Skitour zur Hagener Hütte: Stilles Paradies aus Eis und Schnee

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Die Skitour zur Hagener Hütte entführt den Tourengeher in eine karge Welt aus Eis und Schnee. Mit etwas Glück lassen sich seine scheuen Bewohner blicken. 

Skitour zur Hagener Hütte: Stilles Paradies aus Eis und Schnee © Gipfelfieber
Skitour zur Hagener Hütte: Stilles Paradies aus Eis und Schnee © Gipfelfieber

Der Yeti, soviel kann vorweg genommen werden, ist es schonmal nicht. Die Bewohner dieser eisigen Welt am Alpenhauptkamm im Nationalpark Hohe Tauern sind trotzdem gut getarnt und nur schwer zu entdecken. Ganz im Gegensatz zu den Besuchern, die schon von weitem sichtbar sind, in der schneeüberzogenen Landschaft mit ihren bunten Klamotten geradezu leuchten und lächerlich langsam nach oben streben, um doch schnell wieder zu verschwinden.

Die Skitour zur Hagener Hütte, die im Winter geschlossen ist, aber über einen Winterraum verfügt, führt mitten ins Hochgebirge. Vom Startpunkt im Bergsteigerdorf Mallnitz muss sich der Aufstieg mit einem langen Hatscher erarbeitet werden. Dass sich das lohnt, steht außer Frage.



Bergsteigerdorf Mallnitz

Das beschauliche Mallnitz im Norden Kärntens darf sich bereits seit 2006 mit dem Titel “Bergsteigerdorf” brüsten. Dass es den zurecht trägt, wird vor allem bei der Zufahrt von Süden aus klar. Am Talschluss gelegen, ist Mallnitz von Bergen umrahmt, die viele Geschichten zu erzählen haben und klangvolle Namen tragen. Auernig und Maresenspitz, Lisgelespitz und nicht zuletzt Ankogel und Hochalmspitze – die Tauernkönigin – sind hier Zuhause. Endstation, würde es nicht auch mit dem Zug (samt Auto) durch den Berg ins nördliche Salzburger Land und nach Bad Gastein gehen.

Die Erschließungen rund um Mallnitz halten sich im Rahmen. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde mit der Ankogelbahn und dem Hannoverhaus wertvolle Arbeit geleistet, das Gebiet für Wanderer und Bergsteiger nutzbar zu machen. Zahlreiche Hütten wie das neu erbaute Hannoverhaus und die Mindener Hütte bieten in der kargen Gebirgswelt am Tauernhöhenweg Obdach. Im Großen und Ganzen ist es dabei geblieben. Der Tourismus ist ein sanfter und im Winter könnte der Trubel Söldens und vom Zillertal nicht weiter entfernt sein als ohnehin schon. Einen passenderen Ort für den Partner Best of Winter zu finden, ist nicht einfach.

Im Skitourentaxi

Ein bisschen Erschließung nehmen wir dankend an, denn beim Start der Skitour zur Hagener Hütte wartet zunächst ein unendlich scheinender Hatscher. Der Weg von der Stockerhütte zur Jamnigalm wird im Winter als Rodelstrecke benutzt und ist in der Regel bis wenigstens zur Hälfte geräumt. Mit dem Skitourentaxi lässt sich der langatmige Zustieg im dichten Wald so etwas verkürzen.

Von der Jamnigalm ins Hochgebirge

Sanft führt der Aufstieg nun durch den lichter werdenden Wald in Richtung der Jamnigalm. Klaus Alber, gebürtiger Mallnitzer und unser Guide für den Tag zeigt uns seine Bergwelt und erzählt wie er als gerade Elfjähriger mit seinem Vater, einem Alpinpolizisten, auf Vermisstensuche ging, die ihn durch wildestes Gelände führte. Der Fund des Verunglückten blieb ihm zum Glück erspart. Nicht aber ohne die Lehren, aus diesem und vielen weiteren Unglücken, die im Hochgebirge leider regelmäßig passieren, zu ziehen.

Dank bedachter Spurenwahl geht es so nach der Jamnigalm ungefährdet in das lang gestreckte Tauerntal, das vor uns liegt. Irgendwo unter uns der gleichnamige Tauernbach, verschwunden unter den Schneemengen des Winters. Vorderer Geißkopf zur Linken und die Romaten Spitz zur Rechten umrahmen das eindrucksvolle Ambiente, das so friedlich und verlassen wirkt, es aber doch nicht ist.

Während hier und da quietschbunte Besucher auf Ski der Hagener Hütte oder der Romaten Spitz entgegen streben, halten sich die Bewohner meist versteckt. Ab und an lässt sich eine einsame Gams in der Winterwelt entdecken. Weit entfernt, am beinahe abgeblasenen Feldspitz-Gipfel lässt sich ein größeres Rudel der Einheimischen erspähen.

Aufstieg zur Hagener Hütte

Die Hagener Hütte kann bald erahnt werden und ist doch noch so weit weg. Der Aufstieg durch das Tauerntal bleibt aber weitestgehend sanft und angenehm. Im langsamen Trott geht es bald am Tauernkreuz vorbei, das keinen Gipfel ziert, sondern zum Andenken an die hier vom Blitz erschlagene ehemalige Hüttenwirtin steht. Regelmäßig findet zu Maria Himmelfahrt im August ein Gottesdienst am Tauernkreuz statt.

Die Hagener Hütte ist nun zum Greifen nahe und nach dem Tauernhaus und zwei letzten Spitzkehren auch erreicht. Eisig zischt der Wind von Norden durch die Scharte zwischen Greilkopf und dem Westerfrölkekogel, der wohl mindestens so schwierig auszusprechen ist wie der berühmte isländische Vulkan Eyjafjallajökull.

Der Winterraum der Hagener Hütte liegt etwas oberhalb der eigentlichen Hütte direkt am Niederen Tauern (Mallnitzer Tauern) und bietet Platz für zehn Hartgesottene. Einen Ofen sucht man nämlich vergebens und so helfen am ehesten ein dicker Schlafsack, Omas Wollsocken und wärmende Gedanken.

Abfahrt nach Mallnitz

Bevor wir uns an die Abfahrt machen, beweist Klaus einmal mehr, dass auf ihn Verlass ist. Das Schneeprofil überzeugt auch den größten Skeptiker, dass die Abfahrt dem Verlauf des Tauernbachs folgend ohne große Risiken möglich ist.

Im gesetzten Pulverschnee ziehen wir unsere frischen Linien in den Schnee, schießen jede Menge Fotos und genießen das grandiose Drumherum, in das es uns verschlagen hat. Und verpassen dabei fast, den kleinen kuschligen Bewohner, der ob der Besucher gar nicht so erfreut scheint. Ein weißer, nur am Schwanz noch in Nuancen brauner Schneehase, kaum größer als ein Handball, stürmt in atemraubenden Tempo den Hang hinauf zum sicheren Unterschlupf.

Mit der passierten Jamnigalm geht es über die Rodelstrecke zurück bis zur Stockerhütte. Abstecher in den Pulver rechts des Weges sind hier und da möglich, Ortskenntnis ist allerdings von Vorteil. Dass die nicht immer hilft, beweist uns Klaus, der sich verfährt und wahrscheinlich heute noch über die beiden Splitboarder lächelt, die schnaufend durch den tiefen Schnee stapfen müssen.

Fazit

Die Skitour zur Hagener Hütte ist technisch wenig anspruchsvoll, dafür aber doch recht lang. Mit dem Skitourentaxi lässt sich der Zustieg verkürzen und es bleibt noch mehr Zeit die Kulisse inmitten des Nationalparks Hohe Tauern zu genießen.

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