Freeriden in Obertauern – Firnträume im März

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Zwei Tage durfte ich zusammen mit einem Freeride-Guide das Skigebiet in Obertauern durchforsten. Zwei Tage mit perfektem Wetter und wunderbar weichem Firn. Der musste sich aber erstmal verdient werden.

Freeriden in Obertauern © Gipfelfieber.com

Freeriden in Obertauern © Gipfelfieber.com

Von der Skisafari mit Skido in den Dolomiten ging es direkt weiter in die Hohen Tauern nach Obertauern, eigentlich ein Schneeloch, wo sich der Winter jedes Jahr richtig austobt. Dieses Jahr aber nicht, so dass mir Zweifel im Kopf herumspukten, ob das was wird, schließlich stand der Trip ja unter dem Zeichen des Freeridens.

Aber schon beim Abholen am nächsten Morgen stellte Guide Ecki klar, dass durchaus was drin ist. Frühs ist der Schnee zwar noch recht hart. Mit der warmen Sonne aber wird die obere Schicht weich und lässt sich wunderbar fahren. Mit dem Wissen ging es also erst einmal ins Skigebiet. Vom Ort aus ist man wahrscheinlich nirgendwo weiter als fünf Minuten von einem Lift entfernt.

Hike to Ride – Tag 1

Am ersten Tag erkunden wir das Gebiet rund um Seekareck und Seekarschneid. Zunächst geht es mit der Seekareckbahn nach oben. Dort angekommen, heißt es, Board in die Hand und ein paar wenige Meter auf dem Grat in Richtung des Seekareck zu gehen, um gleich darauf in den ersten Hang einzufahren. Die erste Fahrt dient dem Guide erst einmal dazu, die Fähigkeiten einzuschätzen. Ich hab offenbar bestanden…




Über Kehrkopf-, Zentral- und erneut die Seekareckbahn geht es wieder nach oben. Das Board kommt auf den Rucksack. Diesmal gehen wir hinauf zum Seekareck. Kurz anschnallen und zu einem kleinen Kessel abfahren und wieder aufschnallen. Jetzt wird es steil und der Schweiß fließt. Nach etwa 15 Minuten stehen wir am Gipfel der Seekarschneid. Uns liegt das komplette Skigebiet zu Füßen. Von unten dringt Aprés-Ski-Musik nach oben. Aber selbst das kann den Ausblick nicht trüben. Gen Westen ragt der Großglockner heraus. Im Norden das Hochkönigmassiv, im Osten der Dachstein. Durch butterweichen Firn geht es nun wieder zurück ins Skigebiet. Trotz wenig Schnee macht die Abfahrt tierisch Spaß.

Am Nachmittag geht`s zum dritten und letzten Mal auf das Seekareck. Aber es folgt das Highlight: Vom Seekareck geht es in den Kessel hinab. Diesmal wenden wir uns nicht wieder dem Skigebiet zu, sondern der nordwestlichen Seite. Hier kommt die Sonne erst später hin, weshalb die Hänge hier erst am Nachmittag auffirnen. Bis zur Gnadenalm geht es nun hinab.  Auf dieser Seite herrscht absolute Ruhe. Weiter oben können wir sogar ein paar Gemsen beobachten. Die Ruhe hier sollte man aber nutzen. Denn die Pläne, auch diese Seite des Berges zu erschließen, liegen seit Jahren in der Schublade und eine Verbindung mit Zauchensee ist angedacht. Unten angekommen, muss man ein paar hundert Meter zu Fuß über einen Forstweg bis zur Passstraße. Von dort geht es mit dem Bus zurück nach Obertauern. Der Skipass dient dabei auch gleich als Fahrkarte.

Hike to Ride – Tag 2

Am zweiten Tag wenden wir uns von Seekareck und Seekarschneid ab. Gleich am Morgen starten wir vom Ausstieg der Hundskogelbahn in Richtung des gleichnamigen Gipfels. Knapp 15 Minuten dauert der kurze Hike. Die Sonne strahlt hier schon seit dem Morgen auf den Hang und der Schnee ist schon aufgeweicht. Es folgt eine eher kurze Abfahrt und zurück im Skigebiet wenden wir uns der anderen Seite zu und fahren über Gamsleitspitzbahn 1 und 2 bis auf knapp 2200 Meter. Ein kurzes Stück bergab und wieder heißt es, das Snowboard auf den Rucksack zu schnallen und die Teleskopstöcke auszupacken.

360° Panorama vom Hundskogel © Gipfelfieber.com

360° Panorama vom Hundskogel © Gipfelfieber.com

Anfangs gemächlich, später aber ziemlich steil geht es über ausgetretene Stufen hinauf auf die Kleine Kesselspitz. Jetzt wartet eine gigantische Abfahrt. Zunächst geht es in den Kessel zwischen Großer und Kleiner Kesselspitz. Wer sich weit oben hält und nochmals Höhenmeter in Kauf nimmt, kann auch die Große noch mitnehmen und erhält für die Mühe einen weiteren Hang, der sonst den Tourengehern vorbehalten bleibt. Aber auch unsere gewählte Variante ist ein Traum. Fast 1000 Höhenmeter geht es hinab. Im frischen Neuschnee muss die Ecke ein wahres Paradies sein. Aber selbst der weiche Firn sorgt für ein breites Grinsen und jede Menge gute Laune.

Aber meine Lust, noch mehr zu machen, ist ungetrübt und zum krönenden Abschluss nehmen wir so nochmal die Variante über die Gnadenalm in Angriff und sie ist wie am Vortag einfach ein Genuss.

Im Video

In Bewegtbildern sieht das dann wie folgt aus:

Anforderungen

Ein gewisses Maß an Grundkondition sollte man auf jeden Fall mitbringen. Zwar sind die Hikes selten länger als 20 Minuten, aber selbst bei denen kommt man schon gut ins Schwitzen. Zudem gehört eine vollständige Lawinenausrüstung mit in den Rucksack, welche man aber auch vor Ort ausleihen kann. Der Umgang damit sollte aber klar sein.

Hotel Latschenhof

Fährt man einmal durch Obertauern bekommt man das Gefühl, dass es im Ort nichts anderes als Hotels gibt. Und ich denke, das ist von den tatsächlichen Umständen auch nicht allzu weit entfernt. Untergebracht war ich im Hotel Latschenhof, einem 4-Sterne-Hotel, welches bereits seit Generationen von der Familie Lürzer geführt wird. Die Ausstattung ist im alpenländischen Stil eher rustikal als modern gehalten. Finde ich gut. Auch ist im Einbettzimmer genug Platz für mich. Wer etwas höher gewachsen ist als ich könnte im Bett allerdings so seine Probleme haben. Herausragend ist das Abendessen, welches in unzähligen Gängen serviert wird. Sehr kreative und leckere Küche, die einheimische Spezialitäten gekonnt mit modernen Einflüssen kombiniert.

Hütten

Einkehren kann man im Skigebiet in etlichen Hütten. Die Achenrain Hütte ist sehr urig und bietet eine große Außenfläche. Das Essen kommt hier in nahezu rasender Geschwindigkeit. Die Diktnalm ist ein wenig größer und zu Mittag ebenfalls gut frequentiert. Unbedingt probieren: Die selbstgebrannten Schnäpse vom Vater der Chefin. Ein Genuss! Zu exakt dem gleichen Schluss kommt übrigens auch Ute im Blog von derpart!

Preise

In der Nebensaison startet eine Übernachtung im Hotel Latschenhof inkl. Halbpension bei 84 € pro Person im Doppelzimmer. Zu Ostern zieht es nochmal an. Der Skipass kostet am Tag 41 €. Sechs Tage kosten 205 €. Ein Guide zum Freeriden kostet für eine Person etwa 250 € pro Tag. Bei mehreren Personen erhöht sich der Preis nur wenig.

Fazit

Wenn man ohne Erwartungen anreist und mit etlichen Varianten, Eindrücken und  Brillenabdruck durch die Sonne im Gesicht abreist, kann es nur gut gewesen sein. Selbst mit wenig Schnee lässt sich Obertauern auch in diesem Winter abseits der Pisten wunderbar erkunden. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass ich wieder komme.

Mehr Informationen

www.obertauern.com, Obertauern Pistenplan, Hotel Latschenhof, Skischule Grillitsch & Partner


Letzte Änderung: 12. Dezember 2016

2 Antworten zu " Freeriden in Obertauern – Firnträume im März "

  1. […] Tage Freeriden in Obertauern. Mit ganz wenigen Erwartungen gekommen, da die Schneeverhältnisse Mitte März schon keinen Genuss […]

  2. […] vor Weihnachten. Schnee ist immer noch Mangelware. Das Pistenfahren wird langweilig. Freeriden ist noch völlig utopisch. Was also tun? Genau: Karte aufschlagen, Gipfel suchen, Tour […]

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