Via Ferrata Che Guevara – Im Bann des Despoten

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‚Nicht schwer, aber lang’ trifft es wohl am ehesten, wenn man den Che Guevara Klettersteig zwanzig Kilometer nördlich von Riva del Garda beschreiben soll. Wer seine Kondition auf den Prüfstand schicken will, kann das hier in den Sommermonaten tun. Oberhalb eines Steinbruchs gelegen, meint man an heißen Tagen durch einen gewaltigen Parabolspiegel zu steigen.

Via Ferrata Che Guevara - Im Bann des Despoten © Gipfelfieber

Via Ferrata Che Guevara – Im Bann des Despoten © Gipfelfieber

Warum dieser Steig so populär ist, erschließt sich einem nicht ganz, vermutlich liegt es daran, dass es kaum Informationen zu seiner Entstehung gibt und dass ein italienischer Steig, nach einem (nicht nur) kubanischen Revoluzzer benannt ist.

Der Mythos

Fast schon legendär, wie der Namensgeber selbst, mutet auch die recherchierte Geschichte an. Ein einzelner Mann soll ihn Mitte der 90er Jahre in monatelanger Arbeit errichtet haben und die 1,1 Kilometer Stahlseil und Klammern selbst auf den Berg geschafft haben. Dabei soll er auch am Berg geschlafen haben, in einem Biwak circa 200 Meter über dem Einstieg. Ein elektrisch beleuchtetes Metallkreuz soll sich dort heute noch finden. Dieser Mann soll ein großer Verehrer von Che Guevara gewesen sein und hat ihm „seinen“ Steig gewidmet.
Ob hier ein doppelter Personenkult betrieben wird oder einzelne Personen glorifiziert und zu Legenden erklärt werden, darüber bleibt am Steig sicher genug Zeit zu sinnieren.




Ausgangsort

Vom Gardasee kommend am Ende des kleines Örtchens Pietramurata (254 m) biegt man links ins Industriegebiet ab, um den gut ausgeschilderten Parkplatz am Ende der Straße zu finden. Von hier aus geht man zwischen Gebäuden immer noch gut beschildert bis in den Wald links vom Steinbruch. Ab hier wird’s dann spannend – wie so oft in Italien – wird auch hier wieder an Markierungen gespart und zahlreiche Pfade im dichten Kiefernwald laden zur Erkundung ein.

Irgendwie finden wir dann aber nach einer halben Stunde doch noch den Einstieg.

Im Che Guevara Klettersteig

Der gesamte Steig ist technisch nicht sonderlich anspruchsvoll und bietet auch keine Überraschungen, im Prinzip handelt es sich um ausdauerndes Bergsteigen, was in den Sommermonaten durch die Südostausrichtung der Wand fordernd wird. Der Steig bietet zwar einen unglaublichen Weitblick durch das gesamte Tal bis hinab zum Gardasee, der Blick fällt aber die meiste Zeit auf den darunter liegenden Steinbruch und das Industriegebiet – über die schöne Aussicht lässt sich also streiten.

Gleich zu Beginn kommt mal ein knackiges Stück mit glattem Fels, was man als eine der schwereren C-Passagen bezeichnen kann. Sonst wechselt der Che Guevara Klettersteig zwischen kurzen Gehpassagen und leichter Kletterei (A/B), die nur durch die Ausgesetztheit Motivation genug ist, gesichert zu gehen.

Hin- und wieder findet man Höhenangaben im Steig an den Fels gesprayt und weiß somit was noch vor einem liegt. Im oberen Viertel geht es dann stellenweise durch Wald, teilweise auf Trampelpfaden bis man noch einmal circa drei Höhenmeter kletternd überwinden muss (komplette Topo).

Nachdem man dann die letzten Kehren überwunden hat, steht man auf einmal auf dem Gras bewachsenen Monte Casale und fühlt sich hier kurz ins mittelerdische Rohan versetzt.

Hinter uns liegen jetzt 1375 Höhenmeter Aufstieg, rechts das Gipfelkreuz und links die nur an Wochenenden bewirtschaftete Hütte Rifugio Don Zio, was uns mit Blick auf unsere Wasservorräte etwas nachdenklich stimmt.

Der Abstieg

Abstieg nach Sarche © Gipfelfieber

Abstieg nach Sarche

Jetzt kommt die eigentliche Qual. Der Abstieg beginnt kurz hinter der Hütte in lichtem Buchenwald. Der Kalkstein verrät es bereits: Auch hier werden wir kein Wasser finden. Obwohl sich bereits Wolken über den Himmel schieben, bleibt die Hitze und die Wasservorräte sind schnell aufgebraucht. Effektiv kämpfen wir uns drei Stunden durch den schlecht beschilderten Wald um völlig entkräftet und durstig unten in der kleinen Ortschaft Sarche zu stehen. Von hier aus folgt noch ein halbstündiger Marsch zum Auto, mitten durchs Weinanbaugebiet – die örtlichen Weinbauern mögen uns vergeben, dass wir Hunger und Durst an ihren Reben gelöscht haben. Mit zweitem Auto, oder vorpositionierten Mountainbikes, kann man sich den Abstieg wesentlich leichter machen.

Fazit

Alles in allem waren wir uns einig, dass der Che Guevara Klettersteig kein zweites Mal sein muss. Mit diesem Ergebnis stimmt auch der Großteil der Kommentatoren in einschlägigen Foren überein. Der Steig ist, wie bereits erwähnt, nur eine konditionelle Herausforderung. Im Sommer kann man gar nicht soviel Wasser mittragen wie man eigentlich braucht.

Lockere Sache oder Anstrengung pur? Deine Meinung? Schreib es in die Kommentare!


Letzte Änderung: 5. Dezember 2016

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