Rund um das Karwendelhaus – Königstour auf die Birkkarspitze

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Eingebettet zwischen der Nördlichen Karwendelkette und der Karwendelhauptkette liegt das Karwendelhaus. Von dort startet die klassische Tour über den Brendelsteig, der über die Ödkarspitzen und auf die Birkkarspitze führt.

Rund um das Karwendelhaus - Königstour auf die Birkkarspitze © Gipfelfieber.com

Rund um das Karwendelhaus – Königstour auf die Birkkarspitze © Gipfelfieber.com

Schon eine ganze Weile schweben mir die zahllosen Gipfel im Karwendel vor, aber so recht dazu gekommen, bin ich noch nicht. Für ein paar Gipfel im Vorkarwendel und das Gamsjoch hat es gereicht, aber so richtig in die schroffe und zugleich karge Bergwelt des Karwendels bin ich bis dato noch nicht vorgestoßen. Was sich an drei Tagen im September nun endlich ändern sollte.

Zum Karwendelhaus

Wir passieren den Sylvensteinstausee und Vorderriß und halten, ständig die mächtigen Erhebungen, die geradezu abweisend wirken, vor Augen, auf Hinterriß und die Nördliche Karwendelkette zu. Vorbei geht es am Museum des Alpenparks und weiter auf die Mautstraße in Richtung Eng (3,50 € am Tag). Nach etwas mehr als einem Kilometer lassen wir das Auto auf dem Parkplatz zur Rechten zurück.

Von nun an geht es meist nur mäßig steil, aber dafür lang durch das Johannistal hinauf, immer geradewegs auf die Moserkarspitze zu, die von hier unbezwingbar aussieht. Der Weg macht bald einen Schwenk nach rechts und wir passieren den kleinen Ahornboden, wo die Blattfärbung schon langsam eingesetzt hat. Ende September dürfte das farbige Spektakel hier seinen Höhepunkt erreichen.

Hier trennen sich die Wege der Wanderer und derjenigen, die mit dem Mountainbike unterwegs sind. Es geht weiter unschwierig und nur leicht ansteigend bis zum Hochsattel auf 1800 Meter und von dort etwa fünf Minuten wieder ein paar Höhenmeter bergab zum Karwendelhaus.

Hier sollte unbedingt reserviert haben. Wer nicht im vollen Lager nächtigen möchte, bucht am besten lange vorher ein Zimmer und hofft dann auf das Wetter. Am Abend lassen wir uns verköstigen. Hüttenwirt Andreas setzt sich kurz an jeden Tisch, klärt über das Wetter des kommenden Tages auf und gibt Tipps für die bevorstehenden Touren. Und weist uns darauf hin, dass im Moment die Hirschbrunst in vollem Gange ist. Sehen tut man davon nicht viel. Wenn man allerdings im Dunkeln vor der Hütte steht, kann man die Hirsche deutlich vernehmen, die lauthals um die Gunst der Damenwelt buhlen.




Aufstieg über den Brendelsteig

Am nächsten Morgen brechen wir in Richtung der Birkkarspitze, der höchsten Erhebung im Karwendel auf. Der Steig beginnt direkt hinter der Hütte, wo Lawinenverbauungen umklettert werden müssen. Stahlseile bieten hier genügend Halt und Sicherheit. Anschließend geht es einfach durch Latschen hindurch und etwa 20 Minuten nach dem Aufbruch von der Hütte teilt sich der Weg. Links geht es hinauf zum 2192 Meter hohen Hochalmkreuz, geradeaus durch das Schlauchkar direkt auf die Birkkarspitze (den Weg nehmen die meisten) und rechts ist der Brendelsteig über die Ödkarspitzen ausgeschrieben.

Dem folgen wir zunächst leicht bergab. Anschließend queren wir die steilen Nordabbrüche der Ödkarspitzen in einem Schuttfeld und beäugen eine Gruppe Gemsen weiter oben. Nachdem wir den Schutt verlassen, windet sich der Weg in sehr sehr steilem Gelände durch Latschen bis auf etwa 2100 Meter.

Der weitere Steig zeichnet sich von hier zunächst gut ab. Über den Grat geht es teils ausgesetzt und gesichert auf eine steile Wand zu und wir fragen uns, wo dort eigentlich der Steig lang gehen soll. Mitten hindurch? Erst etwa 50 Meter bevor wir die fragliche Stelle erreichen, stellen wir fest, dass sich der schmale Pfad rechts um diese windet. Ein paar wenige anspruchsvollere Stellen werden überwunden und alsbald stehen wir wieder im Schutt an dessen Rand der Steig recht gerade auf eine Scharte hinführt.

Von der Westlichen zur Östlichen Ödkarspitze

Vor Erreichen der Scharte windet sich der Weg hart nach links und der von hier weniger furchterregende Gipfelaufbau der Westlichen Ödkarspitze (2712 m) liegt vor uns und wird in wenigen Minuten bezwungen. Von hier geht es in etwa fünfzehn und weiteren zwanzig Minuten weiter auf die Mittlere (2745 m) und die Östliche Ödkarspitze (2739 m).

Woher die Spitzen ihren Namen haben, wird bei einem Blick in die Umgebung schnell klar. Hier oben ist nichts. Kein Grün. Kein Braun. Gar keine Farben. Nur das Grau des porösen Kalks umgibt uns hier. Fast  könnte man meinen, man sei auf einem anderen Planeten. Nur die Bäume und das Grün der entfernten Täler lässt uns das nicht glauben.

Übergang zur Birkkarspitze

Ab der Westlichen Ödkarspitze nehmen die Schwierigkeiten nun ordentlich zu. Der Pfad folgt in etwa dem sehr steilen Gratverlauf und an mehreren Stellen nehmen wir das gespannte Stahlseil dankend zu Hilfe. Wir steuern immer weiter auf die kleine Schutzhütte in der Scharte zu und hier ist der Weg teils nur schwer zu finden. Wir quälen uns erst im Schutt nach unten, um uns anschließend auf dem Steig, der über die Birkkarklamm heraufführt, wiederzufinden.

In der Scharte angekommen, wird kurz die Birkkarhütte inspiziert. Die offenbart, dass das Nötigste zwar vorhanden ist. Statt einem Bett oder einem Lager gibt es allerdings nur einen Tisch. Auch eine Kochmöglichkeit sucht man vergebens. Es handelt sich bei der Hütte eben nur um eine Schutzhütte.

Über einen kurzen Aufschwung, der per Stahlseil gesichert ist, geht es nun an die letzten Höhenmeter zum höchsten Gipfel des Karwendels (2749 m). Der ist dann ohne größere Schwierigkeiten nach etwa 15 weiteren Minuten erreicht (etwa 4,5 h ab dem Karwendelhaus). Von hier reicht der Ausblick weit hinein in die Zentralalpen und natürlich ins nahezu komplette Voralpenland.

Abstieg über das Schlauchkar

Abstieg durch das Schlauchkar © Gipfelfieber.com

Abstieg durch das Schlauchkar © Gipfelfieber.com

Vom Gipfel geht es zurück zur Scharte und der kleinen Hütte. Die wird passiert und anschließend führt der Weg nördlich hinein ins Schlauchkar. Der ist anfangs etwas steiler, später aber lässt sich das Kar in rasanter Abfahrt recht schnell hinter sich bringen. Bald treffen wir wieder auf die Gabelung zum Brendelsteig und den Rest des Weges geht es wie am Morgen in anderer Richtung zurück zum Karwendelhaus (insgesamt etwa 6 Stunden Gehzeit).

Fazit

Als Tagestour ist die Besteigung der Birkkarspitze mit der Überschreitung der Ödkarspitzen über den Brendelsteig vom Tal aus recht ambitioniert. Daher empfiehlt es sich die durchaus schwierige Tour auf zwei Etappen aufzuteilen und zumindest eine Nacht im Karwendelhaus zu bleiben. So bleibt auch genügend Zeit, die raue Bergwelt des Karwendels auf sich wirken zu lassen.


Letzte Änderung: 6. Dezember 2016

6 Antworten zu " Rund um das Karwendelhaus – Königstour auf die Birkkarspitze "

  1. […] die Tourenplanung für unsere zweite Tour im Karwendel nachdem wir am Vortag über den Brendelsteig und die Ödkarspitzen der Birkkarspitze aufs Dach gestiegen sind, war ein bisschen mangelhaft. Grob die Tour rausgesucht und die […]

  2. […] nach meinen Examensklausuren im September dem Trubel für ein paar Tage entfliehen zu können. Erst drei Tage im Karwendel bei königlichem Wetter, röhrenden Hirschen und herrlichen Touren. Und direkt im Anschluss fünf […]

  3. […] angekommen, bietet sich ein herrlicher Blick hinein ins Karwendel. Gamsjoch, Laliderer Spitze und Birkkarspitze sind gut auszumachen. Im Norden reicht der Blick über nahezu die kompletten Bayerischen Alpen. […]

  4. […] sich die Ahrnspitzgruppe mit der markanten Ahrnplattenspitze und das Karwendel, in dem sich die Birkkarspitze dominant hervortut. Im Süden ist der Blick frei zum […]

  5. Sebastian sagt:

    Wir sind auch immer wieder im Karwendel unterwegs – zuletzt zum Schachenhaus und zur Höllentalangerhütte. Deine Tour ist echt spitze und kommt nächstes Jahr auf die Agenda. Vielen Dank dafür.

    Gruß

    Sebastian

  6. […] auf die Eng und in die abweisenden Nordwände von Lamsenspitze und Hochglück. Im Westen spitzt die Birkkarspitze heraus. Im Osten ein Zipfel vom einladenden […]

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