Im Test: Stompede Snowboards Dawn Patrol Splitboard

210

Stompede Snowboards hat im Herbst 2015 seine ersten Splitboards veröffentlicht. Zu Preisen, die erstmal staunen lassen. Im positiven Sinn. Das Topmodell Dawn Patrol Carbon im Härtetest. 

Im Test: Stompede Snowboards Dawn Patrol Carbon Splitboard © Gipfelfieber

Im Test: Stompede Snowboards Dawn Patrol Carbon Splitboard © Gipfelfieber

Splitboards – seit Jahren gibt es sie nun schon am Markt und mittlerweile hat eigentlich jeder Hersteller zumindest eins im Programm. Sie sollen den Snowboardern ermöglichen wie die Skitourengeher ohne Probleme ins Backcountry zu kommen, um fernab des Rummels in den Skigebieten auf die Suche nach frischem Pulver gehen zu können. Für gewöhnlich starten viele mit Schneeschuhen und dem Board am Rucksack. Das ist aber richtig schwer und daher schaut man sich irgendwann nach einem Splitboard um.

Allerdings: Der Einstieg geht richtig ins Geld. Das Splitboard, in der Regel ein Voilé-Interface, Bindungen, Felle, Harscheisen gehören zur Grundausstattung. Eine entsprechende LVS-Ausrüstung hat man ja meist schon zusammen, da die sowohl im Backcountry als auch im Skigebiet beim Freeriden einfach dazugehört. Da kommen mal ganz schnell ganz locker 1500 € zusammen. Nach oben sind dem keine Grenzen gesetzt. Und das Board ist dabei in der Regel die höchste Hürde.

Stompede Snowboards

Die Jungs von Stompede Snowboards aus Innsbruck gehen da einen anderen Weg. Indem sie auf das ganze Pipapo drumherum verzichten, können sie Preise anbieten, die woanders nicht machbar sind. Konkret verzichtet Stompede Snowboards auf jegliche Zwischenhändler sowie auf zusätzlichen Vertrieb. Die Splitboards Dawn Patrol und Dawn Patrol Carbon sind ausschließlich in deren Online-Shop erhältlich und kosten so lediglich 445 € bzw. 495 €.

Dawn Patrol Carbon Splitboard – Die Fakten

Das Dawn Patrol Carbon Splitboard kommt auf den ersten Blick mit einem ungewöhnlichen Shape (siehe Grafik) daher. Das Board verjüngt sich von vorn nach hinten. Diese – Taper genannte – Konstruktion sorgt zusammen mit dem Rocker im Tail dafür, dass die Nose nicht abtaucht. Unterstützt wird das von dem „Early Rise“ direkt hinter der Nose. Der Reverse Sidecut soll ein Verkanten verhindern. Noch mehr Details zur Konstruktion.

Ausgefallenes Design sucht man vergebens. Und das ist gut so. Ganz simpel in schwarz und blau (gelb und blau bei der Nicht-Carbon-Variante) gehalten, stilisierte Höhenmarken am Tail, eine komplett schwarze Base. Wunderbar!

Das Board kommt mit zwei Längen in 163 und 168 cm.

Im Aufstieg

Die Carbon-Variante wiegt pur 3,1 kg (normale Variante: 3,4 kg), mit Bindungen noch ein gutes Stück mehr. Das ist in etwa so viel wie bei meinem Vorgänger, dem in die Jahre gekommenen Burton S-Series. Es gibt sicher leichtere Boards am Markt, aber das Mehrgewicht im Vergleich zu dem, was Skitourengeher den Berg hochtragen, nehme ich gerne in Kauf. Es geht schließlich ums Snowboarden.

Im Aufstieg macht das Dawn Patrol Carbon Splitboard jedenfalls eine ordentliche Figur. Bei steileren Passagen wird es aber wie bei bisher jedem Splitboard, das ich unter den Füßen hatte, anstrengend und manchmal nervig. Vor allem mit langen Querungen und eisigen Bedingungen will ich mich einfach nicht anfreunden. Hier bekommt man als Splitboard-Geher oft nicht genug Druck auf die innere Kante, so dass der äußere „Ski“ nachgibt und aus der Spur rutscht. Und die Harscheisen montiert man in diesem Fall einfach immer zu spät.

Die Kordeln an den Clips, die das Board bei der Abfahrt zusammenhalten, können beim Gehen übrigens dafür sorgen, dass sich die Klammer, die die Bindung beim Aufstieg am Board hält, öffnet und man Gefahr läuft, dass die Bindung eben nicht mehr hält (nur bei der linken Boardhälfte). Das lässt sich einfach verhindern, indem der Steg von der anderen Seite eingeführt wird.




Der Zusammenbau

Am Gipfel angekommen, Felle abziehen, Bindungen wechseln, der eigentliche Zusammenbau, Bindungen wieder montieren. Das dauert eben immer länger als mit Ski, aber geht mit etwas Übung auch recht schnell zur Hand. Aber – siehe oben – es geht ja um das Snowboarden. Und daran gewöhnt man sich recht schnell. Die Clips sind manchmal etwas hakelig, vor allem, wenn sie etwas vereist sind. Ist das Board montiert, hält alles bombenfest und man braucht keine Sorge haben, dass sich selbst bei rauen Abfahrten irgendwas löst.

Die Abfahrt

Und für was die ganzen Mühen und der ganze Schweiß? Dafür! Spätestens bei der Abfahrt lacht das Herz. Während sich mein altes Splitboard nur mit Mühe dazu überreden ließ, jetzt doch bitte eine Kurve zu fahren, ist das mit dem Dawn Patrol Carbon anders. Der Auftrieb ist gigantisch. Während ich auf anderen Boards das Gewicht im Tiefschnee teils extrem nach hinten verlagere, braucht es das hier nicht. Das Splitboard schwebt förmlich über den Pulver. Man muss sich schon richtig anstrengen, um mit der Nose abzutauchen und einen Purzelbaum hinzulegen.

Aber nicht nur im Pulverschnee, sondern auch im weichen Firn und bei eisigeren Bedingungen macht das Dawn Patrol Carbon Splitboard eine überragende Figur. Auf der harten Piste zeigt der Reverse Sidecut, was er kann und greift extrem gut.

Auch kleine Sprünge stellen überhaupt kein Problem dar. An große Sprünge habe ich mich nicht herangetraut und werde es wohl auch nie.

Im Wald, wo es standesgemäß etwas enger zugeht, würde ich mir noch eine kürzere Variante des Boards wünschen. Da ich nicht der Größte bin, ist das aber sehr subjektiv. Das Snowboard ist aber wendig genug, um nicht einen Baum nach dem anderen zu touchieren.

Fazit

Mit dem Dawn Patrol Carbon Splitboard ist Stompede Snowboards ein richtig guter und vor allem günstiger Wurf gelungen. Beim Aufstieg hat man im Vergleich zu Skitourengehern mit dem Splitboard einfach immer Nachteile. Die wiegen das grandiose Fahrverhalten bei der Abfahrt und der Support aber locker auf. In ein paar Details hat das Board noch Kinderkrankheiten, die das Gesamtbild aber kaum trüben können. Insgesamt kann ich mit bestem Gewissen eine Empfehlung aussprechen.

Du fährst auch Splitboard? Welches Modell? Bist du zufrieden? Schreib uns Deine Tipps und Erfahrungen in die Kommentare!


Letzte Änderung: 5. Dezember 2016

3 Antworten zu " Im Test: Stompede Snowboards Dawn Patrol Splitboard "

  1. […] Die nächste Frage: Nehme ich ein altes Board und zerteile es oder setze ich auf ein fertiges Splitboard von der Stange. Beides ist möglich und mit ein wenig Feingefühl und handwerklichem Geschick macht man aus dem Snowboard deines Vertrauens ein Splitboard deines Vertrauens machen. Der Nachteil: An der zersägten Stelle gibt es keine Stahlkante. Da die beim Aufstieg jeweils nach Außen zeigt, geht Stabilität verloren, was gerade in Abschnitten, wo der Schnee abgeblasen oder eisig ist, zum Rausrutschen aus der Spur kommt. Das kostet nicht nur Kraft, sondern zehrt auch schnell an den Nerven. Zudem hat sich im Splitboarding in den letzten Jahren unglaublich viel am Markt getan, so dass es heute Modelle gibt, die genau die gleichen Eigenschaften mitbringen wie das Lieblingsboard, mit welchem man die Skigebiete unsicher macht. Von Klassikern wie dem Burton Custom gibt es mittlerweile auch eigens ein Splitboard-Modell. Ich bin seit letztem Jahr mit dem Stompede Dawn Patrol unterwegs. Der Testbericht dazu. […]

  2. […] rechts ab auf noch plattgewalztem Winterwanderweg und raus aus dem Skigebietstrubel. Das Splitboard nunmehr an den Füßen geht es auf dem Tiroler Adlerweg bergan in Richtung Ganghofer Hochloipe, die […]

Kommentar verfassen

Mit einem Klick akzeptieren Sie die Nutzung von Cookies. Mehr Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Schließen