Was wächst denn da? Beerenzeit am Wegesrand

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Der Sommer erreicht seinen Zenit und überall am Wegesrand warten köstliche Beeren darauf vernascht zu werden. Welche bedenkenlos genascht werden können und warum man vor dem Fuchsbandwurm keine Angst zu haben braucht.

Brombeeren © Gipfelfieber.com
Was wächst denn da? Beerenzeit am Wegesrand © Gipfelfieber.com

Walderdbeeren

Walderdbeere © Gipfelfieber.com
Walderdbeere © Gipfelfieber.com

Meine Lieblinge! Die Erdbeeren in Miniaturform können eigentlich nicht verwechselt werden. Bei viel Sonne sind sie ab Mitte Juni schon anzutreffen, in höheren Lagen reifen sie auch erst im August. Ihr süßer fruchtiger Geschmack lässt den ihrer überzüchteten größeren Artgenossen neidisch zurück. Wobei Artgenossen sind sie nur bedingt. Die Gartenerdbeere ist eine Kreuzung aus amerikanischen Sorten und die Walderdbeere ist keine verwilderte Form von ihr, sondern selbständig.




Himbeeren

Waldhimbeeren © Gipfelfieber.com
Waldhimbeeren © Gipfelfieber.com

Anders ist das bei der Waldhimbeere. Die ist tatsächlich eine wilde Form der Kultur-Himbeere, die mit ihren großen saftigen Früchten in unseren Gärten heimisch ist. Die Früchte der Waldhimbeere sind kleiner als die der Kulturform, aber nicht weniger aromatisch und süß, wenn sie ausgereift sind. Die Früchte reifen ab Juli und August und sind ein wunderbarer kleiner Snack. Bei Problemen mit dem Verdauungsapparat wird auch gerne ein Tee aus Blättern und Fruchtteilen aufgebrüht.

Brombeeren

Brombeeren © Gipfelfieber.com
Brombeeren © Gipfelfieber.com

Eng verwandt mit der Himbeere ist die Brombeere. Wie Walderdbeere und Himbeere gehört auch sie zur Gattung der Rosengewächse. Das merkt man, wenn man sie pflücken möchte. Der ein oder andere hat sicher schonmal mit ihren stacheligen Auswüchsen Bekanntschaft gemacht.

Die Früchte der Brombeere reifen etwas später und können ab August bis in den Oktober hinein genascht werden. Wie bei der Himbeere lassen sich die Blätter gut für Tees verwenden. Auch einen medizinischen Nutzen haben die Blätter. Im getrockneten Zustand helfen sie bei Erkrankungen im Rachenraum, indem man mit ihnen gurgelt. Auf der Haut sollen sie gegen Hauterkrankungen helfen und getrunken sollen sie ein wirksames Hausmittel gegen Durchfall sein.

Heidelbeeren

Die Heidelbeere oder auch Blaubeere ist auf der kompletten Nordhalbkugel heimisch und man findet sie in Wäldern, aber auch auf Almen und freien Flächen in hohen Gebirgslagen. Ab Ende Juli bis in den Herbst hinein reifen die dunkelblauen Beeren aus und sorgen dann mit ihrer leichten Süße und dem dunkel-violetten Fruchtfleisch für blauschwarze Lippen und Zungen.

Die Heidelbeere kann allerdings schnell mit der ebenfalls bis in hohe Lagen wachsenden Rauschbeere verwechselt werden. Deren Verzehr kann zu Vergiftungs- oder auch Rauscherscheinungen führen.  Teilweise wachsen beide Arten sogar direkt nebeneinander. Mit etwas Übung kann man sie schon von Außen auseinander halten. Spätestens das Fruchtfleisch sorgt für die richtige Bestimmung, denn das ist bei der Rauschbeere im Gegensatz zur Heidelbeere weiß und nicht dunkelblau.

Preiselbeeren

Preiselbeeren © Gipfelfieber.com
Preiselbeeren © Gipfelfieber.com

Ebenfalls zur Familie der Heidelbeeren zählt die Preiselbeere. Die bis in sehr hohe Lagen wachsende Pflanze mit ihren knallig roten Beeren kann ab Mitte/Ende August bis in den Oktober hinein gesammelt werden. Der rohe Verzehr ist aber eher etwas für die, die es sauer oder bitter mögen. Denn genauso schmeckt die Preiselbeere direkt vom Busch.

Verbreiteter ist daher das Verarbeiten der Preiselbeere zu Marmelade, die mit ihrer dann süßlich-säuerlich-bitterlichen Note genau die richtige Beilage zu Wildgerichten oder einem Wiener Schnitzel ist.

Die Mär vom Fuchsbandwurm

Weit verbreitet und von Generation zu Generation fortgetragen, ist die Mär vom Fuchsbandwurm. Früchte, die direkt am Wegesrand stehen, dürfen nicht gegessen werden, da der Fuchs drauf gepinkelt haben und der Mensch sich so mit dem gefährlichen Fuchsbandwurm anstecken könnte.

Tatsächlich ist es bisher nicht nachgewiesen, dass sich ein Mensch durch den Verzehr von Waldbeeren mit dem Fuchsbandwurm infiziert hat. Realistischer ist die Ansteckung über Haustiere wie Hunde und Katzen. Überhaupt gibt es pro Jahr gerade einmal 30 Neuinfizierungen deutschlandweit.

Wer dennoch hundertprozentig sicher gehen möchte, isst nur hoch am Strauch hängende Beeren und/oder erhitzt die Früchte auf 60 Grad.

Fazit

Wer dem nicht tot zu bekommendem Mythos von der Ansteckung mit dem Fuchsbandwurm ein Schnippchen schlägt, kann sich im Sommer mit herrlich süßen Beeren die ein oder andere Wanderung oder Bergtour versüßen und sich den Magen bedenkenlos vollschlagen.


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Andreas ist Gipfelfieber. Gipfelfieber ist Andreas. Liebt die Berge. Liebt die Natur. Liebt das Wandern. Liebt das Bergsteigen. Liebt das Reisen. Liebt das Fotografieren. Liebt das Schreiben. Liebt neue Herausforderungen. Und hat genau deswegen vor ein paar Jahren Gipfelfieber ins Leben gerufen.

5 KOMMENTARE

  1. […] Die Wanderung zum Venelisee und auf den Venelifjell ist ab Mai bis Mitte Oktober problemlos möglich. Schneereste können in den Übergangszeiten noch anzutreffen sein. Die beste Zeit ist aber definitiv Anfang bis Mitte September. Denn das ist die Zeit, wo die Heidelbeersträucher am Wegesrand voll mit den köstlichen Beeren hängen, die zum Naschen einladen und so für blauschwarze Zungen und Hände sorgen. Aber Achtung, Verwechselungsgefahr. […]

  2. Der Artikel ist etwas älter. Aber gibt es in der Umgebung von Wien Wildheidelbeeren zum pflücken? Hat jemand einen Geheimtipp?

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