Im Test: Zanier Aviator GTX – Am Nordpol zu Hause

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Die Zanier Aviator GTX sind Handschuhe für den Wintersport oder zum Gleitschirmfliegen. Der Clou ist die integrierte Heizung. Wie gut das funktioniert und wie warm die Finger tatsächlich bleiben, habe ich einen Winter lang getestet. 

Im Test: Zanier Aviator GTX - Am Nordpol zu Hause © Gregor Snell

Im Test: Zanier Aviator GTX – Am Nordpol zu Hause © Gregor Snell

Ursprünglich waren die Zanier Aviator GTX Handschuhe – der Name sagt es schon – für Gleitschirmflieger konzipiert. Wer mit dem Schirm in die Luft geht, weiß, dass es selbst in der eigentlich warmen Jahreszeit oben schnell mal kühl werden kann. Erst recht bei winterlichen Gleitschirmflügen. Wenn sie in der Luft schon eine gute Figur abgeben, warum dann nicht auch am Boden? Gerade für Frostbeulen wie mich könnte das die Lösung für eisig kalte Tage am Gletscher sein.




Fakten & Design

Zanier Aviator GTX © Zanier

Zanier Aviator GTX © Zanier

Die Österreicher von Zanier liefern den Aviator GTX mit einem Material-Mix aus Ziegenleder, Amara und 4-Wege-Stretch aus. An den Fingerkuppen kommt eine Silikonbeschichtung zum Einsatz. Die Gore warm-Membran soll für absolute Wind- und Wasserdichte sorgen und die Handschuhe, die damit ausgestattet sind, zu den wärmsten am Markt machen. Als Füllmaterial setzt Zanier auf die Kunstfaser Primaloft. Die mitgelieferten Akkus (je zwei mal zwei pro Handschuh) haben insgesamt eine Kapazität von 10.400 mAh und versprechen so bis zu zwanzig Stunden Heizdauer. Ein Handschuh wiegt ohne Akkus 158 g, mit eingebauten Akkus 292 g.

In einfachem Schwarz und Grau mit ein paar Akzenten in Rot setzt der Zanier Aviator GTX auf Understatement, ohne groß auffallen zu wollen. Weitere Farbvarianten gibt es nicht. Braucht es aber auch nicht.

In der Praxis

Und wie schlagen sich die Handschuhe in der Praxis? Getestet beim Snowboarden von kalt bis sehr kalt. Unterwegs auf Touren mit dem Splitboard und beim winterlichen Bergsteigen.

Erster Eindruck

Puh, sind die riesig, denke ich mir als ich die Handschuhe zum ersten Mal auspacke. Die Verarbeitung wirkt auf den ersten Blick sehr wertig und robust. Auch die Passform ist erstaunlich gut, trotz dass die Handschuhe so groß wirken. Die Box, in der die Zanier Aviator GTX geliefert werden, macht sich auch gut als dauerhafte Lagerung, denn so bleiben die Akkus und das Ladegerät an einem Ort und verschwinden nicht in den Tiefen des Ausrüstungsschreins.

Wärmeleistung

Zanier Aviator GTX Akku-Fach © Gipfelfieber

Zanier Aviator GTX Akku-Fach © Gipfelfieber

Schon bei der ersten Anprobe wird klar, dass die Handschuhe vor allem eins sind: Warm. Beim Snowboarden, ob auf Tour oder im Skigebiet, beim Bergsteigen am frostigen Gipfel sind sie bei knappen Minusgraden den ganzen Tag wunderbar warm. Und das schon ohne eingeschaltete Heizung.

Braucht es doch die Heizung ist die über einen langen Druck auf den Button am Handrücken schnell eingeschaltet. Auch mit angezogenem Handschuh stellt das kein Problem dar. Mit weiterem langen Drücken wird die nächsthöhere Wärmestufe aktiviert. Während man die niedrigere und mittlere Stufe eher subtil wahrnimmt, wird es auf der höchsten Stufe schnell richtig warm. Wobei empfehlenswert ist, nach dem Aufwärmen, einen Gang runter zu schalten. Andernfalls fangen die Hände an zu schwitzen und die Feuchtigkeit sammelt sich im Handschuh.

Die Heizdrähte sitzen genau da, wo sie beim Auskühlen als erstes benötigt werden: In den Fingern. Das ist durchdacht und funktioniert hervorragend. Kalte Hände sind von nun an ausgeschlossen. Auch wenn es noch tiefer ins Minus geht.

Materialcheck

Zanier Aviator GTX © Gipfelfieber

Zanier Aviator GTX © Gipfelfieber

Das Material macht auch nach einer kompletten Wintersaison und etlichen Tagen auf diversen Touren einen sehr guten Eindruck. Gebrauchsspuren gibt es kaum bis keine.

Mit einer Ausnahme: Die gummierten Fingerkuppen machen nicht den stabilsten Eindruck und es scheint, als würden die nicht mehr allzu lang durchhalten. Zu einer weiteren Schwachstelle könnte sich der Reißverschluss an dem Fach für die Akkus entwickeln. Der ist verklebt und wirkt nicht zu 100 % akkurat verarbeitet. Falls hier Probleme auftreten, werde ich den Testbericht aktualisieren.

Smartphone Bedienung

An den Zeigefingern gibt es extra Einsätze, die die Bedienung am Smartphone ermöglichen sollen. Das mag sporadisch funktionieren. Deswegen die Handschuhe zu kaufen, wäre aber falsch. Denn leider funktioniert es viel zu selten wirklich. Im Grunde ermöglicht es auf den kleinen Smartphone-Tastaturen auch keine Texteingabe und wenn dann nur mit sehr sehr viel Geduld. Und ein Tablet mit entsprechend großen Tasten wird man wohl kaum dabei haben. Die bessere Lösung sind da die eingebauten Sprachassistenten wie Siri auf dem iPhone und Google Now auf Android-Geräten. Oder es bleibt einfach mal in der Tasche.

Die Akkus

Zanier Aviator Akkus © Gipfelfieber

Zanier Aviator Akkus © Gipfelfieber

Insgesamt passen in jeden Handschuh gleich vier Akkus mit einer Kapazität von insgesamt 10.400 mAh. Zum Vergleich: Der im iPhone 7 verbaute Akku hat eine Kapazität von 1960 mAh, der des Samsung Galaxy S7 kommt sogar auf 3000 mAh. Pro Handschuh kommt beim Einsetzen aller Akku ein Gewicht von 134 g dazu. Wer weiß, dass er nicht allzu lang unterwegs ist, kann auch nur zwei statt vier Akkus einsetzen.

Das ist beim ersten Mal ein bisschen Frickelei, aber es funktioniert. Akkus und dazugehörige Kabel (die könnten etwas kürzer sein) verschwinden problemlos im vorgesehenen Fach im langen Stulpen des Zanier Aviator GTX. Und überraschenderweise merkt man von denen angezogen überhaupt nichts.

Die Laufzeit der Akkus gibt Zanier mit bis zu 20 Stunden in der niedrigsten Heizstufe, mit bis zu 8 in der mittleren und mit bis zu 5 Stunden in der höchsten Stufe an. Ans Limit bringen konnte ich die Handschuhe bisher noch nicht. Selbst zwei Tage auf Tour ohne zwischenzeitliches Laden und einem Ab-und-An-Einschalten der Heizdrähte hat die Akkus nicht erschöpft. Die angegebenen Daten scheinen also realistisch zu sein. Eine Ladestandsanzeige wäre praktisch, fehlt aber.

Geladen werden sie über ein mitgeliefertes Ladegerät. Leider mit einem eigenen Anschluss, so dass das Ladegerät des Smartphones nicht aushelfen könnte, hat man im Winterurlaub das Original zu Hause liegen lassen.

Preis

Der Listenpreis der Zanier Aviator GTX Handschuhe liegt bei satten 350 € (Bergzeit). Eine durchaus stolze Summe. In den Weiten des Internets (u.a. bei Amazon) lassen sich aber gut und gerne bis zu 100 € sparen, was die beheizten Handschuhe ungleich attraktiver macht.

Fazit

Die Zanier Aviator GTX Handschuhe mit ihrem integrierten Heizsystem sind ein toller Begleiter für Wintersportler und Gleitschirmpiloten, die schnell fröstelnde Finger bekommen. Beim Tourengehen mit dem Splitboard, beim Snowboarden im Skigebiet und beim winterlichen Bergsteigen getestet, halten sie die Hände warm und sorgen bei Bedarf für einen gehörigen Wärmeschub. Einzig der hohe Preis trübt das Gesamtbild etwas.

Einen Testbericht aus Sicht eines Gleitschirmfliegers gibt es bei Lu-Glidz.


Letzte Änderung: 5. Dezember 2016

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