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Die Häntzschelstiege: Abwechslungsreicher Klettersteig in der Sächsischen Schweiz

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Die Häntzschelstiege ist ein vergleichsweise einfacher Klettersteig inmitten der Sächsischen Schweiz, der es aber in sich hat. Über Felswände oder über Stufen und Leitern geht es mitten durch den Fels der Affensteine.

Im Kamin @ Gipfelfieber
Die Häntzschelstiege: Abwechslungsreicher Klettersteig in der Sächsischen Schweiz @ Gipfelfieber

Nicht weit von Dresden ragen über der Elbe die markanten Sandsteinformationen der Sächsischen Schweiz auf. Zwischen Aussichtsfelsen, Schluchten, Tafelbergen und dem Kirnitzschtal liegt mit den Affensteinen eines der bekanntesten Reviere der Region. Hier verläuft die Häntzschelstiege, die alles andere als ein gewöhnlicher Klettersteig ist. Auch wegen ihrer Entstehungsgeschichte. Denn gebaut wurde die Stiege einst von Rudolf Häntzschel in jahrelanger Eigenarbeit, ohne offiziellen Auftrag, aber mit großer Beharrlichkeit und einer unendlichen Leidenschaft für das Klettern im Sandstein, das mit dem angelegten Klettersteig auch Nicht-Kletterern erleb- und greifbar gemacht wird.

Sächsische Schweiz

Die Sächsische Schweiz ist der deutsche Teil des Elbsandsteingebirges und liegt südöstlich von Dresden beiderseits der Elbe. Die Region ist geprägt von bizarren Sandsteinfelsen, tief eingeschnittenen Gründen, Tafelbergen und ausgedehnten Wald- und Felsrevieren. Anders als in klassischen Alpenregionen stehen hier weniger Höhe und Gipfel im Vordergrund als vielmehr die besondere Gestalt der Landschaft – mit bekannten Zielen wie der Bastei, den Schrammsteinen, den Affensteinen oder dem Gebiet rund um Bad Schandau. Ein großer Teil der Region ist seit 1990 – noch vor der Wiedervereinigung Deutschlands – als Nationalpark Sächsische Schweiz besonders geschützt.

Gerade für Wanderer und Kletterer hat die Sächsische Schweiz einen besonderen Stellenwert. Die Felsen der Region haben eine eigenständige Klettertradition (“Sächsische Regeln”) hervorgebracht, gleichzeitig gibt es zahlreiche Wege, Stiegen und Promenaden, die auch ohne schweres Klettern eindrucksvoll durch das Felslabyrinth führen. Die Häntzschelstiege ist in diesem Zusammenhang eine Besonderheit, weil sie als einziger offizieller Klettersteig der Region gilt und sich mit ihren beiden Teilstücken hervorragend in eine Runde durch die Affensteine und über die Affensteinpromenade einfügt.

Jenseits der Grenze setzt sich das Elbsandsteingebirge in der Böhmischen Schweiz fort. Auch dort bestimmen Sandsteinfelsen, Schluchten und Tafelberge das Bild. Das bekannteste Ziel ist das Prebischtor (tschechisch: Pravčická brána), das Wahrzeichen der Region. Mit einer Spannweite von 26,5 Metern gilt es als größter Natursteinbogen auf dem europäischen Festland und ist eines der markantesten Naturdenkmäler des gesamten Elbsandsteingebirges. Wer mehrere Tage in der Region verbringt, kann die Häntzschelstiege deshalb gut mit weiteren Touren auf deutscher und tschechischer Seite verbinden.

Die Entstehung der Häntzschelstiege

Die Häntzschelstiege ist der einzige offizielle Klettersteig in der Sächsischen Schweiz. Namensgeber und zugleich Erbauer des Klettersteigs war Rudolf Häntzschel aus dem nahen Sebnitz, der den Steig in den 60er Jahren ohne jede Genehmigung und in Eigenregie erbaute und dafür beinahe zehn lange Jahre benötigte. Dafür griff er auf alles zurück, dem er habhaft werden konnte und nutzte teils Schrott.

Schnell erfreute sich der Steig großer Beliebtheit, die hohe Frequentierung sorgte allerdings für ein Erodieren der Häntzschelstiege. Nach dem Tod seines Erbauers 1987 verfiel er zusehends und so gab es Bestrebungen des Nationalparks Sächsische Schweiz, den Steig komplett zurück zu bauen, wogegen sich jedoch schnell Widerstand formierte. Die Sperrung und der Rückbau konnten abgewendet werden und anschließend wurde die Häntzschelstiege ab 1998 saniert.

Die Tour in der Übersicht

  • Start: Beuthenfall im Kirnitzschtal; Parkplätze am Beuthenfall und am nahen Lichtenhainer Wasserfall; ÖPNV Buslinie 241 oder Kirnitzschtalbahn
  • Route: Beuthenfall – Malerweg – Unterer Affensteinweg – Untere Häntzschelstiege – Obere Häntzschelstiege – Langes Horn – Reitsteig – Obere Affensteinpromenade – Königsweg – Hintere Heidesteig – Malerweg – Beuthenfall
  • Länge: 5,5 km
  • Dauer: 2 h
  • Höhenmeter: 334 hm
  • Charakter: einfacher, kurzer Klettersteig (Schwierigkeit B) mit kurzem Zustieg; an schönen Tagen stark frequentiert; Klettersteigset empfohlen
  • Höchster Punkt: 449 m
  • Einkehrmöglichkeiten: am Lichtenhainer Wasserfall, ca. 5 Gehminuten vom Beuthenfall

Häntzschelstiege – Klettersteig in der Sächsischen Schweiz

Alle Infos zum Klettersteig Häntzschelstiege in den Affensteinen in der Sächsischen Schweiz.

Zusammenfassung für Schnellleser

  • kurzer, aber abwechslungsreicher Klettersteig in den Affensteinen
  • spannender Wechsel aus Zustieg, Leitern, Felsspalte und ausgesetzten Passagen
  • erster Einstieg bereits fordernd, daher nicht unterschätzen
  • besonders markant: oberes Teilstück im engen Kamin
  • gut kombinierbar mit Wegen über Affensteinpromenade und Langes Horn
  • lohnende Tour im Elbsandsteingebirge trotz überschaubarer Länge

Zustieg aus dem Kirnitzschtal

Wir starten unsere Tour über die Häntzschelstiege und in die Affensteine am Beuthenfall unmittelbar von der Kirnitzschtalstraße weg. Von dort wandern wir auf dem Malerweg. Es geht auf dem breiten Forstweg leicht bergan und bald öffnet sich der Blick nach oben und die Affensteine mitsamt dem eindrucksvollen Bloßstock schälen sich aus den Bäumen heraus. Wir folgen dem Verlauf der Unteren Affensteinpromenade direkt unterhalb der Felsen. Schon kurze Zeit später hören wir Stimmen aus der überhängenen Wand über uns, in der gleich mehrere Seilschaften unterwegs. Ein letzter Anstieg führt über Holzleitern und zum Einstieg.

Durch die Häntzschelstiege

Viele Klettersteiggeher sind ohne sicherndes Klettersteigset unterwegs. Wer schwindelfrei und trittsicher ist, kann sicher gut verzichten. Empfehlenswert ist es nur bedingt, keinesfalls bei Nässe. Bei Kindern ist eine Sicherung unerlässlich.

Der Einstieg ist gleich der schwierigste Teil des Klettersteigs. Auf dünnen Bügeltritten hangeln wir uns erst einige Meter nach oben und schließlich am Stahlseil und an der Wand entlang. Es gibt reichlich Luft unter den Füßen. Nach einer Kurve und einem beherzten weiten Schritt ist der Boden wieder fester. Über Stufen geht es nun bis zur Oberen Affensteinpromenade, womit der erste Teil der Häntzschelstiege geschafft ist. Wer nicht weitergehen möchte, kann auf dem Wanderweg weiterwandern.

Im zweiten Teil wird es aber richtig spannend: Die Häntzschelstiege windet sich nun in einem Kamin steil nach oben. Vorher müssen wir uns aber erst in den engen Felsspalt quetschen, was mit großem Rucksack schonmal eng werden kann. An dessen Ende wartet eine steil aufragende Leiter, die uns knapp 15 Meter nach oben bringt. Auf einem Podest staut es sich. Weiter geht es über eine kürzere Leiter zurück ins Tageslicht.

Über Drahtbügel geht es weiter über dem Spalt entlang und zur spektakulärsten Stelle des Klettersteigs: Der Umstieg von einer Seite des Felsspalts zur anderen, wobei wir den tiefen Abgrund unter den Füßen gekonnt ignorieren. Über letzte Stufen geht es zum Ausstieg, dem nur noch ein paar einfache, gut gesicherte Abschnitte folgen.

Rück- und Weiterwege

Oben genießen wir kurz die Aussicht. An der benachbarten Brosinnadel sind oft Kletterer unterwegs. Als Weiterweg empfiehlt sich nun der Weg über das Lange Horn, anschließend den Abzweig in Richtung Carolafelsen, von wo aus man auch durch die Wilde Hölle weiter zur Oberen und Unteren Affensteinpromenade absteigen kann.

Alternativ lässt sich der Satanskopf auf dem Bergpfad umkurven (teils nur wenige Markierungen) und nach einem Abstieg über viele Stufen geht es auf dem Königsweg, der bald auf den bekannten Aufstiegsweg trifft, zurück zum Ausgangspunkt.

Achtung: Ein Abstieg über die Häntzschelstiege ist nicht gestattet, da ein Ausweichen bei Gegenverkehr vor allem im oberen Teilstück schlicht nicht möglich ist.

Die Tour bei Outdooractive

Weitere nützliche Infos und Kartenmaterial zum Downloaden gibt`s bei Outdooractive.

Fazit

Insgesamt ein sehr schöner, wenn leider etwas kurzer Klettersteig, der auch für Einsteiger und Kinder machbar ist, dann unbedingt mit entsprechender Sicherung. Wem es nach dem ersten Teilstück reicht, der kann auch aussteigen und die Wanderung auf der Oberen Affensteinpromenade fortsetzen. Vieler schöner Ausblicke inklusive.

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