Im Edelrid Hochtourencamp – Vier Tage vom Feinsten

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Voraussetzung für die Bewältigung von Hochtouren ist der sichere Umgang mit den entsprechenden Geh- und Rettungstechniken am Gletscher. Ein paar Eindrücke aus dem Hochtourencamp von Edelrid. 

Im Edelrid Hochtourencamp – Vier Tage vom Feinsten © Gipfelfieber.com

Im Edelrid Hochtourencamp – Vier Tage vom Feinsten © Gipfelfieber.com

Mitte September ging es ins Hochtourencamp von Alpine Welten – die Bergführer und Edelrid auf dem Taschachhaus im Pitztal in Tirol.

In den effektiv dreieinhalb Tagen ging es intensiv um Gletscher- und Hochtouren, Planung von Hochtouren, Ausrüstung und sehr praktisch um die Seilschaft am Gletscher mit Rettung und Selbstrettung. Die Krönung des Kurses war dann die Besteigung des Taschach Hochjochs bei Kaiserwetter.

Alpine Welten – die Bergführer

Alpine Welten setzt auf Gruppen von maximal sechs Personen, um eine optimale Betreuung der Teilnehmer zu garantieren, zeitgleich ist es für den Bergführer leichter für einen sicheren Ablauf zu Sorgen. Das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Berghülen bietet auf seiner Homepage alles an Bergsport für Sommer und Winter an – so eben auch Hochtouren, beziehungsweise Kurse zu den Grundlagen.

Tag 1

Am Taschachferner © Gipfelfieber.com

Am Taschachferner © Gipfelfieber.com

Und so haben sich drei Gruppen zu je sechs Personen in Tieflehn im Pitztal getroffen, um ein paar Kilometer weiter, vom Liftparkplatz in Mandarfen, Richtung Taschachhaus zu marschieren. Bei Sonnenschein und starkem Föhn ging es rund zwei Stunden durchs Tal, wo es schon einmal erste Möglichkeiten gab, sich kennen zu lernen und auszutauschen.

Auf dem Weg informieren immer wieder Tafeln über die ursprüngliche Ausdehnung des gigantischen Gletschers, der seine höchste Dicke um 1850 hatte und sich heute auf Höhe des Taschachhauses in Taschach- und Sexegertenferner teilt. Riesige Randmoränen zeugen von der einstigen Ausdehnung des Gletschers, der heute verhältnismäßig kümmerlich erscheint und trotzdem unglaublich beeindruckend ist. Im letzten Viertel steigt der Weg steil an und wir erklimmen zwei Moränen bis wir vor dem Taschachhaus stehen.

Das Taschachhaus

Taschachfernerhaus © Gipfelfieber.com

Taschachfernerhaus © Gipfelfieber.com

Auf 2434m liegt die Alpenvereinshütte der Sektion München und Oberland. Hier hat der DAV zwischen 2005 und 2008 generalsaniert und einen Seminartrakt mit Kletterhalle errichtet und damit ein Ausbildungszentrum auf exklusivem Niveau geschaffen.
Aktuell von den Wirten Barbara und Christoph bewirtschaftet, bietet das Taschachhaus aktuell fast 160 Schlafplätze und eine ebenso große Gaststube, den Seminartrakt, Duschen und ein Winterhaus und kann sich damit fast schon Berghotel nennen. Aus kulinarischer und sanitärer Sicht wäre dies auf jeden Fall gerechtfertigt. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle!




Erste Kursinhalte

Das Wetter schlägt zum Nachmittag wie angekündigt in Regen um und so findet drinnen erst mal die Materialausgabe statt. Seile, Karabiner, Reepschnüre, Steigeisen, Eispickel, Gurte und weiteres Material werden uns von Edelrid zur Verfügung gestellt.

Um uns für den nächsten Tag vorzubereiten, bringt uns unser Bergführer Martin schon mal die wichtigsten Knoten bei, die wir für die Seilschaft und für die Spaltenrettung brauchen.

Nach einer kurzen Pause treffen sich die drei Gruppen dann, um von Lorin, zuständig für Marketing und Entwicklung bei Edelrid, mehr über die Produkte zu hören. In erster Linie geht es hier um Haltbarkeit und Funktion, aber auch um die Weiterentwicklung der Produkte. Hier gibt es dann auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen, beispielsweise zur Haltbarkeit von Seilen und Reepschnüren.

Tag 2

Blick aufs Taschachhaus © Gipfelfieber.com

Blick aufs Taschachhaus © Gipfelfieber.com

Der Tag beginnt um 7 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück vom Buffet, dann der Abmarsch eine Stunde später zum Taschachferner. Der liebe Gott meint es wie immer gut mit uns und so erwartet uns herrlichster Sonnenschein und blauer Himmel, statt des angekündigten Schnees. Mittlerweile geht man rund 40 Minuten bis zum Gletscher, in den nächsten Jahren geht man dann leider vermutlich noch länger.

Auf dem Weg dorthin liegt ein abgestürztes Flugzeug der Amerikaner vom Typ Boeing B-17, das gegen Ende des zweiten Weltkriegs auf dem Gletscher notlanden musste und jetzt langsam vom Eis freigegeben wird.

Wir erreichen die Gletscherzunge und sind trotz des gewaltigen Rückgangs des Eises von der Erscheinung beeindruckt. Riesige Eismengen schieben sich noch heute durch die Täler zwischen Schuchtkogel, Brochkogel und der Wildspitze, Österreichs zweithöchstem Berg. Unvorstellbar scheint uns die Ausdehnung der Gletscher vor bald 200 Jahren.

Wir legen unsere Ausrüstungen an und bewegen uns vorsichtig aufs Eis, umgehen und übersteigen große und kleine Gletscherspalten und machen uns erst einmal mit dem Gehen mit Steigeisen vertraut. Unser Bergführer Martin macht mit uns verschiedene Übungen, Schritttechniken, mal auf der Ebene, mal steil an den Eishängen hinauf, dann wieder Koordinationsübungen, im Kreis rennen mit schnellem Stopp und einiges mehr. So gewinnen wir zusehends an Sicherheit auf dem Eis.

Weiter geht es jetzt mit verschiedenen Eisklettertechniken, dem richtigen Einsatz des Eispickels, Abseilen von Eiswänden, dem Einsatz von Eisschrauben und vielem mehr.

Den Nachmittag verbringen wir dann mit der Spaltenrettung, die wir „trocken“ üben. Doch auch ohne Sturz bringt der erste Mann, wenn er dann mal im Seil hängt, die beiden Kollegen der Dreierseilschaft ganz schön ins Schwitzen. Nachdem jeder einmal „gerettet“ wurde, geht es zur Hütte zurück und wir spüren deutlich die Anstrengung unseres Übungstages.

Tourenplanung

Nach kurzer Pause geht es dann theoretisch weiter und wir werden in moderner und althergebrachter Tourenplanung geschult. Wie man eine topografische Karte richtig deutet, welches Kartenmaterial überhaupt brauchbar ist und wie man Länge und Dauer einer Hochtour möglichst genau berechnet, sind nur wenige nützliche Inhalte dieses Vortrags.

Im Anschluss wird beim – wie immer exquisiten – Abendessen, die Tour für den nächsten Tag geplant. Hier sind die Gruppenteilnehmer jetzt selbst gefordert Ziel und Route festzulegen, Höhenmeter und Länge anhand der Karte zu ermitteln, Schwierigkeiten auszumachen und vorab zu bestimmen, welches Material zur Bewältigung nötig ist.
Die fertig ausgearbeitete Tour wird dann mit unserem Bergführer abgestimmt und beschlossen.

Tag 3

Das Taschach Hochjoch auf 3355m soll unser Ziel sein. Wir starten um 7 Uhr von der Hütte weg, die Temperaturen liegen knapp um den Gefrierpunkt. Auch heute bleibt uns der angekündigte Schnee erspart und wir erleben eine schöne Hochtour bei Kaiserwetter.
Über diese herrliche Einsteiger-Hochtour wird natürlich separat im Blog berichtet.

Tag 4

Der letzte Tag im Edelrid Hochtourencamp. Über Nacht kam der Schnee und somit bleiben wir in der Hütte und treffen uns, nachdem die Lager geräumt sind, in der Kletterhalle.

Hier erlernen wir die Selbstrettung aus der Gletscherspalte, die insbesondere in einer Zweierseilschaft oder bei Spalten mit Überhang nötig sein kann. Um die größte Distanz zu überwinden, baut man sich mit zwei Reepschnüren eine Steighilfe am Seil mit Bremse, um sich so Richtung Spaltenrand hochzuziehen. Oben angekommen können ein Überhang des Eises in die Spalte, oder ein starker Einschnitt des Seils im Schnee, den Ausstieg erheblich erschweren. Hier wird dann auf Gardaklemme umgebaut oder mit einer Umlenkrolle gearbeitet, um aus eigener Kraft die Wand überwinden zu können.

Den Abschluss bildet ein Vortrag über Erste Hilfe und Rettungsabläufe im Hochgebirge, dann folgt der Ausblick auf mögliche Hochtouren für Einsteiger oder weitere Fortbildungen.

Und dann, ja und dann folgt auch schon der Abstieg – wohlgemerkt bei blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein! Wir steigen wieder über die alten Randmoränen des Taschachferners, über schimmernden Granit und Quarze hinunter ins Tal und spazieren entlang des grün gefärbten Gletscherbaches. Den würdigen Ausklang findet der Kurs auf der Taschachalm bei Speis und Trank im warmen Licht der Herbstsonne.

Fazit

Nicht nur das unerwartet gute Wetter und die harmonische Gruppe haben diesen Kurs zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Martin von Alpine Welten hat uns hier bestens und mit großer Genauigkeit auf sichere Touren am Gletscher und Fels vorbereitet. Durch die Kleingruppe von sechs Personen, war es für Martin gut möglich jeden Einzelnen im Blick zu behalten und somit auch kleine Fehler zu erkennen und zu korrigieren.
Der Kurs war sehr praktisch aufgebaut und hat in dieser kurzen Zeit bereits große Sicherheiten geschaffen, die natürlich durch regelmäßiges Üben gefestigt werden müssen. Das Taschachhaus als Ausbildungszentrum verwöhnt nicht nur kulinarisch und ist wirklich mehr Hotel als Hütte.

Das Edelrid Hochtourencamp mit den Bergführern von Alpine Welten lohnt sich defintiv für jeden, der sicher höher hinaus möchte!

*Vielen Dank an Edelrid für die Einladung zum Hochtourencamp. Die Meinung des Autors beeinflusst das natürlich nicht. 


Letzte Änderung: 5. Dezember 2016

Eine Antwort zu " Im Edelrid Hochtourencamp – Vier Tage vom Feinsten "

  1. […] genau ein Jahr ist es her, dass ich am Edelrid Hochtourencamp am Taschachhaus im Pitztal teilgenommen habe. Mitte September und noch mitten im Hitzesommer 2015 hatten wir einige […]

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