Zustiegsschuh im Test: Adidas Terrex Scope High GTX

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Ein Zustiegsschuh, der mehr bietet als er verspricht? Der Adidas Terrex Scope High GTX beim Wandern, am Fels und im Schnee – so schlägt er sich in der Praxis.

Zustiegsschuh im Test: Adidas Terrex Scope High GTX © Gipfelfieber.com

Zustiegsschuh im Test: Adidas Terrex Scope High GTX © Gipfelfieber.com

Die zweite Generation des Scope High Zustiegsschuhs aus der Terrex-Serie, der Bergsteiger- und Outdoor-Linie von Adidas, feierte im Frühjahr 2015 erst ihre Premiere. Zeit also, sich den noch jungen Frischling am Outdoorschuhmarkt mal anzusehen und genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Schuh wirbt damit, vor allem auf langen Zustiegen und beim Klettern seine Vorzüge zu haben. Ob er das bestätigen kann, habe ich über mehrere Wochen auf verschiedensten Touren, in verschiedenstem Terrain testen können.

Das Design

Der Scope High GTX aus der Terrex-Linie von Adidas © Gipfelfieber.com

Der Scope High GTX © Gipfelfieber.com

Beim ersten Auspacken muss ich etwas schlucken. Ich bin zwar schon immer ein Fan der berühmtesten drei Streifen auf der ganzen Welt, aber schon bei den Fußballschuhen kann ich die Muster, Farben und Geschmacksverirrungen, die einem da in letzter Zeit begegnen, ja eh schon nicht mehr nachvollziehen und irgendwie sieht so auch der Terrex Scope High auf den ersten Blick dann doch gewöhnungsbedürftig aus. Bei der schwarzen Farbgebung, dem dezenten Muster und den drei Streifen gehe ich ja noch mit, die Farbgebung an Schaft und Sohle finde ich allerdings unpassend. Die Akzente in Solar Red (ein grelles Rot mit pinken Anleihen) mögen mir gar nicht gefallen und auch nach ein Wochen gewöhne ich mich daran nur schwer. Die Variante mit blauen Akzenten gefällt mir da besser. Aber ist natürlich alles Geschmackssache und genau wie die bunten und gemusterten Fußballschuhe wird die Variante ihre Anhänger finden.




Der Erstkontakt

Beim ersten Reinschlüpfen ist der Unmut über die Farbgebung schon direkt wieder verflogen. Wer bei Adidas einmal seine Größe gefunden hat, kann den Schuh blind kaufen. Er passt. Und wie! Trotzdessen, dass ich recht breite Füße habe und der Adidas Terrex Scope High GTX von außen recht schmal wirkt, passt er perfekt. Schmiegt sich dem Fuß an als würde ich ihn schon über Monate eingelaufen haben.

Tragekomfort – Eintragen war gestern

Auch bei der Pause angenehm © Gipfelfieber.com

Auch bei der Pause angenehm © Gipfelfieber.com

Das bestätigt sich auch bei der ersten Tour. Reinschlüpfen, binden, los geht`s. Die ersten Minuten, die ersten Höhenmeter vergehen. An keiner Stelle drückt`s, an keiner Stelle fühle ich mich unwohl. Und so geht es weiter. Die ersten tausend Höhenmeter vergehen und es fällt überhaupt nicht auf, dass ich hier einen brandneuen zuvor ungenutzten Schuh einlaufe. Ich bin begeistert. Und auch die kommenden Touren bestätigen das Bild. Einmal – nachdem wir schon zwei Tage hintereinander ein paar Touren gegangen sind – drückt der Schuh am Morgen etwas. Nach ein paar Minuten ist das aber vorbei und der Adidas Terrex Scope High GTX fühlt sich an, als würde man ihn schon Ewigkeiten tragen.

Dazu bei trägt die flexible Bindung des Zustiegsschuhs. Während man im flachen Gelände die Schnürung weniger eng machen kann und so etwas bequemer und lockerer im Schuh sitzt, macht es Sinn, die Terrex Scope High im anspruchsvolleren Gelände wie im Geröll oder im Fels etwas fester zu binden, um ein Mehr an Halt zu bekommen. Den Tragekomfort mindert das zu keiner Zeit.

Für die entsprechende Dämpfung sorgt die in der Sohle verbaute Adiprene-Technologie, die den Aufprall reduziert und den Fuß bei seiner Abrollbewegung unterstützen soll. Hier fällt mir gar kein großer Unterschied zu meinen normalen, weitaus schweren Bergstiefeln auf, so dass der eigentlich als Zustiegsschuh gepriesene Scope High auch bei längeren Abstiegen bis jetzt durchweg eine gute Figur gemacht hat.

Der Grip – Sattelfest

Erforderlich um auch in felsigem Terrain zum Einsatz zu kommen, ist ein guter Grip. Vor allem in schwierigen Klettersteigen, die nicht nur bloße Armkraft, sondern auch Kletterstellen beinhalten, wo mit Reibung geklettert werden muss, ist das wichtig. Und hier weiß der verbaute Stealth-Gummi besonders zu überzeugen. Im Zehenbereich bietet er eine richtige Kletterzone, so dass man hier auch auf einem noch so kleinen Vorsprung Halt findet oder gegenenfalls sogar die Reibung am bloßen Fels ausreicht. Selbst bei Nässe bietet die Sohle einen immer noch sehr ordentlichen Grip.

Einsatzbereich – Vielfalt ohne Ende

Guter Grip am Fels © Gipfelfieber.com

Guter Grip am Fels © Gipfelfieber.com

Im Grunde wird dem Adidas Terrex Scope High GTX der Begriff als Zustiegsschuh nicht gerecht, denn sein Einsatzbereich ist viel größer. Auf langen und manchmal quälenden Zustiegen bewährt er sich natürlich schon allein deshalb, weil er extrem leicht ist (nur etwa 520 Gramm bringt ein Schuh auf die Waage). Allerdings: Ob ich tatsächlich meine Bergstiefel im Rucksack mitschleppe, um sie anschließend in gerölllastigerem Gelände zu tragen, wage ich dann doch zu bezweifeln. In derartigem Gelände steht ein Test noch aus. Durch die feste Sohle und den recht steifen Schaft kann ich mir aber gut vorstellen, dass der eigentliche Zustiegsschuh sich auch hier bewährt. Das Außenmaterial wirkt zwar recht robust, kann aber mit einem Hochgebirgsstiefel nicht mithalten; soll es aber auch gar nicht. Bei Bergtouren, wo nicht mit riesigen Geröllhalden, Schneefeldern oder Gletschern, die Steigeisen erforderlich machen, zu rechnen ist, wird der Adidas Terrex Scope High GTX die Bergstiefel allerdings ablösen.

Den Vorteil des hervorragenden Grips spielt der Schuh vor allem in Klettersteigen aus. Die Griffigkeit ist enorm und man hat bei enger Schnürung wesentlich mehr Gefühl für den Fels als in einem klobigen Bergstiefel, was den Scope High perfekt für auch anspruchsvolle Via Ferrata macht.

Durch sein Gore-Tex-Material bekommt man zudem keine nassen Füße. Im Rio Sallagoni Klettersteig war der ein oder andere Tritt ins kühle Nass unvermeidbar. Die Füße spüren davon nichts. Und auch Schnee kann dem Schuh nichts anhaben. Natürlich ist der Adidas Terrex Scope High GTX für Temperaturen weit unter Null nicht vorgesehen. Knappe Minusgrade und das Stapfen durch Schnee beeinträchtigen in keiner Form. Der Fuß fühlt sich stets trocken und vor allem auch wohltemperiert an.

Preis

Der Adidas Terrex Scope High GTX kostet direkt bei Adidas oder Bergfreunde.de 189,95 €. Die Variante ohne Knöchelschutz kostet 159,95 €.

Fazit

Angepriesen wird der Adidas Terrex Scope High GTX als Zustiegsschuh und schon nach wenigen Testwochen in unterschiedlichstem Terrain wird klar, dass das dem Schuh kaum gerecht wird. Das Potential ist viel größer. Und dabei ist er unglaublich bequem. Ein Eintragen ist quasi überhaupt nicht möglich und so überzeugt er mit persönlichen Abstrichen beim Design im Test vollkommen.


Letzte Änderung: 6. Dezember 2016

2 Antworten zu " Zustiegsschuh im Test: Adidas Terrex Scope High GTX "

  1. […] als der Adidas Terrex Scope High GTX kommt der Boost GTX recht einfach daher und schaut eigentlich wie ein typischer Laufschuh aus. […]

  2. […] Größe blind und wie angegossen. Reinschlüpfen und es kann direkt losgehen. Wie schon beim Terrex Scope High braucht es auch bei dem Adidas Terrex Agravic kein Einlaufen des Schuhs. Er schmiegt sich mit der […]

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