Harauer Spitze: Der Direttissima Klettersteig für Hartgesottene

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Mehrere Klettersteige führen durch die steile Nordwand der Harauer Spitze unweit vom Walchsee im Kaiserwinkl. Der Direttissima Klettersteig ist dabei der schwerste. Und wahrlich nicht für jeden geeignet. 

Direttissima an der Harauer Spitze: Sportlicher Klettersteig für Hartgesottene © Gipfelfieber

Direttissima an der Harauer Spitze: Sportlicher Klettersteig für Hartgesottene © Gipfelfieber

“Ein paar Trailruns weniger und ein bisschen mehr Hantelstange wären gut gewesen”, so denke ich mir als ich in der Hälfte des Direttissima Klettersteigs über der Ottenalm an der Harauer Spitze hänge. Dummerweise ist die Stange nach dem Umzug vorübergehend im Keller gelandet. Spätestens am Ausstieg bin ich der festen Überzeugung, dass sich das wieder ändern muss.




Im beschaulichen Kaiserwinkl liegt direkt am Nordufer des Walchsees die eigentlich ebenfalls beschauliche Harauer Spitze. Ein langgezogener Bergrücken, dem man kaum einen Klettersteig zutrauen möchte. Schon gar keinen, der extrem schwierig daher kommt. Und doch. Von der Ottenalm führen auf der Nordseite der Harauer Spitze drei Klettersteige auf sein 1117 Meter hohes Gipfelchen. Während die Walchseerunde mit einer Schwierigkeit von B für Einsteiger perfekt ist, ist der Bergkameradensteig mit einer Bewertung von D schon weitaus schwieriger. Der Direttissima Klettersteig ist sogar mit D/E bewertet und noch eine Stufe anspruchsvoller.

Zustieg zur Ottenalm und zum Wandfuß

Startpunkt der Klettersteig-Tour ist im gleichnamigen Ort Walchsee direkt neben dem Sportplatz. Von hier führt der breite Forstweg einfach durch ein Quellengebiet, vorbei an der Riederalm und weiter zur Ottenalm. Hier finden regelmäßig musikalische Abende statt und doch bleibt sie heute links liegen. Ein großes Schild weist auf die drei Klettersteige hin. Wenige Minuten später ist über einen schmalen Steig der Wandfuß und der Einstieg zum Direttissima Klettersteig auf die Harauer Spitze erreicht.

Durch den Direttissima Klettersteig

Es geht gleich knackig los. Dem steilen D-Einstieg folgt ein kurzes Stück mit D/E, dem sich aber eine kurze Verschnaufpause anschließt. Die gibt es nur selten und daher sollte man sie nutzen, wenn sich die Chance bietet. Zwar tropft es nach dem nachmittäglichen Schauer in der Wand, die aufsteigende Hitze im Körper lässt die Nässe aber verdampfen.

Nach einer kurzen Querung nehmen die Schwierigkeiten wieder zu. Mal geht es über blanken Fels mit nur wenigen Tritten. Auch leichte Überhänge sind keine Seltenheit. Löchriger Stein bietet zwischendrin gute Griffmöglichkeiten. Senkrechte Anstiege und Pfeiler dagegen keine Zeit für Erholung, so dass die Armmuskulatur sehr ordentlich beansprucht wird.

Ein kurzes Expressset am Gurt verschafft daher die ein oder andere Atempause. Zurücklehnen, hinab schauen. Und hinauf. Nur gut, dass man so kaum etwas sieht und nicht abschätzen kann wie weit es eigentlich noch geht. Bis zur berüchtigten Besenkehre bleibt die Kletterei weiter ziemlich kraftraubend und die Sitzpausen im Gurt mehren sich. Einen Notausstieg sucht man vergebens. Ein Seil, welches links neben dem Klettersteig vor sich hin baumelt, zeugt von den zahlreichen Kletterern, die sich überschätzt haben und die aus dem Direttissima Klettersteig gerettet werden mussten.

Und dann, eine letzte Quälerei durch eine senkrechte D/E-Passage, gefolgt von einfacher Querung im Latschengelände und der Ausstieg aus dem Direttisssima Klettersteig ist erreicht. Ein paar Meter weiter wartet eine Bank am Gipfel der Harauer Spitze zur dringend benötigten Pause. (Ganze Topo bei Bergsteigen.com)

“Holla, die Waldfee, der hatte es aber ganz gewaltig in sich”, denke ich mir und bin froh, oben zu sein und zurückblicken zu können, während rundherum schon die Dämmerung über Kaiserwinkl und Kaisergebirge hereinbricht.

Die Abstiegsalternativen

Für den Abstieg bieten sich zwei Varianten an. Linker Hand vom Ausstieg führt ein Steig in etwa 20 Minuten zurück zur Ottenalm, von wo es über den Forstweg zurück zum Ausgangspunkt geht. Ich entscheide mich für die rechte Variante, die über den Bergkamm der Harauer Spitze in leichtem Auf und Ab zum Kranzinger Berg (1015 m) und zum Hausberg (951 m) führt. Von dort geht es nun hinab gen Walchsee. Etwas unscheinbar zweigt ein kleiner Steig nach Nordwesten ab, der steil durch den Wald hinab zu einem Trimmdichpfad führt. Am beschilderten Abzweig nun rechts und etwas oberhalb des Sportplatzes trifft der Weg wieder auf die Forststraße zur Ottenalm, von wo es wenige Meter zurück zum Parkplatz sind.

Fazit

Der Direttissima Klettersteig auf die Harauer Spitze ist einer von drei Klettersteigen oberhalb der Ottenalm in Walchsee. Nur 130 Höhenmeter sind im Klettersteig zu überwinden. Aber die haben es gewiss in sich. Die Schwierigkeit ist durchgehend sehr hoch, erst recht bei nassen Bedingungen, und die Anstrengungen lassen erst am Ausstieg nach. Ein gutes Stück Erfahrung, viel Kraft und sportlicher Ehrgeiz sind Voraussetzung, den Direttissima Klettersteig erfolgreich und problemlos zu überwinden. Die Mitnahme eines Expresssets am Gurt ermöglicht die ein oder andere Verschnaufpause zwischendrin.

Letzte Änderung: 16. August 2017

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