht und gerade Schneereste und vereiste Stellen treiben die Schwierigkeit – und das Absturzpotential – nach oben. Zwei Eisenstifte und immer wieder auch Sicherungspunkte für die, die mit Seil unterwegs sind, erleichtern zwischendrin den Aufstieg. Am Ende der durchweg ausgesetzten Kletterei wartet fast das schwierigste Stück, wobei das am knietiefen Schnee liegt, denn der erschwert die Trittfindung enorm.

Das Ende der Rinne ist erreicht und der Restweg führt mich über den Nordgrat vom Geiselstein. Und der hat es nochmal in sich. Ein paar wenige vereiste Tritte und speckige Griffe führen über eine Steilstufe. Mit ganz viel Luft unter dem Hintern. Ein Blick zurück, 600 m geht es steil und steiler hinab zum Wankerfleck und ich habe kurz etwas Bammel. Konzentriert überwinde ich das Stück, wenige Meter später stehe ich am Gipfelkreuz und atme erstmal tief durch.

Ein bisschen Gipfelgenuss

Ein kurzer Blick ins Gipfelbuch. Viel ist hier nicht los. Die meisten, die hier hochkommen, sind Kletterer. Von den Jungs, die von Süden hochklettern, ist noch nichts zu sehen. Der Tag ist perfekt, aber so richtig kann ich ihn und die Aussicht noch nicht genießen. Denn ich muss ja wieder runter und vor allem vor der letzten Steilstufe hab ich gehörigen Respekt.

Steiler Abstieg vom Geiselstein

Die ist am Ende aber gar nicht so schlimm. In den verschneiten Schrofen einen festen Tritt zu finden, dagegen schon viel mehr und ich putze erstmal den halben Weg frei. Das anschließende Abklettern zwischen den beiden Rinnen klappt gut und bald bin ich wieder im Geiselsteinsattel und habe sicheren Boden unter den Füßen. Fühlt sich gut an.

Eisige Abfahrt nach Halblech

Der weitere Abstieg gestaltet sich fix. In 45 Minuten geht`s schnell hinab zum Wankerfleck. Mit dem Radl anschließend immer am Bach entlang gen Halblech, wo mich ein vereistes Stück dann noch kurz, aber folgenlos über den Asphalt schlittern lässt.

Fazit

Der Geiselstein, das Matterhorn der Ammergauer Alpen, trägt seinen Beinamen nicht umsonst. Ein genialer, formschöner und doch extrem abweisender Berg, der nur erfahrenen Bergsteigern und Kletterern vorbehalten bleibt, die absolut trittsicher und noch schwindelfreier sind.


Letzte Änderung: 12. August 2017

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