Drittes Watzmannkind: Zwischen Trubel, Einsamkeit und Tante Ju

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Das dritte Watzmannkind ist der am einfachsten erreichbare Gipfel über dem Watzmannkar. Zwischen Watzmann und Watzmannfrau wartet eine ungewöhnliche Entdeckung.

Gipfelkreuz Drittes Watzmannkind © Gipfelfieber
Drittes Watzmannkind: Zwischen Trubel, Einsamkeit und Tante Ju © Gipfelfieber

Schon aus hundert Metern Entfernung funkelt es plötzlich. Inmitten des Watzmannkars blitzt es immer wieder auf. Beim Näherkommen wird klar, dass reflektierende Sonnenstrahlen auf einem Metallteil dafür verantwortlich sind. Aber wo kommt das Stück Blech am Fuß des kleinen Gletscherrestes zwischen König Watzmann und Watzmannfrau denn her?

JU52-Wrack am Watzmann

Eine kleine Recherche bringt Aufschluss und lässt doch vieles im Dunkeln: Vor knapp 80 Jahren, der 2. Weltkrieg tobte noch weit jenseits der deutschen Grenzen, zerschellte eine JU52 auf dem Weg von Zeltweg nach Schleißheim an der kleinen Ostwand des Watzmanns. Alle sechs Passagiere kamen dabei ums Leben. Eine Bergung des Flugzeugs, mit einer Spannweite von knapp 30 Metern und einer Länge von 18,50 m recht stattlich, war unmöglich und so wurde die auch als “Tante Ju” bezeichnete Maschine nach und nach vom ewigen Eis verschlungen.

Dank des sich erwärmenden Klimas entpuppte sich das Eis aber als nicht ganz so ewig und seit dem Sommer 2003 gibt der schwindende Watzmanngletscher nach und nach weitere Teile des Flugzeugs frei. Einige der Teile wurden nach und nach geborgen und können heute am Trainingszentrum der Bundespolizei an der Kührointalm besichtigt werden.

Von Hammerstiel zur Kührointalm

Die Kührointalm ist die erste Station der weitestgehend einfachen, aber vor allem langen Tour auf das dritte Watzmannkind. Unweit der Wimbachbrücke bietet sich der Parkplatz Hammerstiel in Schönau als Ausgangspunkt der Wanderung an.

Mit dem Mountainbike lässt sich der Zustieg zur Kührointhütte etwas beschleunigen. Mit dem E-Bike gleich noch mehr. Zu Fuß ist die Alm durch das Schapbachtal und vorbei an der gleichnamigen Alm nach gut anderthalb bis zwei Stunden erreicht. Knapp 650 Höhenmeter sind hier schon absolviert. Etwa 750 kommen aber noch dazu, weswegen es ratsam ist, die Energiereserven noch einmal aufzufüllen.

Über den Falzsteig

Ab der Kührointalm folgen wir dem Falzsteig, der hinter der Alm ohne große Höhengewinne und -verluste an den nördlichen Ausläufern der Watzmannfrau durch den Wald und weiter zum Watzmannhaus führt. Wenige Minuten nachdem wir eine Quelle passiert haben, gilt es den Abzweig ins Watzmannkar nicht zu verpassen.

Zwar unscheinbar, aber doch deutlich zweigen mehrere kleine Pfade nach links ab. Zwischen unzähligen Heidelbeerbüschen finden viele der Pfade bald zusammen, während der Wald lichter wird und die ersten Blicke auf die steil aufragenden Westabbrüche der Watzmannfrau frei werden.



Im Watzmannkar

Zwischen riesigen Geröllblöcken geht es langsam aber beständig aufwärts. Das Kar öffnet sich mehr und mehr. Die einzelnen Watzmannkinder sind nun beinahe vollständig zu sehen. Das dritte Watzmannkind – das eigentliche Ziel der Tour – ist dabei zwischen den markanten Felszacken des zweiten und vierten Kinds kaum als eigenständiger Gipfel auszumachen und erst beim Näherkommen besser auszumachen.

Der Watzmanngletscher unter der kleinen Ostwand des Watzmanns bleibt rechts liegen und so ist es eher unwahrscheinlich, bei der Tour auf das dritte Watzmannkind Wrackteile der abgestürzten JU52 zu Gesicht zu bekommen. Es sei denn man nimmt einen kleinen Umweg in Kauf.

Aufstieg aufs dritte Watzmannkind

Der Weg selber lässt sich kaum verfehlen. Im mühsamen Schotter ist der Aufstiegsweg gut erkennbar, Steinmänner erledigen den Rest. Zuletzt wird eine glatte Platte mit erstaunlich griffigem Fels geradewegs gequert und direkt auf das Gipfelkreuz zugehalten. Mit Restschnee, der sich so weit oben im Kar lang hält, sollte die Spurwahl entsprechend angepasst werden.

Nach etwa zweieinhalb bis drei Stunden von der Kührointalm ist der Gipfel des dritten Watzmannkinds (2.165 m) erreicht, ohne dass sich technische Probleme in den Weg stellen. Die Blicke hinab in die steilen Südwände bis zur Eiskapelle oder hinüber in die legendäre Watzmann Ostwand sind beinahe furchteinflößend. Die Blicke auf den türkisgrün funkelnden Obersee und nach St. Bartholomä dagegen geradezu beruhigend. Unten der Trubel. Hier oben sind andere Bergsteiger oder Wanderer die Ausnahme.

Abstieg

Der Abstieg erfolgt auf dem Aufstiegsweg zurück ins Kar, wobei man sich schnell auf einem anderen Steiglein wieder finden kann. Das ist wenig dramatisch, da letztlich alle wieder auf den Falzsteig führen. Auf dem geht es zurück zur Kührointalm und weiter zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Ausgangspunkt in Hammerstiel.

Fazit

Die vor allem in der zweiten Hälfte recht einsame Tour auf das dritte Watzmannkind stellt keine hohen Anforderungen an die Technik, allerdings sollte eine sehr gute Kondition vorhanden sein, schließlich gilt es knapp 1.400 Höhenmeter zu überwinden. Belohnt wird man mit einer grandiosen Bergtour zwischen Watzmann und Watzmannfrau.

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