Die Fleischbank im Karwendel: Dem Namensmythos auf der Spur

672

Die Fleischbank ist ein relativ unschwieriger Gipfel über dem Rißtal im Vorkarwendel mit besten Blicken auf die schroffen Berge der Karwendelkette. Woher der merkwürdige Name kommt? Wir haben uns auf die Suche begeben. 

Die Fleischbank im Karwendel: Dem Namensmythos auf der Spur © Gipfelfieber

Die Fleischbank im Karwendel: Dem Namensmythos auf der Spur © Gipfelfieber

Die Fleischbank. Was für ein absurder Name. Gleich zweimal taucht er in unserer Ecke in den Nordalpen auf. Einmal im Wilden Kaiser, wo er vor allem als Berg mit historischen Kletterrouten bekannt ist. Und eben im Karwendel. Genauer im Vorkarwendel als Teil des Grasbergkamms. Warum der Grasbergkamm so heißt, wird im Gegensatz zur Fleischbank schnell klar. Von Süden, wo die Normalwege auf die Gipfel führen, wirken die Berge wie sanfte Grashügel. Wo kommt also der doch recht martialische Name “Fleischbank” her?




Serpentinen vom Rißtal

Vom Start kurz hinter dem beschaulichen Hinterriß, das im November bereits im Winterschlaf schlummert, an bis zum Gipfel und darüber hinaus soll uns die Frage beschäftigen. An der Mautstelle, von wo die Straße in die Eng führt, die ab Ende Oktober geschlossen ist, beginnen wir unsere Bergwanderung, die zunächst unspektakulär für ein paar hundert Meter an der Straße entlang führt. An der Fuggerangeralm folgen wir den Markierungen in Richtung “Fleischbank”. Und der Name lässt uns weiter grübeln.

Wir passieren einen Wasserfall bevor es anschließend wenig spektakulär weitergeht. In endlosen Serpentinen erklimmen wir den Hang. Nie sonderlich steil geht es durch lichter werdenden Bergwald bergauf. Und der Name lässt uns nicht los.

Finden lässt sich zu der Herkunft zumindest im Internet nichts. Und so rätseln wir drauf los. Wir entspinnen die wildesten Theorien. Ein paar davon, wenig jugendfrei, mögen lieber im Verborgenen bleiben, zugleich werden sie immer pointierter.

Apropos Pointe: Der Weg bleibt fast bis zum Gipfel gleich. Nur die Umgebung ändert sich etwas. Wir passieren einen Wasserlauf und finden uns bald in Latschen wieder. Etwas unspektakulär. Nur der Blick auf die andere Talseite zur Nördlichen Karwendelkette und tief hinein ins Johannistal geht als Spektakel durch. Kurve um Kurve geht es nach oben.

Zum Fleischbank-Gipfel

Bald zweigt links der Weg in Richtung Schönalmjoch ab. Wir folgen den rechten Markierungen. Bald teilt der sich wieder und auf einem schmaler werdenden Steig geht es – ab und an etwas ausgesetzt über den weitaus steileren Abbrüchen nach Norden – bis zum Gipfel der Fleischbank. Etwas vorgelagert in Richtung Osten finden wir auch das Gipfelkreuz, zu dem sich in der Nebensaison nicht mehr allzu viele verirren. Aber auch hier: Kein Hinweis, warum die Fleischbank heißt wie sie heißt.

Gipfelglück und Abstieg

Wir lassen vom Gedanken ab und lassen die Blicke schweifen. Herrlich ist es. Eine junge Gams zeigt sich wenig beeindruckt von den herbstlichen Besuchern. Irgendwann, nach ausgiebiger Gipfelrast, Foto- und Filmsession beschließen wir den Abstieg. Wir beschließen auf dem Aufstiegsweg wieder abzusteigen, fangen dabei wieder an zu grübeln, passieren das schmucke Almhüttchen auf halbem Weg und sind irgendwann wieder am Ausgangspunkt.

Die Namensherkunft

Goethe kommt mir in den Sinn: “Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.” Und so soll es auch erstmal bleiben. Ich bemühe weiter das Internet. Ergebnislos. Tage später treffe ich einen alten Bergfex aus meinem Bekanntenkreis und frage ihn, ob er was weiß. Und siehe da: Er weiß. Und ich lausche.

Von der Ochsentalalm am Fuß der steilen Nordhänge der Fleischbank machten sich die Kühe auf in immer höhere Lagen, um frisches Gras zu finden und kamen so auch in die steilen und gefährlichen Lagen der Fleischbank. Hier stürzten einige an dem von Süden so harmlos aussehenden Berg hinab und verunglückten tödlich. Wie beim Metzger. Eine wahre Fleischbank. Ob das verbrieft ist? Hundertprozentig können wir das natürlich nicht sagen. Aber einleuchtend klingt es doch, oder? Zumindest mehr als unsere herbei gesponnenen Theorien.

Fazit

Die Tour auf die Fleischbank im Karwendel ist lange Zeit ziemlich unspektakulär und erst recht nicht abwechslungsreich. Erst im Bereich des Gipfelgrats wird es etwas spannender. Spannender ist dagegen, wo der Name herkommt. Ob er wirklich von den herabgestürzten Almkühen herrührt? So ganz wird sich das wohl nie aufklären lassen.


Letzte Änderung: 12. August 2017

3 Antworten zu " Die Fleischbank im Karwendel: Dem Namensmythos auf der Spur "

  1. Die Sache mit den Bergnamen ist wirklich nicht leicht, aber spannend. Ich habe etwas in alten Karten gestöbert und die Fleischbank im Atlas Tyrolensis (1760 – 1770) gefunden. Wenn der Name bereits einige Hundert Jahre alt ist, spricht das leider eher gegen die Geschichte mit den Kühen, obwohl sie plausibel klingt. Eine mündliche Überlieferung über so lange Zeit ist unwahrscheinlich.

    • Andreas sagt:

      Interessante Einsicht, danke dir! Dann wird es wohl ein Mysterium bleiben. Oder man glaubt, was man möchte und sucht sich die schönste und passendste Geschichte raus. Spannend ist es allemal, alten Namen auf die Spur zu gehen.

  2. […] zum Schafreuter, zum Vorderskopf oder zum Schönalmjoch durchqueren wir Hinterriß, von wo es zur Fleischbank geht, und in den Wolken tut sich eine kurze Lücke auf. Brav entrichten wir die Mautgebühr. […]

Kommentar verfassen

Mit einem Klick akzeptieren Sie die Nutzung von Cookies. Mehr Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Schließen