Frischluft Kick am Persailhorn: Klettersteig-Rundtour im Steinernen Meer

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Das Persailhorn ist mit seinen 2.347 m Höhe einer der markanten Eckpfeiler des Steinernen Meers. Die beiden Klettersteige auf seinen Gipfel lassen sich perfekt zu einer Rundtour kombinieren. 

Frischluft Kick am Persailhorn: Klettersteig-Rundtour im Steinernen Meer © Gipfelfieber
Frischluft Kick am Persailhorn: Klettersteig-Rundtour im Steinernen Meer © Gipfelfieber

Langsam färben sich erst die Wolken, dann werden die Bergspitzen am Horizont in glühendes Morgenlicht getaucht bis schließlich der erste Sonnenstrahl über den Kamm uns genau in die Augen blinzelt. So romantisch die Vorstellung ist, die Realität sieht an diesem Morgen anders aus.



Schweigsame Morgenstunde

Bereits um 4 Uhr geht es mit verschlafenen Augen vor den Toren von Saalfelden am Steinernen Meer im Ortsteil Bachwinkl auf große Tour. Im Schein der Stirnlampen werden nach der kurzen Nacht schnell die ersten Höhenmeter zurückgelegt. Die Teilnehmer des Bergzeit Frischluft Kicks, die sich zu einem dreitägigen Abenteuer in Leogang getroffen haben, tun vor allem eins: Schweigen.

So geht es im Dunkeln rasch bergauf. Viel zu rasch. Bereits nach einer knappen Stunde erreichen wir den von Bergführer Markus auserkorenen Sonnenaufgangsbeobachtungspunkt. Die Sonne lässt aber noch lange auf sich warten und so sitzen wir da und warten. Erst langsam wird es irgendwo hinter dem mächtigen Kamm, der das Steinerne Meer nach Süden begrenzt, heller. Trotz Hitzesommer wird es am frühen Morgen vor allem eins: Immer frischer.


Eine besonders beeindruckende Färbung des Himmels will sich auch nicht einstellen. Offenbar schmiegen sich irgendwo – unsichtbar für uns – Schleierwolken vor den morgendlichen Sonnengruß.

Frühstück auf der Peter Wiechenthaler-Hütte

Beim weiteren Aufstieg zur Peter Wiechenthaler-Hütte wird es dagegen schnell wieder warm. Noch knapp 30 Minuten sind es, in denen wir den Wald langsam verlassen, uns zwischen Unmengen an Latschen wiederfinden und kurze Zeit später, ein grandioses Hüttenfrühstück vernaschen. Frische Semmeln, Eier mit Speck. Herz, was willst du mehr?

Unser eigentliches Ziel – das Persailhorn – tut sich nun so richtig markant hervor, während wir auf seine Westflanke zusteuern. Nachdem wir am Tag zuvor von Markus im Klettergarten bei Weißbach bei Lofer in die Grundlagen des alpinen Felskletterns eingewiesen worden und unsere ersten Geh- beziehungsweise Kletterversuche am echten Fels gemacht haben, stehen heute zwei Klettersteige auf dem Programm.

Der Wildental-Klettersteig

Der Wildental-Klettersteig führt uns zunächst gen Norden, wo die Felswände von Praghorn, Finsterbachkopf und Windbachkopf die eindrucksvolle Aussicht begrenzen. Zahlreiche Gämsen lassen sich nicht von uns beeindrucken. Nach dem Anlegen des Klettersteigsets und des obligatorischen Helms kann es losgehen.

Die sogenannte Wastlpromenade, eine ausgesetzte Querung mit viel Luft unter dem Hintern, ist das erste Highlight des Wildental-Klettersteigs. Bis hierhin sind die versicherten Stellen nicht wirklich anspruchsvoll und auch für Klettersteig-Neulinge gut zu machen. Von denen haben wir beim Bergzeit Frischluftkick gleich mehrere dabei. Trotzdem kommt keiner der Teilnehmer bei den Schwierigkeiten, die sich nie höher als B/C bewegen, an seine Grenzen.

Im Gegenteil: Der Wildental-Klettersteig auf das Persailhorn macht richtig Spaß. Echter Felskontakt, hier und da eine Stelle, wo man richtig zupacken muss. Und ganz viel Genuss. In der schattigen Nordwand geht es über Leitern das Jagadiener Wandl nach oben, einem Kamin und einer etwas ausgesetzteren Stelle folgt ein letzter (und langer) Anstieg zum Gipfelkreuz.

Zum Gipfelkreuz? Nicht wirklich, denn auf dem Gipfel des Persailhorns steht keins. Stattdessen schmückt eine Madonnenstatue, die hier 2010 errichtet wurde, den höchsten Punkt. Die Madonna wurde wie auch das ungleich bekanntere Gipfelkreuz der Schönfeldspitze vom Bildhauer Anton Thuswaldner aus Kaprun geschnitzt.

Dem warmen Sommer trotzt die Schneegrube unterm Gipfel des Persailhorns gerade noch so. Pünktlich zur Sommersonnenwende wird hier ein riesiges Edelweiß entzündet, dessen Reste noch immer sichtbar sind. Im Norden stechen Großer Hundstod und die Watzmann-Südspitze hervor, während sich der Hochkönig samt Königsjodler in dichte Wolken hüllt. Im Osten begrenzen die Loferer Steinberge und das Große Ochsenhorn die Weitsicht.

Der Südwand-Klettersteig

Wer nicht über das Mitterhorn zum Riemannhaus oder Ingolstädter Haus weitergehen möchte, dem bietet sich mit dem Südwand-Klettersteig eine interessante Alternative für den Abstieg.

Über das letzte Stück am Grat geht es zurück zu einem markanten Wegweiser. Wer keine Lust auf weitere Drahtseilakte hat, kann auch dem alten Normalweg folgen, der noch schwach markiert über die Westflanke relativ gerade hinab zurück zur Hütte führt. Der durchaus Steinschlag gefährdete Abstieg beinhaltet die ein oder andere leichte Kletterstelle.

Wir folgen dem Abzweig zum Südwand-Klettersteig. Ein Helm ist hier Pflicht, denn auch wenn das Gelände selten richtig steil ist, liegt doch allerhand loses Gestein herum, das nur darauf wartet, losgetreten zu werden. Die Schwierigkeit B wird dagegen nie überschritten. Meist bewegt sich der Südwand-Klettersteig im Bereich A/B. Mehrere Leitern, mal steil, mal weniger steil, führen durch die Südwand des Persailhorns. Eine letzte lange Leiter später ist der Ausstieg des Klettersteigs erreicht, schrofiges Gelände und ein letztes Drahtseil führen an die Weggabelung oberhalb der Peter Wiechenthaler-Hütte, die nach weiteren 15 Minuten erreicht ist.

Über den Aufstiegsweg geht es parallel zur Materialseilbahn hinab nach Saalfelden und dem morgendlichen Startpunkt zurück.

Fazit

Die mittelschwere, aber konditionell herausfordernde Tour auf das Persailhorn kombiniert den Wildental- und den Südwand-Klettersteig zu einer perfekten Rundtour auf den 2.347 m hohen Gipfel am Rand des Steinernen Meeres. Mit der Peter Wiechenthaler-Hütte wartet eine besonders urige Einkehr.

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