Reise-Reportage: Schneeschuhwandern und Polarlichter in den Lyngenalpen

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Auf Schneeschuhen entdecken wir die Lyngenalpen in Norwegen, erleben die Magie der Nordlichter und lernen die Faszination des Nordens zu verstehen. 

Lyngenalpen über dem Lyngenfjord © Gipfelfieber
Lyngenalpen über dem Lyngenfjord © Gipfelfieber

Rund um Tromsø ganz weit im Norden Norwegens sind die Berge gar nicht mal so hoch. Nur bis knapp 1.400 m ragen sie in den Himmel. Und bilden doch eine imposante Kulisse, die beim Landeanflug in die nördlichste Großstadt Norwegens 344 Kilometer nördlich des Polarkreises besonders eindrucksvoll ist. Eine durchgehende Schneedecke reicht von den Gipfeln bis hinunter zum Meer. Potentielle Abfahrtslinien soweit das Auge reicht.

Aber dafür sind wir gar nicht hier. Mit Schneeschuhen wollen wir die Lyngenalpen etwas östlich von Tromsø erkunden und dabei tief in eine Welt eintauchen, die entschleunigt und einfach zufrieden macht.

Das sind die Lyngenalpen

Knapp 90 Kilometer lang erstrecken sich die Lyngenalpen etwa 1,5 Stunden östlich von Tromsø zwischen dem Ullsfjord und dem Lyngenfjord. Mit 1.834 Metern Höhe ist der Jiekkevárri der höchste Berg von Lyngen.

Mit “unseren” Alpen teilen sich die Lyngenalpen allerdings nur wenig. Touristisch ist die Region nur wenig erschlossen, auch wenn sich die Lyngenalpen in letzter Zeit stärker werdender Beliebtheit erfreuen und vor allem im Frühjahr den gehypten Lofoten als Ziel für Skitourengeher entgegen treten.

Elizabeth Alice Hawkins-Whitshed (auch Elizabeth Alice Aubrey Le Blonde) ist ein Name, der im Zusammenhang mit der Entdeckung der Lyngenalpen nicht fehlen darf. Elizabeth galt zum Ende des 19. Jahrhunderts als die berühmteste Bergsteigerin ihrer Zeit. Nachdem sie in den Alpen große Touren bald ohne Führer – damals “unschicklich” für eine Frau – absolvierte, erkundete sie Lyngen in den Jahren 1897 bis 1899, wo sie zusammen mit Josef Imboden und seinem Sohn zahlreiche Erstbegehungen und Erstbesteigungen durchführte. Ihr im Jahr 1908 erschienenes Buch “Mountaineering in the land of the midnight sun” gilt als wichtigstes Frühwerk zur alpinistischen Erschließung der Lyngenalpen.

Und doch: Auch wenn die Lyngenalpen heute hinreichend entdeckt sind, so gibt es kein zusammenhängendes Wegenetz wie wir es aus den heimischen Alpen kennen. In der Natur unterwegs zu sein, fühlt sich so noch deutlich rauer und urtümlicher an.

Das gilt gerade auch in der dunklen Jahreszeit, wenn die Sonne zwischen Ende November und Mitte Januar gar nicht mehr am Himmel steht. Wenn sie im Februar langsam wieder über den Horizont kommt und die immer noch kurzen Tage in ein oranges Sonnenauf- und Sonnenuntergangslicht taucht, bekommen die Touren, ob mit Schneeschuhen oder Ski, eine ganz eigene Romantik.

Mit Schneeschuhen durch die Lyngenalpen

Still starten die Tage am Fjord, oft noch geht es im Dunkeln los, um die kurze Zeit mit Tageslicht möglichst gut auszunutzen. Bald schon knirscht der Schnee unter den Sohlen. Eine Elchkuh und ihr Junges galoppieren aufgeschreckt durch den frischen Schnee davon. Kurz beäugen sie uns noch skeptisch aus sicherer Distanz, um schließlich ganz das Weite zu suchen. Es dauert nicht lang bis die spärliche Vegetation ganz unter uns liegt und die Blicke hinab und weit über das Meer reichen.

Selten treffen wir auf andere Schneeschuhwanderer. Ab und an vereinzelte Skitourengeher, oft aber auch einfach niemanden. Am Blåisvatnet See ist es geradezu gespenstisch still. Umgeben von steil aufragenden Felsen und dem Gletscher, der über die steile Wand zu ragen scheint.

Etwas geselliger ist es im nahen Café unmittelbar neben der Shrimp-Fabrik in Lenangsøyra, nördlich von Svensby. Bei Kaffee und Kuchen trifft man sich während ein aufkommender Schneesturm Land und Meer vor den Fenstern eins werden lässt.

Zurück in Koppangen steht wie so oft frischer Fisch auf der Speisekarte. Immer mit einem Blick nach draußen, um bloß keine Nordlichter zu verpassen.

Die Magie der Polarlichter

Die dunkle Jahreszeit ist auch die Zeit der Polarlichter, die über dem Polarkreis zwischen Herbst und Frühjahr besonders gut beobachtet werden können. Das Nordlicht – die Aurora Borealis – tanzt dann am Himmel, vorausgesetzt der wird nicht von dichten Wolken verdeckt.

Polarlichter entstehen durch elektromagnetische Teilchen des Sonnenwinds, die in den Polregionen auf das Magnetfeld der Erde treffen. Die sorgen dann für das markante grüne Leuchten am Himmel. Sind die Polarlichter nur schwach, lässt sich mit bloßem Auge meist ein weißlicher Schleier, der über den Himmel wabert, erkennen. Eine Bestätigung, ob das wirklich Polarlichter sind, liefert spätestens die Kamera oder das Smartphone, wo das grüne Schimmern schon deutlich eher als mit bloßem Auge erkennbar ist.

Touren in den Lyngenalpen

Im Rahmen einer Reise mit Alpine Welten haben wir einige Schneeschuhtouren in den Lyngenalpen in Nordnorwegen unternommen. Das sind die Highlights:

Storhaugen

Der Storhaugen liegt genau genommen gar nicht mehr in den Lyngenalpen, sondern auf der gegenüberliegenden Seite des Lyngenfjords. Von Lyngseidet setzen wir mit der Fähre nach Olderdalen über. Beim Aufstieg von Djupvik zur Dalberghytta bietet sich der grandioseste Blick auf die Lyngenalpen (siehe Titelbild) am anderen Ufer des Fjords. Während unserer kurzen Pause auf der Hütte tobt ein Schneesturm vor der Tür, der aber so plötzlich wieder verschwunden wie er gekommen ist. Über den weitläufigen Nordrücken geht es schließlich zum Gipfel auf 1.142 m.

Lyngstuva Leuchtturm

Der Lyngstuva Leuchtturm liegt am nördlichsten Punkt der Lyngenalpen. Von Russelva führt eine einfache Wanderung immer an der Küste entlang bis an die Nordspitze der Lyngen-Halbinsel. Hier bietet sich ein fantastischer Ausblick auf das Europäische Nordmeer und die vielen Inseln.

Rørneshytta

Im südlichen Teil der Lyngenalpen unweit von Lyngseidet führt eine einfache Schneeschuhwanderung bis zur Rørneshytta, die in einem Kessel zwischen Rørnestinden, Kvalvikfjellet und Golsavarre eingebettet liegt. Von der Hütte und während der ganzen Tour gibt`s einen herrlichen Ausblick auf den zu Füßen liegenden Lyngenfjord.

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Fazit

Wintertouren in einer einzigartigen Landschaft mit einer Stille, die ihresgleichen sucht. Das sind die Lyngenalpen im Norden Norwegens weit über dem Polarkreis und wo sich in den Wintermonaten Polarlichter beobachten lassen. Mit etwas Glück lassen sich Wale oder Delfine beobachten.

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