Ein Wintertraum in blau-weiß: Splitboardtour zum Joch

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Die Skitour zum Joch in den Lechtaler Alpen führt weitgehend durch einfaches Gelände und ist schnell geschafft. Wenn sich dann der Winter von seiner besten Seite zeigt, ist es einfach perfekt.

Ein Wintertraum - Splitboardtour zum Joch © Gipfelfieber.com

Ein Wintertraum – Splitboardtour zum Joch © Gipfelfieber.com

Es ist Dienstag Morgen und der Wecker klingelt richtig früh. Frischer Schnee, perfekte Wettervorhersage, es gibt keinen Grund auch nur eine Sekunde länger im Bett zu bleiben und den Vormittag nicht für eine kurze Tour zu nutzen. Klar, von München eine Skitour (bzw. Splitboardtour) mal eben auf die Schnelle klappt meist eben doch nicht ganz so schnell. Mindestens eine Stunde braucht man in der Regel doch bis zum Startpunkt, außer man möchte den Olympiaberg als Skitour machen. Der Spaß ist wahrscheinlich eher kurzweilig. Hier braucht es sogar fast zwei Stunden bis zum Ausgangspunkt. Dafür startet man schon relativ weit oben und spart sich so nicht enden wollende Forststraßen und Waldschneisen.

Zum Ausgangspunkt

Die Skitour startet im kleinen Örtchen Mitteregg auf etwa 1350 Meter Höhe. Von München kommend fährt man bis Garmisch, vorbei an der Zugspitze bis Leermoos, weiter Richtung Reutte bevor man in Bichlbach links abzweigt. Kurz hinter Berwang folgt man nicht der Beschilderung in Richtung Lechtal, sondern der nach Mitteregg. Hier heißt es gute Winterreifen oder sogar Schneeketten im Gepäck zu haben. Gerade nach Neuschneefällen kann die Straße hier etwas „wild“ sein. Im Ort direkt beim Gasthof warten nur wenige Parkplätze. Früh kommen, lohnt sich auch deshalb.




Aufstieg über weite Hänge und Schneisen

Der Einstieg ist gut erkennbar, selbst wenn noch keine Spuren im Hang sind. In langen Kehren wird der erste Anstieg hinter sich gebracht bis es in einer Schneise zwischen Lawinenverbauung und einem kleinen Waldstück etwas enger und steiler wird. Die Schneise öffnet sich nun mehr und mehr, passiert einen Forstweg, über den man aufsteigen kann, wenn man direkt im Ort keinen Parkplatz mehr gefunden hat und führt vorbei an malerischen kleinen Hütten mit kleinen Aufbauten, die wohl fürs Jagen gedacht sind. Die Sonne kommt nun langsam über den süd-östlichen Bergkämmen hervor und taucht die Umgebung in ein Winterwunderland. Der frische Pulverschnee glitzert während die Sonnenstrahlen trotz der Minusgrade eine leichte Wärme ins Gesicht zaubern. Aber das strahlt sowieso genug, denn ich kann mich kaum satt sehen, mache Foto um Foto und vergesse zwischendrin fast, auch mal weiter zu gehen, schließlich war ja eine schnelle Tour geplant.

Schon bald hat man den ersten freien Blick auf den Gipfel vom Joch und auch der weitere Anstieg ist klar und nicht zu verfehlen. Weiter durch eine Waldschneise, vorbei an kleinen Hütten bis zu einem kleinen Plateau unterhalb des letzten Anstiegs. Hier wird es steiler und der Wind hat den frischen Schnee schon wieder verblasen, weswegen es zumindest beim Splitboard Sinn macht, die Harscheisen zu montieren (ja ja, der Skitourengeher lacht schelmisch). Der letzte Anstieg über den Westrücken zieht sich nochmal ein bisschen, ist aber irgendwann auch geschafft und das kleine unscheinbare Gipfelkreuz vom Joch (2052 m) bedeutet dann, dass die Anstrengungen nun vorbei sind.

Am Gipfel vom Joch

Jetzt heißt es Genießen. Und das ist ganz einfach. Es reicht den Blick schweifen zu lassen. Hinunter in die umgebenden Täler, die sich im perfekten Winterkleid präsentieren. Im Osten die Zugspitze, die von hier nur wie ein Berg unter vielen wirkt, die Lechtaler Alpen zu Füßen im Westen, Ammergauer Alpen und Allgäu im Norden. Dazu blauer Himmel und Sonnenschein. Wie im Bilderbuch. Ein Traum. Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Die Abfahrt

Aber irgendwann heißt es Abschied vom Gipfel des Jochs zu nehmen. Noch schnell das Board zusammenbauen, die Felle verstauen und die Brille raus. Der Südhang lockt mit einer langen und unverspurten Abfahrt. Hiervon sollte man aber ganz schnell wieder Abstand nehmen, denn die Lawinengefahr ist dort beträchtlich. Weiter unten sah man schon von weitem wie sich ein großes Schneebrett ohne Fremdeinwirkung gelöst hat. Daher sollte man unbedingt wieder so abfahren wie man aufgestiegen ist. Für die nördlich vom Westgrat liegenden Hänge gilt das gleiche. So geht es dann in wenigen Minuten wieder bis zum Ausgangspunkt zurück, immer der Aufstiegsspur folgend. Am letzten weiten Hang kann man dann nochmal richtig weit ausholen (die Lawinengefahr dürfte hier unten wesentlich geringer ausfallen).

Schnell ist dann alles wieder im Auto verstaut und es geht zurück. Mit Erinnerungen an eine Skitour im Gepäck, die so schnell nicht verblassen werden.

Fazit

Die Skitour (bzw. Splitboardtour; oder alternativ mit Schneeschuhen) auf das Joch ist ein kurzer und leichter Abstecher in die Lechtaler Alpen, bei der es nur am Ende hin etwas steiler wird. Das Gefahrenpotential ist bei falscher Spurwahl erheblich, bei der Abfahrt über den Aufstiegsweg allerdings als relativ gering einzuschätzen*. Das wahre Highlight ist aber das Drumherum: Die winterlichen Lechtaler Alpen an einem schlicht und einfach perfekten Tag.

*Das erspart natürlich nicht den Check des Lawinenlageberichts, das Prüfen der tatsächlichen Lage vor Ort und das Mitführen der entsprechenden Sicherheitsausrüstung wie LVS-Gerät, Sonde, Schaufel und womöglich zusätzlich einem Airbag-Rucksack.


Letzte Änderung: 6. Dezember 2016

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